Kindesmissbrauch: Reitlehrer erneut vor Gericht

Der Mann wurde bereits zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Doch der Fall muss neu verhandelt werden. Alles hängt von einer entscheidenden Frage ab.

Marienberg.

Ruhig, fast regungslos sitzt der 60-Jährige auf der Anklagebank. Neu ist diese Situation für ihn nicht. Denn vor fast genau einem Jahr wurde vor dem Amtsgericht Marienberg bereits ein rechtskräftiges Urteil im Strafprozess gegen den Reitlehrer gesprochen: ein Jahr und drei Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Seitdem sitzt er wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern im Gefängnis. Ob zurecht, das muss nun Richter Joachim Hermann abermals herausfinden.

Denn die Verteidigung ging gegen die gerichtliche Entscheidung vom 9. Oktober 2017 in Revision. Das Oberlandesgericht Dresden habe daraufhin das Urteil teilweise aufgehoben, erklärt Hermann. Grund: Darlegungsmängel. Die für das Strafmaß alles entscheidende Frage sei nicht geklärt. Wusste der Angeklagte das Alter seines Opfers?

Er selbst lässt auch zur erneuten Verhandlung von seinem Verteidiger ausrichten, weiter keine Angaben zu machen. Der vorbestrafte vierfache Vater schweigt zu den Vorwürfen, dass er sexuelle Handlungen an einem Kind vornehmen wollte. Vor zwei Jahren arbeitete der Angeklagte auf einem Reiterhof. Dort hatte er auch das Mädchen kennengelernt. Ihre Mutter meldete sie und ihre jüngere Schwester zum Unterricht an. "Reiten sollte ihr Hobby werden", sagt die Mutter vor Gericht. Stattdessen sei ihre Tochter heute psychisch angekratzt. Anfangs habe der Reitlehrer nett gewirkt. Die Mutter spricht sogar von einem freundschaftlichen Verhältnis, das sich zwischen ihrer Familie und dem Angeklagten entwickelte: "Man denkt doch nicht als Mutter, dass dann so etwas passieren kann."

Denn ihre Tochter und der Reitlehrer teilten mehr als nur die Leidenschaft für Pferde. Sie tauschten mit Nachrichten über Facebook Intimitäten aus. In dem vom Staatsanwalt vorgetragenen Chatverlauf macht der Angeklagte unter anderem unmissverständlich klar, dass er dem Mädchen das Küssen mit der Zunge beibringen möchte. An seiner Absicht, seine Schülerin zu sexuellen Handlungen zu bringen, besteht daher kein Zweifel. Unklar ist aber, ob der 60-Jährige bewusst eine Straftat beging.

Das Mädchen war zum Tatzeitpunkt 13 Jahre. Die Mutter beteuert vor Gericht, dass der Angeklagte das wusste. Doch weder ihre Tochter noch eine Zeugin vom Reiterhof können das bestätigen. Auch die beiden geladenen Polizistinnen nicht. Sie haben in dem Fall ermittelt, nachdem die Mutter des Opfers von dem Chat mitbekommen hatte und daraufhin Anzeige erstattete. Beide versäumten es, die entscheidende Frage während der polizeilichen Untersuchungen zu klären. Ihre Zeugenaussagen vor Gericht geben keinen Aufschluss darüber, ob der Angeklagte Kenntnis über das genaue Alter des Opfers hatte.

Richter Hermann hat daher noch kein Urteil getroffen. Die Verhandlung soll am 23. Oktober mit weiteren Zeugen fortgesetzt werden. Ihre Aussagen sollen helfen zu entscheiden, ob der Reitlehrer das Alter seiner Schülerin kannte - oder nicht.

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