Käfergefahr: Landratsamt erhöht Druck auf private Waldbesitzer

Der bald ausschwärmende Borkenkäfer bringt Privatwald-Eigentümer in die Bredouille. Der Landkreis droht mit Ordnungsmaßnahmen, falls der Schädling nicht vor dem Ausschwärmen bekämpft wird. Doch das schaffen selbst die Profis im Sachsenforst nicht.

Zschopau/Marienberg.

Im Erzgebirgswald tickt eine Zeitbombe. Extreme Trockenheit hat im vergangenen Jahr die Fichtenbestände geschwächt und für den Befall von Holzschädlingen anfällig gemacht. Hinzu kommen noch nicht aufbereitete Sturm- und Schneebruchschäden. Die Borkenkäferpopulation hat sich im vergangenen Jahr gut entwickelt. Fachleute befürchten deshalb nach der Winterruhe eine erneute Massenvermehrung bislang unbekannten Ausmaßes.

Angesichts der Bedrohung hat der Erzgebirgskreis mit einer Allgemeinverfügung reagiert, die Erfassung und Bekämpfung von Nadelholzborkenkäfern im Privat- und Körperschaftswald regelt. Waldbesitzer sind demnach verpflichtet, Käferbefall bei der unteren Forstbehörde zu melden. Noch vor dem Ausflug der Käfer sollen befallene Bäume aufgearbeitet und aus dem Wald gebracht oder alternativ entrindet und die Rinde mit geeigneten Mitteln entsorgt werden.

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Doch das scheint nicht einmal den Profis im Landeswald zu gelingen. "Es wird nicht möglich sein, alles zu beräumen, bis der Käfer zu fliegen beginnt", sagt Ingo Reinhold, Leiter des Forstbezirkes Marienberg. Allein das jüngste Sturmtief Eberhard hat Mitte März nach ersten Schätzungen mindestens 60.000 Kubikmeter Holz geworfen. Rund 50.000 Kubikmeter gehen auf das Konto von Schneebruch zu Jahresbeginn. Wegen Stürmen und Käferbefall schlug der Sachsenforst schon im Vorjahr 50 Prozent mehr Holz ein, als regulär geplant war.

Nach den jüngsten Ereignissen habe sich die ohnehin angespannte Situation nochmals verschärft, sagt der Forstbezirksleiter: "Wir brauchen mindestens bis Jahresmitte Zeit zum Beräumen, wahrscheinlich auch noch bis ins dritte Quartal hinein." Ein Problem: Die dafür benötigten Kapazitäten an Fremdfirmen sind begrenzt. Neben 40 Waldarbeitern des Staatsbetriebes waren im Sommer vergangenen Jahres zehn Unternehmen mit Harvester sowie vier mit manueller Technik im Landeswald gebunden.

Hinzu kommt die prekäre wirtschaftliche Situation. Die Preise für Nadelrundholz sind laut Landratsamt wegen der großen Schadholzmengen um bis zu 50 Prozent eingebrochen. Nach den jüngsten Schneebruch- und Sturmschäden ist auch in diesem Jahr keine nachhaltige Verbesserung zu erwarten, sagt André Beuthner von der Pressestelle des Landratsamtes. Besonders betroffen sind private Besitzer. Denn die können kaum noch mit kostendeckenden Holzerlösen rechnen, räumt das Landratsamt ein.

Reichlich ein Fünftel der Erzgebirgswälder befindet sich in privater Hand. Hauptsächlich sind das Klein- und Kleinstwaldbesitzer, die nur hin und wieder mit dieser Problematik konfrontiert werden, sagt Ingo Reinhold. Ein weiteres Problem sieht er darin, dass frisch befallene Bäume - der Fachmann spricht vom Stehendbefall - mitunter schwer erkennbar sind. Gerade in dieser Phase kommt es darauf an, schnell zu reagieren. "Viele Waldbesitzer geben sich alle Mühe. Es gibt aber auch Einzelne, die weiter weg wohnen und die Gefahr noch nicht erkannt haben." Erschwerend komme hinzu, dass viele Waldbesitzer im Rentenalter nicht mehr gut zu Fuß sind und jemanden finden müssen, der die Bestände unter die Lupe nimmt. Reinhold: "Wir versuchen, die Leute auf allen uns zur Verfügung stehenden Kanälen zu erreichen und zu aktivieren." Anfang des Jahres erhielten private Waldbesitzer vom Sachsenforst ein Schreiben, in dem über Bekämpfungsmaßnahmen und Fördermöglichkeiten informiert wurde. Der Forstbezirk bietet auch Sprechstunden an, die Reinhold zufolge rege genutzt werden.

Mit der jetzt vom Landratsamt erlassenen Verfügung dürfte der Druck auf die Eigentümer von Privat- und Körperschaftswald weiter wachsen. Darin droht der Landkreis mit Ersatzvornahmen oder einer Geldbuße von bis zu 50.000 Euro, falls die Holzschädlinge nicht oder nicht ausreichend bekämpft werden.


Feuchte Witterung kann Massenvermehrung bremsen

Der trockene Sommer 2018 hat zur Massenvermehrung des Borkenkäfers geführt. Nachdem der Holzschädling im Winterhalbjahr eine Pause einlegte, schätzt der Forstbezirk Marienberg die Gefahr hoch ein, dass sich die Massenvermehrung demnächst fortsetzt. Eine hohe Anzahl an Käfern hat überwintert. Das ist in allen Entwicklungsstadien möglich, sowohl im Boden als auch unter der Baumrinde.

Aktiv wird der Käfer bei einer Temperatur von rund 16 Grad Celsius. Fachleute gehen davon aus, dass um Ostern herum der Schwarmflug beginnt. Ausbremsen kann ihn noch das Wetter. "Das was kein Mensch braucht, wünschen wir uns: einen feuchten Frühling und Sommer", sagt Forstbezirksleiter Ingo Reinhold. (mik)

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