Kleines Dorf, große Anziehungskraft

Zahlreiche Besucher nutzten den Tag des offenen Denkmals, um sich in Forchheim Wissenswertes über die Entstehung und Geschichte des Ortes mit seinen Denkmälern erzählen zu lassen. Und um Historie hautnah zu erleben.

Forchheim.

Einen regelrechten Besucheransturm hat am Sonntag Forchheim erlebt. Zum Tag des offenen Denkmals, zu dem deutschlandweit Tausende Denkmäler besichtigt werden konnten, hatte der Forchheimer Dorfverein in Zusammenarbeit mit den Hauseigentümern, der Feuerwehr, dem Ortschaftsrat und der Kirchgemeinde in den Ort eingeladen und erstmals auch zwei geführte Wanderungen durch den Ortsteil von Pockau-Lengefeld angeboten.

"Schon am frühen Vormittag herrschte reger Betrieb. Ob es Hunderte oder gar Tausende Interessierte waren, wage ich nicht zu schätzen. Die Gäste kamen auch von weiter her, etwa aus Chemnitz oder Annaberg", sagte Susanne Ramisch, die als stellvertretende Vorsitzende des Dorfvereins während einer der beiden Wanderungen rund 80 Interessierten allerlei Wissenswertes zur Entstehung und Geschichte des Ortes und seiner Entwicklung erzählen konnte. Zwischenstopps an denkmalgeschützten Häusern nutzten deren Besitzer, um ihrerseits Geschichte mit Geschichten in Erinnerung zu bringen. Christian Göhlert beispielsweise führte Gäste in den ältesten Teil seines Hauses, das er 1997 gekauft, umfassend saniert und unter Denkmalschutz hat stellen lassen. "Der Keller wurde auf 300 bis 350 Jahre geschätzt", erklärte Göhlert, der zudem noch eine Ausstellung zum Forchheimer Handwerkerverein, der vor 150 gegründet wurde, zeigte.


Mehr als zufrieden mit ihrer Entscheidung, Forchheim zum Tag des offenen Denkmals zu besuchen, waren am späten Sonntagnachmittag Monika und Henry Poller aus Neudorf. "Wir haben im Internet recherchiert, weil wir zu solchen Anlässen wie dem Tag des offenen Denkmals gern unterwegs sind. Unser Interesse an Historie und altem Handwerk wurde hier bestens bedient. Es war ein richtig guter Tag. Wo sonst kann man sich denn wie hier eine solche große Anzahl Einzeldenkmäler auf verhältnismäßig kleinem Raum ansehen", sagte Henry Poller.

Einen der Gründe dafür, warum es jetzt in Forchheim 23 Einzeldenkmäler, dazu eine Vielzahl von Fachwerkbauten sowie einzigartige Bauernhäuser gibt, kennt Susanne Ramisch. "Schon in den 1990er-Jahren gab es Diskussionen zum Aussterben der Dörfer. Der Freistaat Sachsen hatte deshalb ein Förderprogramm für sogenannte Musterdörfer ins Leben gerufen, bei dem der Kauf eines Hauses sowie die Sanierung bezuschusst wurden, wenn das Gebäude bestimmte Voraussetzungen erfüllte", erläuterte Susanne Ramisch.

Auch sie und ihr Mann Ringo nahmen das Förderprogramm in Anspruch, als sie Mitte der 1990er-Jahre ihr jetziges Haus kauften und anschließend sanierten. "Das rund 150 Jahre alte Gebäude - als Dachdeckerhaus bekannt - war damals fast noch im Zustand wie in der Zeit des Baus üblich: Wasser aus dem Brunnen vorm Haus, kein Abwasser, Trockenklo mit Fallgrube. Strom lag allerdings an", erinnert sich Ringo Ramisch, der - genauso wie seine Frau - eine Vorliebe für Fachwerkhäuser hat.

Gemeinsam nahmen sie die einem Neubau gleichende Sanierung in Angriff. "Dem Abriss bis auf die Grundmauern folgte der Wiederaufbau in der ursprünglichen Ansicht unter Verwendung alter Baumaterialien", erzählte Susanne Ramisch. Türen wurden aufgearbeitet und wiederverwendet, Balken aus einer alten Scheune verbaut und Baumaterialien wie Kalk und Lehm benutzt. Drei Jahre dauerte es, bis die Familie einziehen konnte.

"Die Besucher haben sich nicht nur für unser Haus sehr interessiert", freute sich Susanne Ramisch, die eine Wiederholung der Wanderungen zum Denkmaltag in Aussicht stellt: "Allerdings nicht jedes Jahr, sondern vielleicht im Zweijahres-Rhythmus."

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