Kohle verkauft sich gut in der Hitze

HOCHSOMMER: Wie kommt der Erzgebirger mit Hitze zurecht, wenn er arbeiten muss und keinen Urlaub hat? Heute: die Brennstoffhändler David und Matthias Walther.

Zschopau.

Es ist warm. Wer denkt da schon an den Winter und die nächste Heizperiode? Doch gerade jetzt haben David Walther und sein Vater Matthias alle Hände voll zu tun. Seit 2006 betreiben sie in Zschopau einen Brennstoffhandel und liefern festes Brennmaterial an kleine Betriebe und Haushalte. "Wer glaubt, Kohleheizungen gehören der Vergangenheit an, der irrt sich", erklärt Juniorchef David Walther.

Bis zu 3500 Tonnen Kohle- und rund 2000 Tonnen Holzbriketts verlassen jährlich das Firmengelände an der Krumhermersdorfer Straße. Dass sich ausgerechnet im Hochsommer die Arbeit häuft, hat einen ganz profanen Grund. "Im April startete unser Zulieferer eine Sommeraktion, die in diesem Jahr bis Ende August verlängert wurde", so der 28-Jährige. Bis zu 15 Euro pro Tonne ist das schwarze Gold dann billiger. "Das nutzen die meisten unserer Stammkunden, die noch oder wieder mit Kohle heizen." Dabei handelt es sich nicht nur um alte Anlagen. Viele Hausbesitzer haben aus Kostengründen auf eine zusätzliche Brennstoffheizung umgestellt oder betreiben einen Kamin.

Es ist ein Knochenjob, der unter der brütenden Hitze auf dem Kohleplatz den Männern einiges abverlangt. Nachdem die Kohle ausgesiebt und von Staub befreit wurde, geht es an die Abfüllung über ein Förderband oder bei Kleinstmengen auch per Handverschüttung. Später werden die einen Zentner schweren Kohlesäcke oder je ein 25-Kilo-Gebinde in jeder Hand in die Keller gebuckelt. "Dort geht es zumeist eng zu, die Decken sind tief, und der Weg dorthin ist oft verstellt", berichtet David Walther. Und er kann sich über die Abkühlung in den Gewölben auch nur kurze Zeit freuen. "Gehen wir wieder nach oben ins Freie, dann schlägt die Hitze dort doppelt zu."

Bis zu zehn Tonnen Kohle liefern er und sein Vater auch bei Hitze täglich aus. "Nur einmal, als es die Sonne besonders gut gemeint hat, haben wir vormittags nach vier Tonnen aufgegeben und erst am späten Nachmittag weiter ausgeliefert." Dann macht den Händlern auch der Schweiß im Gesicht zu schaffen, der den Kohlenstaub förmlich anzuziehen scheint und die Vorfreude auf die Dusche nach einem anstrengenden Arbeitstag erhöht.

Bis ins Jahr 2013 sei der Verbrauch von Festbrennstoffen kontinuierlich gestiegen und halte sich seitdem etwas rückläufiger auf stabilem Niveau. "Wir haben auch Kunden, die ihre Freude am Heizen wiederentdeckt haben und bei uns im Sommer günstig bestellen", konstatiert der Zschopauer und weiß, dass es mit dem Kohleschleppen noch längst kein Ende hat. Er hält sich mit Radfahren oder Kraftsport für seinen Job fit.

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