Kritik an Hermann Flade erfährt Widerspruch

Aussagen mehrerer Olbernhauer Stadträte zu Umbenennung von Gymnasium oder Straße lösen Debatte aus

Olbernhau.

Soll in Olbernhau eine Straße oder gar das Gymnasium nach Hermann Flade benannt werden? Mit dieser Frage sollen sich am morgigen Mittwoch die Stadträte nichtöffentlich befassen. Im Gremium ist der Vorstoß umstritten. So gibt es Kritik an Flade, der vor 70 Jahren im Tivoli bei einem Schauprozess vom DDR-Regime zum Tode verurteilt wurde. Die Initiatoren des Gedenkens halten dagegen: Sie finden die Kritik ungerechtfertigt.

"Freie Presse" hatte unter anderem bei Stadtrat Hartmut Tanneberger (SPD) nachgefragt. Er erklärte: "Wir sollten nicht jemanden glorifizieren, der mit Gewalt auf einen Menschen losgeht." Auch Rat Guido Kolberg (CDU) äußerte Bedenken: Einerseits habe die DDR dem damals 18-jährigen Oberschüler übel mitgespielt. Auf der anderen Seite habe er zum Mittel der Gewalt gegriffen. Flade hatte 1951 in Olbernhau Flugblätter verteilt und sich für Demokratie eingesetzt. Bei seiner Festnahme verletzte er einen Polizisten mit einem Taschenmesser. Nach internationalem Druck wurde die verhängte Strafe in 15 Jahre Zuchthaus umgewandelt.

Sie habe die Äußerungen beider Räte mit Besorgnis gelesen, sagte Karin König, die sich für ein Gedenken ausspricht. Flade sei durch ein Urteil des Landgerichtes Dresden am 7. Januar 1997 rehabilitiert worden, betont sie. "Es ist verwunderlich, dass sich Olbernhauer Stadträte mit diesem Urteil nicht abfinden", so die Hamburger Autorin, die sich intensiv mit Flade befasst hat.

Auf Kritik stoßen die Äußerungen auch bei Tatjana Flade, Sandra Flade-Gimbel sowie Veronika Flade-Machunze. Sie finden die Aussage Hartmut Tannebergers falsch. Natürlich sei der Messerstich kritikwürdig, schreiben sie. Ihnen gehe es jedoch nicht um eine Glorifizierung. Viel mehr solle an ihren im Jahr 1980 verstorbenen Vater und dessen Widerstand gegen die Diktatur erinnert werden.

Petra Hinske aus Thüringen, die sich seit Jahren für das Leben Hermann Flades interessiert, regt in einem Leserbrief einen stärkeren Austausch zum Thema politisch verfolgte Menschen an. Sie empfiehlt der Stadt, den Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur einzubeziehen. (geom)

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