Medizintechnik löst Socken ab

Die Falkenbacher Strumpfwerke sind gen Zwickau abgewandert. Für den Ort ist das bitter. Doch ein vielversprechender Nachfolger übernimmt nun das Werk.

Die ehemalige Strumpffabrik in Falkenbach beherbergt jetzt das Logistikzentrum des Klinik- und Praxisausstatters Graupner Medical Group. Äußerlich weist nichts mehr auf die frühere Nutzung hin.
Beate Viertel ist Geschäftsführerin der Graupner Medical Group. Gemeinsam mit Dr. Gunter Becher (r.) hat das Unternehmen ein Gerät entwickelt, das Atemluft auf Krankheitserreger testen kann.

Von Sven Wagner und Denise Märkisch

Schon länger gab es Gerüchte, inzwischen ist es offiziell: Die FST Falkenbacher Strumpfwerke GmbH ist aus dem Wolkensteiner Ortsteil Falkenbach abgewandert und produziert an einem neuen Standort außerhalb des Erzgebirges weiter. Neuer Sitz der Strumpfwerke ist St. Egidien im Landkreis Zwickau. Das geht aus einem Handelsregisterauszug vom 2. August hervor. Demnach hat die Gesellschafterversammlung die Änderung des Firmensitzes bereits Ende Juli beschlossen. Damit hat ein traditionsreiches und alteingesessenes Unternehmen die Region verlassen.

Wie und warum es dazu kam, lässt sich schwer sagen. Auf Anfrage von "Freie Presse" war Geschäftsführerin Daniela Göbel für eine kurzfristige Stellungnahme nicht verfügbar. Zu den Gründen des Umzugs und zur Frage, seit wann dieser geplant war, gab es keine Auskunft. Auch nicht darüber, ob die Mitarbeiter für den neuen Standort übernommen wurden oder ob Mitarbeiter im Zuge dessen das Unternehmen verlassen haben. Klar ist aber: Am neuen Firmensitz sitzt auch die Esda Strumpfwerke GmbH. Und die seit Ende 2016 bestellte Geschäftsführerin Göbel wird auch dort als Geschäftsführerin angegeben.

Das Ende der Herstellung im 1927 entstandenen Strumpfwerk in Falkenbach kommt zumindest überraschend. Noch vor wenigen Jahren hat das Unternehmen nach eigenen Angaben 200.000 Euro in Falkenbach in neue Strick-, Konfektions- und Verpackungsmaschinen investiert, um sich als Produzent von Kinderstrumpfwaren zu behaupten. 2011 wurde ein Umsatz von 2,9 Millionen Euro und damit eine deutliche Steigerung gegenüber den Vorjahren anvisiert.

Wolkensteins Bürgermeister Wolfram Liebing bedauert den Wegzug. "Ich habe bis zuletzt Interesse bekundet, dass das Werk bleibt", erklärt er. Doch es sei eben anders gekommen und das müsse akzeptiert werden. Liebing sagt zwar, dass damit eine lange Tradition in Falkenbach ende, aber es gebe ja noch zwei Hersteller in Hilmersdorf und Wolkenstein. Und: Er freut sich, dass am Standort der Strumpfwerke gleich neues Leben eingekehrt ist und neue Arbeitsplätze entstanden sind: Die Graupner Medical Group mit Sitz in Geyer hat in der Falkenbacher Fabrikhalle ein neues Logistikzentrum eröffnet.

Seit knapp 30 Jahren ist das Unternehmen am Markt. Graupner vertreibt medizinische Produkte - zum Portfolio gehört so ziemlich alles, was im Bereich Medizin und Pflege gebraucht wird. Das Spezialgebiet ist unter anderem die Ausstattung von Praxen und Kliniken. Bisher lagerten die Produkte in angemieteten Lagerhallen. In Falkenbach hat das Unternehmen nun die alte Strumpffabrik erworben, saniert und bereits Teile für die Nutzung umgebaut. Neben dem Lager wurden auch Büroräume für einen Teil der 67 Mitarbeiter geschaffen. Noch ist nicht alles fertig. Geschäftsführerin Beate Viertel rechnet damit, dass am Ende 600.000 bis 700.000 Euro investiert werden. Zudem sei in dem neuen Firmenteil in Falkenbach auch Platz für eine Fertigungsstrecke, beispielsweise für das neue Gerät des Unternehmens, den "Multi-Marker-Monitor".

Dabei handelt es sich um einen kleinen grauen Kasten mit Display und Mundstück, mit dem die Atemluft von Patienten auf Erreger und Krankheiten getestet werden kann. Als Beispiel nennt Viertel antibiotikaresistente Keime. Auch Tuberkulose, Ebola und vieles mehr könnten mit dem Atemlufttest erkannt werden. Der Vorteil im Gegensatz zu anderen Verfahren liege in der Schnelligkeit und in den relativ niedrigen Kosten einer Analyse. Außerdem sei das Gerät mobil, was den Einsatz auch fernab von Krankenhäusern und Labors ermögliche.

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