Künstler will Wunden von Schlemas Bahnhof verbinden

Beat Toniolos Plan sieht kein komplettes Verhüllen á la Christo vor. Zunächst aber soll eine Machbarkeitsstudie Möglichkeiten aufzeigen, wie das Projekt finanziert werden kann.

Bad Schlema.

Den durch den bulgarischen Künstler Christo verhüllten Reichstag hat wohl jeder noch im Kopf. Diese Bilder gingen um die ganze Welt. Nun ist der Bahnhof in Bad Schlema zwar nicht der Reichstag, doch ein neues "Kleid" würde ihm wirklich guttun. So wartete der Baubürgermeister von Aue-Bad Schlema, Jens Müller, vor gut zwei Monaten mit einer zunächst kurios anmutenden Idee auf: Das Bahnhofsgebäude in Niederschlema zu verhüllen. Denn ausgerechnet dort sollen zum Tag der Sachsen 2020 mit dem Zug anreisende Gäste empfangen werden.

Hintergrund sind Bauarbeiten an der Bahnstrecke zwischen Aue und Bad Schlema, die keine andere Möglichkeit zulassen. Weil aber der erste Eindruck wichtig ist, möchte Müller den Bahnhof zum Kunstobjekt machen und das Schmuddel-Image aufpolieren. Das Ansinnen löste sehr unterschiedliche Reaktionen aus. Während einige schmunzelten, stieß die Idee bei anderen auf offene Ohren. Zum Beispiel bei Performancekünstler Beat Toniolo. Der kann sich sehr wohl ein Projekt am Bahnhof in Bad Schlema vorstellen. "Allerdings würde ich ihn nicht komplett verhüllen, sondern bandagieren", sagte der in Schaffhausen geborene Künstler bei einem Besuch im Erzgebirge. "Wir waren eigentlich wegen eines anderen Projektes in Verbindung", erinnert sich Immobilienmakler Jens Zimmermann, und so gelang es ihm auch, Toniolo nach Schwarzenberg zu lotsen. "Das hat sich ganz gut ergeben, weil Beats Freundin bei Hartmut Rademann einen Schnitzkurs besuchte."


Aber Zimmermann führte Toniolo eben auch mit Annegret Richter zusammen, der Inhaberin des Hotels "Am Kurhaus" in Bad Schlema. "Ihr Mann heißt ja ebenfalls Beat und kommt genauso wie Beat Toniolo aus der Schweiz. Das ist doch eine schöne Verbindung", sagt Zimmermann. Toniolo, der in der Schweiz aufgewachsen ist und derzeit in Zeitz lebt, erfuhr durch Annegret Richter vom Tag der Sachsen und den Plänen in Bad Schlema.

"Den Bahnhof würde ich sehr gern bespielen. Das wäre eine gute Geschichte für mich", meint der Aktionskünstler. Der 56-Jährige möchte allerdings momentan die Erwartungen nicht zu sehr in die Höhe schrauben. Es gehe zunächst um eine Machbarkeitsstudie. Schon jetzt steht fest, dass er für das Bandagieren des Bahnhofs etwa fünf Kilometer Stoff benötigen würde. Dieser müsste natürlich finanziert werden. "Es ist recyclebarer Stoff", erklärt Toniolo. Annegret Richter schließt nicht aus, dass sich für das Projekt Sponsoren finden. "Es könnte ja anstelle des Kunstparcours in Bad Schlema umgesetzt werden", sagt sie. Selbst über die Farbe wurde bereits philosophiert. Blau sei ideal geeignet, weil Blau die Farbe von Bad Schlema ist und damit auch der Bogen zum Kobaltblau geschlagen werde. Dass Toniolo den Bahnhof bandagieren will, hat zweierlei Aspekte. Einerseits sieht er den aktuellen Zustand des Gebäudes als krank an, sodass die "Wunden" des Bahnhofs "verbunden" werden müssten. Andererseits erlernte Toniolo, ehe er zur Kunst fand, den Beruf des Sporttherapeuten. "Drogist bin ich außerdem noch", so der 56-Jährige.

Jens Zimmermann freut sich, dass es gelungen sei, Menschen zusammenzuführen. Er setze alles daran, dass Toniolos Ideen in die Tat umgesetzt werden können. "Du musst Unmögliches versuchen, um Mögliches zu erreichen - das ist mein Credo", so Zimmermann. "Kunst ist auch immer einer Brücke, auf der sich viele Leute treffen, parteiübergreifend schließen sich da Menschen zusammen", philosophiert Zimmermann.

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