Klein, aber besonders: Genossenschaft feiert Jubiläum

Die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Heidersdorf kann in diesen Tagen auf ihr 100-jähriges Bestehen zurückblicken. Viel hat sich seit 1919 geändert. Manche Mieter wiederum halten sogar schon 53 Jahre die Treue.

Heidersdorf.

Sie ist kein Spielball von Investoren, sondern ein unabhängiges Unternehmen im gemeinschaftlichen Besitz der Mitglieder: die Genossenschaft. Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung sind wichtige Prinzipien. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts erweisen sich genossenschaftliche Grundsätze als tragfähig. Im Großen wie im Kleinen.

Auf 100 Jahre ihres Bestehens kann in diesen Tagen die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Heidersdorf (GWG) zurückblicken, die über nur 21 Wohnungen verfügt und damit wohl zu den kleinsten ihrer Art gehört. "Zur Gründungszeit unserer GWG herrschte auch in Heidersdorf große Wohnungsnot. Daher fanden sich im Mai 1919 insgesamt 16 Interessierte zusammen, die etwas bewegen wollten", blickt die heutige Vorstandsvorsitzende der GWG, Astrid Freier, zurück. Bereits wenig später, Anfang 1920, wurde vom Vorstand unter der Leitung des Buchhalters Paul Oskar Linke der Auftrag für die Planung von zwei Wohnhäusern vergeben. "Die ersten Mieter sind im Juli 1921 eingezogen. Das danach errichtete dritte Haus war 1929 fertig", weiß Astrid Freier.


Am 1. Mai 1966 haben die derzeit treusten Mieter ihre Wohnung bezogen. "Wir wohnten vorher in einer Zweiraumwohnung, hatten 1958 geheiratet und auch unsere Tochter kam in dem Jahr zur Welt", sagt Johanna Zimmermann, die damals mit ihrem Mann Reiner Anteile an der Genossenschaft kaufte und in eine freie, größere Wohnung einzog. "Die Wohnungen hatten alle rund 50 Quadratmeter und den damals üblichen Standard: Wohn- und Schlafzimmer, Küche, Trockentoilette, Keller und Boden", erklärt Astrid Freier. Ein Kinderzimmer fehlte den Zimmermanns ebenso wie ein Bad. "Hilfe durch Selbsthilfe galt auch hier: Wir haben die Dachkammer zum Kinderzimmer ausgebaut, um Freiraum fürs Kind zu schaffen", erinnert sich Reiner Zimmermann. Nicht die einzige Selbsthilfe. "Im Keller haben wir eine Badewanne samt Badeofen eingebaut", ergänzt seine Ehefrau, die sich noch sehr genau an die 1995 erfolgte große Sanierung der Häuser erinnern kann. "Da wurde fast alles komplett erneuert: Elektrik, Heizung. Und wir haben seither ein Bad in der Wohnung", sagt die 82-Jährige.

Insgesamt 645.000 D-Mark investierte die GWG damals. "Die Mieter sind während der Bauarbeiten in ihren Wohnungen geblieben. Das war hart für alle Beteiligten, aber es hat funktioniert", erinnert sich Astrid Freier. Eine Besonderheit bei der Sanierung war, dass sich die Mieter für ihr Bad individuell die Fliesen aussuchen konnten. Zudem konnten sie zwischen Badewanne und Dusche wählen. "So was geht nur in einer Genossenschaft", betont Johanna Zimmermann.

Seit der Sanierung wurden jährlich - im Rahmen des Budgets und ohne neue Schulden - Instandhaltungs- und Werterhaltungsmaßnahmen getätigt. "Auch haben wir die Zuschnitte der Wohnungen nach Möglichkeit an den jeweiligen Bedarf angepasst. Auch, weil etliche junge Leute zum Teil mit Kindern zu unseren Mietern zählen", sagt Astrid Freier. Sie freut sich, dass derzeit nur eine einzige kleine Wohnung nicht vermietet ist. Ein Zeichen dafür, dass sich die Genossenschaftler wohlfühlen. "Dazu tragen auch die Kleingärten bei, die sich auf dem GWG-Grundstück befinden und seit 1929 bei Bedarf den Mietern zur Verfügung stehen", erklärt Astrid Freier.

Auch die Zimmermanns nutzen einen solchen Garten, in dem sie auf rund 100 Quadratmetern mit einer kleinen Laube auch ein Gewächshaus bewirtschaften. "Alles in allem ist das ein schönes Wohnen hier, auch weil wir uns alle gegenseitig helfen und unterstützen. Früher haben wir den Älteren geholfen, heute schippen die Jungen für uns zum Beispiel den Schnee", sagt Johanna Zimmermann.

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