Laienspielschar hofft auf Asyl

Das kulturelle Leben litt und leidet unter Corona. Zu spüren bekommen das auch die Maarguschn aus dem Lößnitzer Ortsteil Dittersdorf. Doch im Herbst soll sich der Vorhang wieder heben.

Dittersdorf/Lößnitz.

In 25 gemeinsamen Jahren haben Ehepaare viel erlebt und einiges durchgemacht. Aber wie hat Bauer Gustav seine Clara eigentlich kennen und lieben gelernt? Und welche Höhen und Tiefen haben beide hinter sich? "E Viertel Gar Hunnert" erzählt genau davon. So lautet der Titel des neuen Stücks, das die Dittersdorfer Maarguschn nur zu gern auf die Bühne bringen würden. Corona macht das allerdings deutlich schwieriger als sonst.

Nun ist aber ein Ausweg in Sicht. Geht alles gut, kann sich der Vorhang im Herbst heben. "Wir rechnen mit Terminen ab dem 24. Oktober", sagt Jens Becher. Er mimt Bauer Gustav - und sitzt wie seine Mitstreiter aus der Laienspielschar des Lößnitzer Ortsteils wie auf Kohlen. "Wir proben seit Monaten." Freilich mit Unterbrechungen aufgrund der Pandemie. Aber die Spiellust treibt inzwischen alle Darsteller um. Auch Amelie Müller, die seit 15 Jahren zu den Maarguschn gehört. "Ich wohne im Dorf und will mich ins Leben hier einbringen", nennt die Schülerin ihre Beweggründe. Mit etwas Glück mischt im neuen Stück, in dem neun Personen vorkommen, noch jüngerer Schauspielnachwuchs mit. So ist laut Becher eine Szene mit zwei achtjährigen Jungen geplant.

Auch für die alten Hasen wird diesmal vermutlich alles anders. Denn das "Wohnzimmer" der spielfreudigen Frauen und Männer erweist sich angesichts der aktuellen Lage als zu klein. "Befolgen wir alle Regeln, kriegen wir keine 30 Leute in die Äppelkammer", so Becher. Guter Rat ist teuer - und bei Nachbarn eine Lösung in Sicht. So bestehe inzwischen Kontakt mit dem Team der Affalterer "Linde", die um die 100 Leute fassen würde. Die Terminsuche läuft. "Es sieht ganz gut aus. Wir würden uns riesig freuen, wenn es klappt." Problem: Kulisse und Bühnen-Deko müssten für einige Tage an Ort und Stelle bleiben können. "Wenn wir alles nach nur einer Aufführung wieder abbauen müssten, ist der Aufwand zu groß", sagt Becher und ergänzt: "Wenn wir zwei Sonnabende finden und je zwei Vorstellungen geben, dann wäre das optimal."

Das Stück in sechs Akten, das erneut aus der Feder von Maargusch Uwe Meier stammt, habe die Aufführungen verdient. "Wir legen eine Menge Herzblut hinein", betont Becher. Bauer Gustav und seine Clara dürfen in der inzwischen zehnjährigen Spieltradition der Dittersdorfer als Publikumslieblinge gelten. Ein Schwank auf dieses Duo zugespitzt - ein wahrhaft offensiver Angriff auf das Zwerchfell.

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