Kapitän verlässt nach 20 Jahren den Chordampfer

Die Scharfensteiner Burgsänger haben am Samstag ihr letztes Konzert gegeben. Doch was war der Grund?

Scharfenstein.

Nicht die Mannschaft hat gemeutert, sondern ihr Kapitän ist von Bord gegangen. Die 20-jährige Erfolgsgeschichte der Scharfensteiner Burgsänger wurde am Samstag beendet. Andere Künstler oder Bands geben ein einziges Abschlusskonzert oder eine Abschiedstournee, die Scharfensteiner Burgsänger waren aber noch nie wie andere. Die Verbindung der Sängerinnen und Sänger mit ihrem Publikum war seit jeher sehr innig, deshalb konnten sie den vielen Freunden guter Chormusik einen letzten Wunsch einfach nicht abschlagen. Die Vorbestellungen gingen in einer solchen Vielzahl ein, dass der Laienchor etwas für ihn bisher nie Dagewesenes wagte: zwei Konzerte an einem Tag am selben Ort.

Natürlich musste es der Festsaal auf Burg Scharfenstein sein. An dem Auftrittsort, an dem am 7. Oktober 1998 ein neues Kapitel Chormusik im Erzgebirge aufgeschlagen wurde, ist es fast genau 20 Jahre später zu Ende gegangen. Aber selbst ein zweimal fast ausverkaufter Festsaal mit insgesamt knapp 200 zahlenden Besuchern konnte Chorleiter Karl Melzer nicht umstimmen, aber die Frage nach dem Warum und warum jetzt musste gestellt werden. "Und genau diese Frage habe ich erwartet, und als Antwort muss reichen, dass es nicht die eine Begründung gibt. Ich kann darauf nicht richtig antworten", sagt Karl Melzer. Der Zschopauer hatte den Chor gegründet, nun trug er ihn auch zu Grabe. Er habe diesen Schritt vor zwei Jahren angekündigt. "Es ist besser, zu einem Zeitpunkt aufzuhören, wenn es noch richtig Spaß macht, als langsam dahinzusiechen", so der 64-Jährige.

Dass aber noch genug Willen und Feuer im Chor und seinem Leiter stecken, erlebten die Besucher am Samstag. Die Leidenschaft an der Musik und dem Miteinander war zu sehen und zu hören. Abschiedstränen flossen nicht vor Publikum, dafür war am Abend noch genügend Gelegenheit, denn die Sängerinnen und Sänger trafen sich noch einmal mit ihrem nun ehemaligen Chorleiter. Und sie haben sich bedankt: für 20 Jahre Erfüllung im Miteinander, für 20 Jahre voller Musik.

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