Nach Sturmtief "Eberhard" beginnt das Aufräumen

Feuerwehren waren bis in die Nacht hinein gefordert. Den Sachsenforst wird das Unwetter dagegen noch längere Zeit beschäftigen. Erste Schätzungen gehen von rund 50.000 Festmetern Schadholz aus. Ein Mitarbeiter spricht von einer Katastrophe.

Zschopau.

Sturmtief "Eberhard", das Sonntagabend über das Erzgebirge hinwegfegte, hat bis in die Nacht hinein Feuerwehren gefordert. Quasi im Dauereinsatz waren die Kameraden im Verwaltungsverband Wildenstein, berichtet Verbandsvorsitzende Kathrin Ardelt. Auf einem Grundstück an der Dorfstraße in Waldkirchen war zum Beispiel ein Baum auf das Dach eines Hauses gestürzt. Beim Beseitigen der Schäden habe die Waldkirchener Truppe mit den Ortswehren aus Hennersdorf, Witzschdorf und Gornau zusammengearbeitet.

Auch in Grünhainichen hätten Bäume und Äste kreuz und quer gelegen. Besonders schlimm habe es am Deutschen Haus ausgesehen, sagt die Verwaltungschefin. In und um Börnichen hinterließ "Eberhard" auch deutliche Spuren. Die Straße nach Wünschendorf und die Börnichener Länge mussten in der Nacht wegen umgestürzter Bäume vorübergehend gesperrt werden. Ähnlich sah es in anderen Gemeinden aus. Etwa 70 Prozent der Feuerwehren des Kreises waren ausgerückt, sagt Pressesprecher Stefan Pechfelder auf Anfrage. 95 Einsätze habe es im Erzgebirgskreis bis in die frühen Morgenstunden gegeben. Über das gesamte Kreisgebiet verteilt, waren Bäume und Äste von Straßen, Grundstücken und Freileitungen zu räumen. Größere Schäden seien bislang nicht bekannt, so Pechfelder am Montagnachmittag.

Noch für längere Zeit wird "Eberhard" den Sachsenforst beschäftigen. Einer ersten vorsichtigen Schätzungen zufolge hat das Sturmtief im Forstbezirk Marienberg erneut bis zu 50.000 Festmeter Schadholz hinterlassen. Der Leiter des Staatsforstbetriebes Gunter Haase versuchte, sich im Austausch mit den Revierleitern einen ersten Überblick zu verschaffen. Wobei es seinen Worten nach im Augenblick schwierig ist, eine Einschätzung zu treffen. Denn stark betroffene Waldstücke seien noch gar nicht begehbar. "Wir hatten schon angenommen, dass die Schäden nach dem Schneebruch im Januar nicht mehr zu toppen sind", fügt Gunter Haase an. Er und seine Mitarbeiter mussten sich eines Besseren belehren lassen.

Der Forstbetriebsleiter spricht inzwischen von einer Katastrophe. Grund sind die jüngsten Ereignisse, bei denen in relativ kurzer Zeit viele Bäume auf der Strecke blieben. Allein die Stürme "Herwart" und "Friederike" hatten im Landeswald 211.000 Festmeter umgeworfen. Im September kam das Sturmtief "Fabienne" (12.000 Festmeter) hinzu. Und wegen des ausgesprochen trockenen Jahres 2018 hinterließ der Borkenkäfer ein weiteres Schlachtfeld mit 15.000 Festmetern Schadholz im Landes- und zwischen 5000 und 10.000 Festmetern im Privatwald. Mindestens 50.000 Festmeter Schadholz gehen wahrscheinlich auf das Konto des jüngsten Schneebruch-Ereignisses zu Jahresbeginn 2019. Am Sonntag wütete Sturm "Eberhard" besonders im Forstrevier Lichtenberg im Nachbarkreis Mittelsachsen. "In südlicher gelegenen Revieren sieht es nicht ganz so schlimm aus", sagt Gunter Haase.

In der Nacht und im Laufe des Montages kam es im Versorgungsgebiet von Mitnetz Strom zu Ausfällen. In Wernsdorf fiel gegen 9 Uhr ein Baum in eine Hausanschluss-Leitung. Zehn Kunden waren laut Mitnetz betroffen. In Leitungen gestürzte Bäume verursachten ebenso Stromausfälle in Forchheim (200 Kunden betroffen), Heidersdorf im Mortelgrund (50) und im Großolbersdorfer Ortsteil Hohndorf (10).

Kurz und heftig - so beschreibt der Dittersdorfer Hobby-Meteorologe Jens Weißbach des Wetterereignis und berichtet von Windspitzen mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometer pro Stunde: "Der Höhepunkt war zwischen 21 und 22 Uhr erreicht, danach ließ der Sturm nach." Sein Kollege aus Olbernhau, Dirk Christoph, hat mit seiner Technik zuhause Windspitzen bis zu 63 Kilometern pro Stunde gemessen: "Das entspricht Windstärke 8 (stürmischer Wind). Für die Lage im Flöhatal ist das schon beachtlich. Gegen 23 Uhr war der Spuk zum Glück vorbei." Mit der Angabe der Windgeschwindigkeit ist Dirk Christoph jedoch vorsichtig. Denn Wind lasse sich mit herkömmlichen Geräten nicht so exakt messen wie etwa die Temperatur.

Nach dem Sturm bekam im Übrigen der Winterdienst nochmals Arbeit. So waren Mitarbeiter der Straßenmeisterei Zöblitz am Montag seit 3 Uhr mit Streutechnik unterwegs. Ab 7 Uhr begann es dann zu schneien, und am Vormittag fand Straßenmeister Jens Zienert eine fünf bis acht Zentimeter starke Neuschneedecke vor.

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