Neue Hausärztin: Ein Sechser im Lotto

Tina Rabe hat zu Jahres-beginn die Praxis von Dr. Ingrid Mende übernommen. Ihr erster Patient fuhr sie einst zur Schule.

Cämmerswalde.

Dass sie einmal Ärztin werden will, hat Tina Rabe schon vor 30 Jahren ihrem Schulbusfahrer Manfred Bieber erzählt, als er sie von Neuwernsdorf nach Cämmerswalde in die Grundschule brachte. Damals war sie neun. Später traf der Busfahrer sie noch einige Male und erinnerte sie an ihren Berufswunsch. "Wenn Du Ärztin in Cämmerswalde bist, werde ich der erste Patient sein", erzählt der heute 71-Jährige schmunzelnd. Als Tina Rabe im August 2019 für einige Stunden ihre Tätigkeit in der Arztpraxis von Dr. Ingrid Mende aufnahm, machte Manfred Bieber sein Versprechen wahr. Mit einem Blumenstrauß begrüßte und gratulierte er als erster Patient "seiner" Ärztin. Seit Jahresbeginn ist die Nassauerin nun neue Hausärztin in Cämmerswalde und besetzt damit eine der 18 freien Hausarztstellen im Planungsbereich Freiberg.

Ingrid Mende, die 30 Jahre dort tätig war, wird ihrem Beruf noch treu bleiben und die junge Kollegin, vor allem in Form von Hausbesuchen, unterstützen. Die Sprechstundenschwestern Beate Eichelmann und Ingrid Wagner haben 30 Jahre bei Mende ihren Dienst getan. Sie wissen die Arbeit ihrer ehemaligen Hausärztin zu schätzen. "Sie machte ihre Arbeit, ohne groß darüber zu sprechen. Sie war Tag und Nacht für ihre Patienten da", erzählt Beate Eichelmann.

"Ich weiß das, was meine Vorgängerin leistete, zu schätzen. Da mitzuhalten, wird für mich schwer", räumt Tina Rabe ein, die zwei kleine Kinder und einen beruflich sehr eingespannten Mann hat. Sie werde aber alles tun, um ihre Patienten gut zu versorgen, betont sie.

Nach dem Abitur arbeitete Tina Rabe zunächst als Krankenschwester am Klinikum in Chemnitz. Dann beschloss sie, ihren Kindheitstraum zu verwirklichen und begann ein Studium der Humanmedizin an der Martin-Luther-Universität Halle. Ihre Facharztausbildung absolvierte sie in Freiberg, Dippoldiswalde und Schmiedeberg. Im Neuhausener Ortsteil Neuwernsdorf aufgewachsen, wollte sie immer wieder aufs Land zurück. "Ich kann mir nichts anderes vorstellen", sagt die Ärztin. Ihren Wohnort Nassau möchte sie dabei nicht aufgeben. Dort lebt sie mit ihrer Familie ebenfalls in ländlicher Idylle.

Viele Patienten kennen Tina Rabe seit ihrer Schulzeit und sprechen sie mit ihrem Vornamen an. "Damit habe ich kein Problem. Ich denke, dass sie mich als Ärztin akzeptieren. Dass ich in meiner Heimat eine medizinische Versorgungslücke schließen konnte, ist mir ganz wichtig", sagt die Medizinerin.

Dass es in Cämmerswalde ohne Unterbrechung weitergeht, ist auch für Bürgermeister Peter Haustein ein Sechser im Lotto. "Ich bin sehr froh, dass wir eine Nachfolgerin für Dr. Mende gefunden haben. In Neuhausen und den umliegenden Ortsteilen ist damit im Moment die hausärztliche Versorgung recht gut gesichert", sagt der Bürgermeister, der aber schon weiß, dass die Ärzte in Seiffen und Heidersdorf in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen.

Die Patienten von Neuhausen werden mit betreut von Tina Rabe und den Kollegen der Gemeinschaftspraxis Dr. Werner/Dr. Huster aus Sayda. "Natürlich müssen und werden wir dranbleiben, um die hausärztliche Versorgung weiterhin aufrecht zu erhalten", sagt der Neuhausener Verwaltungsleiter. Er habe Tina Rabe schon als konsequente Hausärztin kennengelernt, sagt Haustein schmunzelnd.

Ihre Pläne stellte die 39-Jährige im Gemeinderat vor. "Ich habe schon recht klare Vorstellungen, die ich an die Kommunalpolitiker überbracht habe", erklärt Tina Rabe. So würden für die Praxis unbedingt und schnell Parkplätze benötigt. Zudem möchte die Hausärztin nicht, dass sich die älteren Menschen auf dem Land in ihren Häusern allein gelassen fühlen. Deshalb plädiert sie für altersgerechtes Wohnen beziehungsweise ein Pflegeheim. "Ich weiß, dies sind Zukunftsvisionen, die aber nicht so weit hergeholt sind und für die wir die große Politik und natürlich Fachpersonal benötigen", sagt die Ärztin.


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