Miniaturen werden seit 85 Jahren gefertigt

Produkte der Firma Kunstgewerbliche Schnitzereien Emil Helbig sind derzeit im Olbernhauer Museum zu sehen.

Olbernhau.

Angefangen hat alles mit klobigen Pferden und Ochsengespannen aus Holz. Spielzeug, das damals wertvoll und teuer war, weshalb es sich 1933 auch nur wenige leisten konnten. Doch der Grünhainichener Emil Helbig, gelernter Bildhauer in einer Möbelfabrik, war findig, produzierte in seiner gerade erst gegründeten Firma kunstgewerbliche Schnitzereien: mit Weihnachtspäckchen beladene Hirsche nebst kleinen Blumenkindern, plastisch exakt herausgearbeitet, rund acht Zentimeter hoch. 100 Stück orderte ein Stuttgarter Händler. Doch die schmalen Beinchen der Holztiere zerbrachen beim Transport, das Geschäft war geplatzt. Allein die kleinen Blumenkinder sind heil geblieben - weshalb Helbig von da an nur noch diese drei bis vier Zentimeter großen Figuren fertigte.

Bis Ende April verfolgt eine Sonderausstellung im Olbernhauer Museum den Werdegang der Kerbschnitzereien von Emil Helbig. Eine Vielzahl an Figuren, Mustern und Vorlagen zeigen einen Teil der Produktion, die in den vergangenen 85 Jahren unter den Händen der Schnitzer entstanden sind. Denn die Miniaturen werden auch heute noch gefertigt - bloß gibt es sie nicht mehr nur als Mädchen und Jungen mit Blumen. Die Erzeugnispalette umfasst derzeit rund 150 Hauptartikel, wobei diese wiederum aus einer Vielzahl verschiedener Bestandteile bestehen. "Wir schnitzen keine einzelnen Figuren, vielmehr Gruppen und Ensembles", sagt Bettina Bergmann, die das Unternehmen heute in dritter Generation - mittlerweile in Lengefeld - führt.

"Wenigstens zwei Männel bilden mit einem Baum, einer Blume oder einem Ausrüstungsgegenstand ein Modell. Insofern umfasst unser Angebot derzeit rund 600 geschnitzte Figuren, vom Engel über den Zwerg bis hin zu den Tieren", so die Firmenchefin. "Mein Großvater hat uns Kindern beim Spielen genau zugeschaut und dann seine Entwürfe danach angelegt. Es sind keine besonders schwierigen Schnitzereien daraus entstanden, aber sie haben bis heute einen hohen Wiedererkennungsfaktor", sagt Bettina Bergmann, die der Einladung zu dieser Ausstellung nach Olbernhau gern gefolgt ist. "In den 1940er-Jahren waren es Olbernhauer Großhändler, Verleger genannt, die auch die Produkte von Emil Helbig in die Welt hinaus verkauften", sagt Museumsleiter Frank Lehmann.

Die Ausstellung "Emil Helbig - 85 Jahre Flachfigurenschnitzerei" ist bis 28. April im Museum Olbernhau, Markt 7, zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis samstags in der Zeit von 10.30 bis 16.30 Uhr; an Sonn- und Feiertagen jeweils von 12 bis 16 Uhr. Am 24., 25. und 31. Dezember bleibt das Museum in Olbernhau geschlossen.

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