Marode Brücke bereitet Heidersdorfern Kopfzerbrechen

Würde der Übergang über die Flöha abgerissen, ginge Anliegern ein wichtiger Zufahrtsweg verloren. Der Bürger- meister hat zwar einen Plan. Doch die Umsetzung wäre aufwendig.

Heidersdorf.

Risse in den Seiten, abgeplatzter Beton, rostiger Stahl: Laut einem neuen Gutachten schneidet die Zechenweg-Brücke in Heidersdorf schlecht ab. Bürgermeister Andreas Börner (PBI), der das Gutachten in Auftrag gegeben hatte, spricht von einem "eklatanten Zustand. Wenn etwas passiert, sind wir in der Haftung." Eine Reparatur komme nicht infrage, Abriss und Neubau seien auf Dauer unausweichlich. Das Problem: Bei einer Sperrung ginge Anliegern ein wichtiger Zufahrtsweg verloren.

Probleme ergäben sich zum Beispiel für die Werkzeugbau-Firma Seipt. "Das wäre ganz schlimm für uns", sagt Jürgen Seipt, der den Betrieb mittlerweile an seinen Sohn Carsten übergeben hat. "Dann können wir gleich zu machen." Bis zu 20 Tonnen schwer sind die Lkw, welche die Brücke überqueren, um die Firma zu beliefern. Sie bringen Stahlteile oder holen fertige Maschinen ab. Einen anderen Weg gibt es Seipt zufolge nicht. Theoretisch könnten Fahrzeuge zwar einen weiten Bogen über das Dorfzentrum und die Mortelbachstraße nehmen. Aber diese Strecke ist für größere Transporter zu eng. Einige haben es laut Jürgen Seipt schon versucht, seien jedoch an Gartenzäunen hängengeblieben, als sie eine besonders heikle Kurve nehmen wollten.

Eine Lösung, mit der auch die Anlieger-Firma leben könnte, sieht vor, dass die alte Brücke solange stehen bleibt, bis eine neue - in unmittelbarer Nähe - fertiggebaut ist. So könnten Transporter weiterhin den Fluss passieren. Dies würde allerdings bedeuten, dass der Zechenweg teilweise neu verlegt werden müsste. Die behördliche Genehmigung dürfte sich in die Länge ziehen, weil mehrere Ämter einzubinden wären, darunter das Umweltamt und die Flussmeisterei. Außerdem ist mit hohen Kosten zu rechnen: Etwa 250.000 Euro müssten voraussichtlich allein in den Brückenneubau investiert werden. Börner schätzt die Gesamtkosten samt Straßenverlegung auf bis zu 400.000 Euro. Ein Großteil ließe sich jedoch durch Fördermittel finanzieren. Möglichst im nächsten Jahr sollen die Arbeiten beginnen.

Wie alt der Übergang über die Flöha ist, lässt sich schwer sagen, es fehlen Unterlagen. Gutachter Knut Freitag, Ingenieur für Brückenbau, schätzt, dass er in den 1970er-Jahren errichtet wurde. Mit der Note 3,3 ("Nicht ausreichend") hat er die Brücke bewertet - wobei die schlechtestmögliche Note die 4 ist ("Sofortige Sperrung"). Gefahr ist laut Freitag nicht in Verzug, aber eine Sanierung wäre wirtschaftlich nicht vertretbar, weil der Verfall auf Dauer nicht aufzuhalten sei.

Schon vor Jahren habe Seipt die Kommune auf den Zustand der Brücke hingewiesen. "Aber keiner hat sich drum gekümmert." Börner, der seit August 2015 im Amt ist, sagt: "Eine Verwaltung sollte das eigentlich merken." In der Regel müssen Brücken alle sechs Jahre einer Hauptprüfung unterzogen werden. Börner sieht zudem ein weiteres Problem: In der Eröffnungsbilanz, die das Vermögen der Kommune erfasst, wird der Wert der Brücke mit 92.000 Euro beziffert - viel zu hoch aus Sicht des Ortschefs. Er befürchtet Buchwertverluste.

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