Mahnwache: Euphorie weicht der Ernüchterung

Susanne Stülpner hat gestern Abend letztmals zur Demonstration auf dem Marienberger Markt aufgerufen. Die Resonanz blieb hinter den Erwartungen zurück. Auch hinsichtlich der Petition.

Marienberg.

An der sechsten und zugleich letzten Demonstration auf dem Marienberger Markt haben gestern Abend lediglich rund 30 Bürger teilgenommen. "Schade. Und das ausgerechnet zum Abschluss", sagte Initiatorin Susanne Stülpner. Obwohl die Anfangseuphorie der Ernüchterung gewichen ist, kann die Friseurin den vergangenen Zusammenkünften durchaus Positives abgewinnen.

Stülpner hatte am 3. September nach der tödlichen Messerattacke und den anschließenden Auseinandersetzungen zwischen rechten und linken Demonstranten in Chemnitz zu einer ersten Mahnwache aufgerufen. 350 Bürger hatten daraufhin friedlich auf dem Markt demonstriert. Es folgten weitere Zusammenkünfte mit Redebeiträgen zu Themen wie Bildung, Pflege, Rente und Asylpolitik. Stülpner wollte vor Augen halten, dass die Menschen mehr bewegt als nur das Migrationsproblem. Der Protest wurde schließlich ausgeweitet, gemeinsam mit Carmen Gerke und Susanne Schmerler eine Petition mit dem Titel "Merkel hört Sachsen" gestartet, mit der die drei Frauen auf gesellschaftliche und politische Missstände aufmerksam machen wollen. Gestern schließlich sollten die meisten der ausgereichten Unterschriften-Listen wieder eingesammelt werden.

Doch von den anfangs erhofften Tausenden Unterstützern ist Stülpner längst abgewichen: "Wir dachten in der Euphorie an viele Unterschriften. Es konnte keiner ahnen, dass es so schwer ist, für seine Zukunft den Stift in die Hand zu nehmen." Wie viele Unterzeichner es tatsächlich geworden sind, konnte die Initiatorin gestern nicht sagen. Noch bis Samstag besteht die Möglichkeit, die ausgereichten Listen in ihrem Friseursalon oder im Geschäft von Carmen Gerke abzugeben. "Danach wollen wir zählen und auswerten."

Ausgewertet hat Stülpner gestern auch die vergangenen Wochen. Trotz der geringen Resonanz zum Abschluss sei die Initiative aufgrund des durchweg positiven Feedbacks ein Erfolg gewesen. "Nun liegt es in unseren Händen, die Politik auf kommunaler Ebene mitzugestalten", betonte Stülpner. Sie schließe nicht aus, selbst politisch aktiv zu werden - und appellierte an die Mitbürger, auf den eigenen Menschenverstand und die unvoreingenommene Intuition zu vertrauen. Das sei wichtig in Zeiten der Resignation.

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