Kombination aus Verfall und Kunst erweist sich als Attraktion

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Das Festival "Begehungen" führt die Besucher in diesem Jahr in das ehemalige Erzgebirgsbad in Thalheim. Mancher verbindet mit dem großen öffentlichen Interesse auch eine Hoffnung.

Thalheim.

Das Kunstfestival "Begehungen 2022" ist in aller Munde. Unter dem Motto "Plansch" verhilft es dem ehemaligen Erzgebirgsbad in Thalheim zu einer Renaissance. Allerdings steht maximal in den Außenbecken der früheren Freizeitstätte, die seit Jahren dem Verfall preisgegeben ist, etwas Wasser. Am dritten Tag der "Begehungen" hat es ein bisschen geregnet. Die Besucher hielt das aber nicht ab.

Schon am Eröffnungsabend strömten rund 500 Gäste ins Bad und in den Außenbereich. Am Freitag waren es laut Frank Weinhold vom Organisationsteam um die 1000. Der wettergraue Sonnabend ließ sich ähnlich gut an.

Auch Jamie und Lucy Mulcahy sind ins Abenteuer "Plansch" gestartet - für die Geschwister kein Sprung ins kalte Wasser. "Ich habe in diesem Bad das Schwimmen gelernt", sagte Lucy Mulcahy und schaute sich um. Vieles erkannte sie wieder, auch wenn der Glanz vergangener Tage gewichen ist. "Wobei ja alles noch recht gut erhalten scheint", stellten die Kunstliebhaber fest und hoffen, dass aus dem alten Bad etwas Neues entsteht. "Vielleicht findet sich ja eine Nachnutzung", so Lucy Mulcahy, die in den Niederlanden lebt. Der Besuch der alten Heimat wurde nun dank der "Begehungen" etwas ganz Besonderes: "Ich wollte das Festival schon lange einmal besuchen. Bisher kam aber immer was dazwischen."

Jamie Mulcahy wohnt dagegen in Chemnitz. Er kennt und liebt das Format: "Ich finde es jedes Jahr spannend, was mit alten Räumen passiert, wenn Kunst einzieht." Noch spannender fanden die aus Thalheim stammenden Geschwister die Reaktion anderer Gäste. Viele erinnern sich an frühere Zeiten und tauschen sich darüber aus, hat Lucy Mulcahy bemerkt: "Auf diese Weise kehrt das Bad in die Köpfe der Leute zurück. Vielleicht hilft das, endlich wieder etwas daraus zu machen." Besonders gefiel den beiden die Installation von Peggy Schneider, die aus alten Tapeten bunte Bikinis nach Schnittmustern aus alten DDR-Modezeitschriften in den Umkleiden platzierte.

Die Vielfalt der Herangehensweisen an das Thema Wasser und Spaßbad faszinierte Franziska und Sylvia Hübner. Tochter und Mutter sind bekennende "Begehungen"-Fans. Dass das Festival diesmal in der "Provinz" gastiert, finden sie gut. Die große Resonanz sowohl von Stammgästen des Festivals aus Chemnitz als auch von Thalheimer Einwohnern wundert Franziska Hübner nicht: "Ich denke, der erste Impuls ist der Reiz, sich das Bad und seinen Zustand mal wieder anzusehen. Dazu kommt die Kunst als zweiter Impuls quasi durch die Hintertür."

Diesen Effekt bestätigt auch Frank Weinhold: "Die Idee der verlassenen Orte in Kombination mit Kunst funktioniert." Noch bis 21.August haben Neugierige die Chance auf einen Badbesuch - ohne dabei nass zu werden.

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