Minus 110 Grad im Selbstversuch

Die Silber-Therme in Warmbad bekommt eine Kältekammer. Erster Gast beim Testlauf: die Chefin der Einrichtung.

Warmbad.

Bianca Keil hat es kalt erwischt: Die Leiterin der Silber-Therme Warmbad setzte sich gestern freiwillig einem Kälteschock von minus 110 Grad Celsius aus. Grund dafür war der Testlauf einer Kältekammer in der Therme, deren Installation nunmehr abgeschlossen ist. "Bevor wir der Öffentlichkeit ab Februar diese Ganzkörperkältetherapie in der von uns 'Erz-Iglu' genannten Kältekammer anbieten, müssen zum einen unsere Mitarbeiter in die Bedienung der Anlage eingewiesen werden. Zum anderen will ich mit gutem Beispiel voran gehen und eigene Erfahrungen sammeln", so Bianca Keil.

Los geht es mit dem Umziehen. "Trockene Badesachen, dicke Socken und Fell- oder Turnschuhe, eine Mütze, Handschuhe aus Textil und ein Mund-Nasen-Schutz sind nötig. Zudem muss sämtlicher Schmuck abgelegt werden", so Frank Fiebig, Leiter Service und Montage eines Medizintechnikherstellers, der den Testlauf samt Einweisung vornahm.

Nachdem Bianca Keil ausgerüstet ist, folgt ein kurzer Gesundheits-Check: Blutdruck und Hautoberflächentemperatur sind bei ihr im grünen Bereich. "Also dann mal Tür auf und rein", sagt sie energisch und öffnet die Tür. In der ersten Kammer, die sie betritt, liegt die Temperatur bei milden minus 60 Grad. Nach etwa 30 Sekunden betritt Bianca Keil die danebenliegende zweite Kammer, in der minus 110 Grad herrschen. Von außen beobachtet Frank Fiebig das Geschehen. "Über eine gläserne Tür beziehungsweise ein Fenster besteht ständig Sichtkontakt zwischen der Person in der Kammer und dem Personal außen, zusätzlich ist in der Kammer eine Videokamera installiert. Zudem besteht über Mikrofone und Lautsprecher Sprechkontakt", erläutert Frank Fiebig, während Bianca Keil in der Kälte herumläuft und mit einem freundlichen Winken signalisiert, dass alles in Ordnung ist. Nach drei Minuten darf sie wieder raus aus der Kälte. Und strahlt bis über beide Ohren: "Ich fühle mich euphorisch, wie neu geboren", schwärmt sie und berichtet weiter: "Die minus 60 Grad anfangs habe ich als moderat empfunden. Die minus 110 Grad haben dann ein eisiges Gefühl auf der Haut erzeugt. Die drei Minuten waren schnell vorbei." Effekte, die Frank Fiebig bestätigt. "Nach der Kälte fühlt man sich stark und glücklich, weil die Durchblutung angeregt ist und man dieser klirrenden Kälte getrotzt hat." Eines verwunderte Bianca Keil: "Ich bin an Händen und Füßen schon sehr kälteempfindlich. Während und auch nach der Kältekammer sind Hände und Füße aber herrlich warm."


Besuch nur nach Anmeldung

Die Kältekammer ist etwa zehn Quadratmeter groß und verfügt über zwei Abteile. Rund 200.000 Euro wurden in die neue Technik investiert.

Um die Minustemperaturen zu erzeugen, verdichten drei leistungsstarke Kompressoren ein Kältemittel.

Ein Besuch ist nur nach Anmeldung möglich. Das komplette Prozedere dauert inklusive Umziehen etwa 30 Minuten. Auf einen Therapieerfolg hoffen kann, wer regelmäßig friert.

Eine einmalige Behandlung kostet 36 Euro; Staffelpreise und Angebote werden derzeit erarbeitet.

Der extreme Kältereiz wirkt sich auf den gesamten Organismus aus: Medizinisch profitieren können von der Ganzkörper-Kältetherapie unter anderem Menschen mit entzündlich-rheumatischen Krankheiten, degenerativ-rheumatischen Erkrankungen, Hauterkrankungen wie etwa Schuppenflechte und Neurodermitis, akuten Wirbelsäulen-Schmerzzuständen, Autoimmunerkrankungen und Asthma bronchiale sowie Sportverletzungen.

Nicht in die Kammer sollten: Herzinfarktpatienten, Patienten mit Durchblutungsstörungen, mit zu hohem Blutdruck, mit Diabetes mellitus sowie Menschen mit extremer Platzangst. (faso)

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