Lust auf Urlaub: Erzgebirger zwischen Reiselust und Reisefrust

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Die Erzgebirger sehnen sich nach Urlaub. Doch anders als vor Corona quält sie weniger die Frage: Wohin? Vielmehr verunsichern die vielen unterschiedlichen Regeln und Reisebestimmungen.

Marienberg.

Ab in den Urlaub - oder doch nicht? Die Corona-Zahlen sinken. Mehr Freiheiten sind wieder erlaubt. Damit wächst auch die Reiselust der Erzgebirger, bestätigen hiesige Reiseunternehmer. Weiterhin für Frust sorgen hingegen die vielen offenen Fragen aufgrund ständig wechselnder Regelungen - nicht nur im Aus-, sondern selbst im Inland. Reicht Geimpften und Genesenen die Bescheinigung? Muss nur ein Schnelltest oder aber ein PCR-Test vorliegen? Droht bei der Wiedereinreise Quarantäne? Wo gilt Masken- und Abstandspflicht?

Mandy Kreher hat vergangene Woche Donnerstag erstmals wieder Kunden im Reisebüro in Zöblitz begrüßen können. "Die Leute scharren mit den Füßen. Sie sind sonnenhungrig und wollen endlich wieder weg", sagt die Reiseverkehrskauffrau, bei der das Geschäft gut angelaufen sei. Ob Urlaub an der Ostsee oder eine Flugreise in den Mittelmeerraum - die Ziele seien bunt gemischt. Allerdings würden viele Erzgebirger die quasi täglich geänderten Bestimmungen abschrecken. "Es ist ein einziger Flickenteppich. Jedes Land, jede Airline handhabt es anders", erklärt Mandy Kreher. Da sei Urlaub selbst voriges Jahr deutlich einfacher gewesen. Auch der Preis für PCR-Tests, der um die 150 Euro pro Person beträgt, sei allen voran bei Familien mit mehreren Kindern ein Thema, zumal die Reisepreise ohnehin angezogen haben. Dennoch kommen regelmäßig neue, gute Nachrichten hinzu. Beispielsweise sei bei Flugreisen nach Spanien kein PCR-Test mehr notwendig.

Um Licht ins Regelwirrwarr zu bringen, verweist Mandy Kreher auf die Internetseite des Auswärtigen Amtes. So handhabt es auch Olaf Gülzow (Foto), der seit Mitte der 1990er-Jahre die Reisebörse Marienberg betreibt. Trotzdem würden die wechselnden Regeln die Leute verunsichern, manche sogar verängstigen. "Von Normalität sind wir noch weit entfernt", sagt Olaf Gülzow. Touristische Reisen in die USA, wo sich der Erzgebirger besonders gut auskenne, seien sogar noch generell verboten. Auch der Reisebörse-Inhaber freut sich daher über jede kleine Lockerung.

Zwar sei die Sehnsucht nach Urlaub spürbar. "Es beginnt, aufwärts zu gehen - aber auf niedrigem Niveau." Olaf Gülzow rechnet aktuell mit etwa 20 bis 25 Prozent des Umsatzes im Vergleich zu 2019. Die Mittelmeer-Region sei weiterhin beliebt. Mehr nachgefragt werden derweil Hotels in Deutschland.

Das bestätigt Falko Weber von Drei-Tannen-Reisen in Olbernhau. Übernachtungen an der Ostsee in den Ferien seien fast keine mehr verfügbar. Gut gebucht werden aber auch Reisen innerhalb Europas. "Mallorca, Türkei, Spanien, Griechenland: Die Leute wollen dringend Urlaub nachholen. Der Erzgebirger liebt das Reisen", sagt Falko Weber. Der Trend seiner Kunden gehe sogar in Richtung teurere Hotels. Selbst die Kosten für PCR-Tests würden nicht abschrecken.

Der Olbernhauer, der auch Motorrad-Reisen anbietet, ist am Mittwoch erstmals wieder mit einer großen Gruppe mit etwa 150 Bikern nach Österreich aufgebrochen. "Alle sind heiß, wollen raus, die Berge sehen", sagt Falko Weber. Im 48-Stunden-Rhythmus ein neuer Corona-Test - der Aufwand halte sich dabei in Grenzen.

Überschaubar seien allerdings auch die bisherigen Buchungen für Busreisen, die der Olbernhau wieder ab 4. Juli anbieten wird. Möglich sind sie sogar schon ab kommenden Montag, sagt Peter Meyer, Inhaber von Katzenstein Reisen in Marienberg. "Seit Ende Oktober hat Stillstand geherrscht. Wir sind froh, dass es wieder losgehen kann", betont Peter Meyer. Seine erste Busreise zum Wilden Kaiser sei schon ausverkauft. Doch die Fahrt nach Österreich beginnt erst am 27. Juni, da bis zuletzt vieles unklar gewesen sei. Auch er berichtet von verunsicherten Kunden wegen ständig neuer Bestimmungen. Nichtsdestotrotz: Alle seien froh, endlich wieder raus und unter Leute zu kommen.

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