Knappschaft und Stadt gehen getrennte Wege

Der Vereinsvorsitzende Roberto Sachse zieht nach Streitigkeiten einen Schlussstrich. Damit steht der Bergaufzug infrage.

Pockau-Lengefeld.

Wenige Wochen vor der Bekanntgabe, ob die Montanregion Erzgebirge Welterbe wird, kommt das Kalkwerk Lengefeld nicht zur Ruhe. Roberto Sachse, Vorsitzender der Knappschaft Kalkwerk Lengefeld, hat nun erklärt, dass er in Zukunft nicht mehr mit der Stadt zusammenarbeiten und sich der Verein deutlich weniger für das Museum engagieren werde. Grund ist ein Streit mit der Stadtverwaltung, der sich in den vergangenen Wochen zuspitzte. Betroffen davon ist vor allem der Bergaufzug. Ob dieser am zweiten Advent stattfinden kann, ist offen. Sachse betonte, er werde ihn nicht mehr organisieren. Den eingeladenen Knappschaften aus Marienberg, Seiffen und Waldkirchen sei seitens des Vereins abgesagt worden.

Wer sich im Kalkwerk umsehen will, kann dies derzeit nur im Rahmen einer Führung. Wegen der Baufälligkeit mehrerer Essen und einer Brücke ist es zu gefährlich, allein über den Hof zu gehen. Das Kalkwerk ist zwar nicht unmittelbarer Bestandteil des Welterbeantrages, jedoch assoziierte Stätte. Es soll mit beworben werden. Auch deswegen soll das Museum aufwendig saniert werden. Roberto Sachse will all dies in den kommenden Monaten nur noch aus der Ferne mitverfolgen. Viele Jahre ist das Kalkwerk ein wichtiger Teil seines Lebens gewesen. Der 60-Jährige war zuletzt befristet als Saisonkraft beschäftigt und hielt mit weiteren Teilzeitkräften die Anlage den Möglichkeiten entsprechend in Schuss. "Ich habe keinen neuen Arbeitsvertrag erhalten", sagt er und führt dies auf die Streitigkeiten zurück. Unter das Kapitel Kalkwerk Lengefeld will er einen Schlussstrich ziehen.


Dabei hoffte er zunächst, die Angelegenheit würde sich klären lassen. In seinen freien Monaten hatte Roberto Sachse am Kalkwerk vorbeigeschaut, so auch an einem verschneiten Tag im Februar. Zur Verwunderung des Lengefelders sei nicht ausreichend geräumt worden. Zwar ist das Museum in den Wintermonaten für die Gäste geschlossen, der Schnee müsse dennoch beseitigt werden, so Sachse. Nur auf diese Weise lasse sich sicherstellen, dass zum Beispiel die Feuerwehr das Museum im Notfall zügig erreichen kann.

Roberto Sachse beschwerte sich bei der Stadt. Dabei habe er sich mit seiner Meinung nicht zurückgehalten und deutliche Worte gefunden, räumte er ein: "Ich bat darüber hinaus Bürgermeister Ingolf Wappler, Museumsleiterin Martina Reichel und die Museumsmitarbeiter um eine gemeinsame Aussprache, diese kam jedoch nie zustande." Also zog er Konsequenzen. Da er keinen neuen Saisonvertrag erhielt, suchte er sich eine neue Arbeitsstelle. Zudem teilte er der Stadt mit, dass sie künftig nicht mehr auf ihn zählen könne.

Betroffen ist vor allem der Bergaufzug, an dem bislang die Trachtenträger der Lengefelder Knappschaft sowie befreundeter Knappschaften teilnahmen. Sachse engagierte sich zudem für den Berggottesdienst, der ebenfalls Hunderte Besucher anzieht und seit Jahren eine feste Größe in der Stadt ist. Weiterer Punkt: Roberto Sachse setzte sich für eine Wiederbelebung des Kalkofenfestes ein.

Damit stellt sich die Frage, ob die Veranstaltungen auch künftig angeboten werden können. Ingolf Wappler kann darauf noch keine Antwort geben. "Dazu werden zu gegebener Zeit Gespräche geführt", erklärte er. Zu Roberto Sachse möchte er sich nicht äußern. Damit bleibt offen, inwiefern das Nichtzustandekommen des Arbeitsvertrages mit den Meinungsverschiedenheiten in Zusammenhang steht. "Freie Presse" fragte den Bürgermeister unter anderem auch, wie er die künftige Rolle der Knappschaft einschätzt. Seine Antwort: "Bezüglich einer guten Zusammenarbeit zwischen der Knappschaft Kalkwerk Lengefeld und der Stadtverwaltung sind jederzeit Gespräche möglich."

Die Kirchgemeinde Lengefeld erfuhr von der "Freien Presse" vom Rückzug Sachses. "Wir bedauern das sehr", sagte Marina Volkmer von der Pfarramtsverwaltung. Sie hofft auf ein Einlenken der Beteiligten. Die Zusammenarbeit sei immer sehr gut gewesen. "Wir haben mit den Streitigkeiten nichts zu tun und sind die leidtragenden Dritten." Marina Volkmer sagte, dass die Kirchgemeinde das Gespräch mit Sachse suchen wolle.

Roberto Sachse erklärte indes, dass er Vorsitzender der Knappschaft bleiben wolle. Der Verein hat momentan 25 Mitglieder, davon derzeit 18 unter Tracht.

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