Marienberg lässt Alternativen für Radweg prüfen

Als "überlebensnotwenig für den Tourismus" bezeichnet der Oberbürgermeister die Strecke. Sie soll die Region mit dem Kammweg Erzgebirge - Vogtland verbinden. Doch die Planungen sind noch aufwendiger als gedacht.

Marienberg/Reitzenhain.

Er wolle das Projekt umsetzen, sagt André Heinrich. Unbedingt. Es werde allerdings noch eine Weile dauern, warnt der Marienberger Oberbürgermeister. Gemeint ist der Radweg von Marienberg nach Reitzenhain. Vor 2018 werde der auf keinen Fall gebaut: Derzeit prüft das Tiefbauamt in Zusammenarbeit mit zwei Planungsbüros Alternativen zur bisher angedachten Streckenführung.

Die Vorzugsvariante soll entlang der ehemaligen Bahnstrecke zwischen Marienberg und Reitzenhain verlaufen. Die Strecke war 1994 stillgelegt worden; 2013 hatte die Stadt das Bahngrundstück gekauft. Und als bundesstraßenbegleitender Radweg könnte das Projekt sogar zu 100 Prozent gefördert werden. Eine Verkehrszählung ergab: Die Anzahl der Radfahrer auf der Bundesstraße174 und der Transitverkehr rechtfertigen einen Radweg. Es folgten: Rückbau der Gleise 2013, Vermessungen. An zwei Stellen kreuzt die Strecke die B174, dafür wurden mehrere Möglichkeiten der Querung geprüft. So weit, so aufwendig. Die Umsetzung, das heißt der eigentliche Bau, sei Heinrich zufolge nicht das Problem.

Doch auf Anraten des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), mit dem die Stadt die Planungen abstimmt, werden nun drei alternative Streckenführungen zur alten Bahntrasse geprüft. Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert erklärt: Es gelte, rechtssicher nachzuweisen, dass die Trasse und der damit verbundene Eingriff in den Naturraum tatsächlich die wirtschaftlichste und umweltverträglichste Variante sei. Ansonsten, ergänzt André Heinrich, drohen Schwierigkeiten mit verschiedenen Interessensgruppen bei späteren Planungsschritten, das habe sich bei ähnlichen Projekten gezeigt. Denn die kürzeste Variante ist die Bahntrasse nicht: Sie macht ein paar Kurven, ist mit etwa 18 Kilometern sechs Kilometer länger als die Bundesstraße. Ob sie dennoch als bundesstraßenbegleitend einzustufen ist - auch das sollen die Prüfungen zeigen, erklärt Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert auf Nachfrage. Es müsse nachgewiesen werden, dass die Strecke trotz des Umweges nicht nur touristisch, sondern auch für den Alltagsverkehr genutzt werde. Wesentliche Argumente, die dafür sprechen, seien Siebert zufolge die Anbindung der Ortsteile Gebirge und Gelobtland, und die geringen Steigungen.

Letzteres sieht auch Heinrich als wesentlichen Vorteil: So ließe sich der Radweg auch mit Kindern gut befahren. Außerdem sei mit der Trasse bereits eine Schneise durch den Wald vorhanden. Für ihn entscheidend: Das Grundstück befindet sich schon im Besitz der Stadt. "So ein durchgängiges Flurstück zu bekommen, ist ansonsten fast unmöglich."

Die Alternativrouten (siehe Grafik) sind zwar kürzer, führen aber über Gebiete verschiedener Eigentümer. Wenn die nicht verkaufen wollen, müsse man Enteignungen prüfen, so Heinrich. Das dafür benötigte Planfeststellungs- und zu erwartende Gerichtsverfahren würden den Bau wahrscheinlich um Jahre verzögern.

Ende November will die Stadt die überarbeitete Vorplanung inklusive Variantenuntersuchung beim Lasuv einreichen. Das muss die Unterlagen ebenfalls prüfen, dann können die Arbeiten am Vorentwurf zur Prüfung der technischen und rechtlichen Machbarkeit beginnen. Das Vorhaben sei eher ein Marathon, als ein Kurzstreckenlauf - so formulierte es der damalige Oberbürgermeister Thomas Wittig schon im Jahr 2012. Immer wieder fragen Bürger nach dem Stand, sagt Heinrich. "Die Leute denken, hier passiert nichts." Als Anbindung zum Kammweg und nach Tschechien sei der Radweg wichtig, um "touristisch überlebensfähig zu bleiben", betont der Rathauschef, und wiederholt: Er soll kommen. Unbedingt.


Kommentar: Schwarzstorch versus Radler

Radeln, wo einst Züge fuhren - damit kann doch niemand ein ernsthaftes Problem haben. Noch dazu, wenn man die Strecke auf dem Silbertablett bekommt. Oder doch? Auch durchs Striegistal soll ein Radweg entlang einer alten Bahntrasse führen, seit mittlerweile zehn Jahren laufen die Planungen dazu. Das Problem: Die Strecke verläuft durch geschützte Naturräume, Naturschützer drohen mit Klagen. Dieses abschreckende Beispiel spielt bei dem zusätzlichen Planungsaufwand, den Stadt und Landesamt jetzt betreiben, gewiss eine Rolle: Auch zwischen Marienberg und Reitzenhain werden geschützte Gebiete berührt. Zweifellos ist Naturschutz wichtig. Seit 22 Jahren ist kein Zug mehr durch den Wald gerollt, die Natur hat die ehemalige Bahntrasse zurückerobert. Auch Bodenversiegelung soll und muss auf ein Minimum reduziert werden. Ob es allerdings der Naturliebe zuträglich ist, wenn Radwege durch die (vorgeschobenen?) Interessen von Schwarzstörchen und Milanen verhindert werden, ist fraglich.

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