Neuer Stadtrat steht vor großen Aufgaben

Feuerwehrgerätehaus, Schulanbau, Kalkwerksanierung: In den kommenden Jahren sollen in Pockau-Lengefeld Projekte mit einem Umfang von mehreren Millionen Euro verwirklicht werden. Zunächst muss jedoch am 26. Mai bei der Kommunalwahl ein neues Gremium bestimmt werden.

Pockau-Lengefeld.

Rund fünf Jahre ist die Vereinigung von Pockau und Lengefeld her. Fünf Jahre, in denen bereits vieles erreicht werden konnte, jedoch gibt es noch einiges zu tun. Damit wird auch für den neuen Stadtrat, er wird am 26. Mai gewählt, das weitere Zusammenwachsen der Stadtteile zu den wichtigsten Aufgaben gehören.

Die Herausforderungen für die Volksvertreter sind groß. So gilt es einen neuen Bauhofstandort zu schaffen, von dem die gesamte Stadt profitiert. Dafür werde ein passendes Grundstück benötigt, sagt Bürgermeister Ingolf Wappler gegenüber "Freie Presse". Einen Schritt weiter ist die Stadt beim neuen Pockauer Gerätehaus. Dafür wurde bereits eine Fläche gefunden. Gesamtkosten beider Projekte: etwa 2,5 Millionen Euro.

Christoph Ulrich

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Ursprünglich war geplant, den Messtreff in Pockau zu sanieren. Dort sollten sowohl der Bauhof als auch das Feuerwehrgerätehaus unterkommen. Es zeigte sich: Das Vorhaben ist nicht praktikabel und vor allem mit rund 3,5 Millionen Euro zu kostspielig. Ein Abriss soll erfolgen. Wann genau es soweit ist, kann Ingolf Wappler noch nicht sagen. Es gebe außerdem keine aktuelle Kostenschätzung.

Ein weiterer wichtiger Punkt: die Schullandschaft. Drei Grundschulen gibt es derzeit in Pockau-Lengefeld, eine in Lengefeld, eine in Pockau und eine in Lippersdorf. So kam bereits vor vier Jahren die Frage auf, inwiefern die Stadt alle Grundschulen benötigt und die Kinder weiterhin an drei Standorten lernen sollten. Ein Arbeitskreis wurde gebildet und unter anderem ein Informationsabend veranstaltet. Trotz alledem hat sich der Stadtrat zum Thema nicht abschließend positioniert. Mehrfach wurde die Entscheidung aufgeschoben. Für Wappler ist eine Schließung in den nächsten zwei, drei Jahren kein Thema. Es gebe ausreichend Nachwuchs, sagt er. Doch für den neuen Stadtrat wird sich die Frage stellen, ob dies auch langfristig der Fall ist. Während der Pockauer Standort saniert ist, wird in Lengefeld investiert. Am dortigen Schulstandort werden Klassenräume erneuert. Die Oberschule erhält für drei bis vier Millionen einen Anbau unter anderem mit Mensa, wovon auch die Grundschule profitiert. Bei größeren Investitionen in die Lippersdorfer Einrichtung gibt sich die Stadt zurückhaltend. Der Grund: Die Standortsicherheit sei auf Dauer nicht gewährleistet, so Wappler.

Gerade die Bildung ist ein wichtiges Argument, wenn es darum geht, junge Familien in die Stadt zu holen und so dem Rückgang der Bevölkerung entgegen zu wirken. Doch sie ist längst nicht allein ausschlaggebend. Auch die Kindergärten, die Ärzteversorgung, die Straßen, die Freizeiteinrichtungen und der Einzelhandel spielen eine maßgebliche Rolle. Wappler sieht den Ort gut aufgestellt. Die sechs Kindertagesstätten im Ort seien gut ausgestattet, in Wernsdorf entstehe im kommenden Jahr ein Neubau. Es gebe eine sehr gute Versorgung mit Hausärzten. Insgesamt sind in Pockau-Lengefeld momentan sechs in drei Praxen tätig. Es gebe viele Freizeiteinrichtungen wie Sportanlagen, Freibad sowie Skilifte. In das Kalkwerk sollen in den kommenden Jahren rund zwei Millionen Euro investiert werden. Es ist wegen der Baufälligkeit derzeit nur eingeschränkt begehbar.

Während die Stadt etwa bei dem anhaltenden Rückgang des Einzelhandels - es fehlt an Nachfolgern - besonders gefordert ist, kann sie bei anderem Problemen nur an die zuständigen Stellen appellieren. So sei der Zustand zahlreicher Abschnitte von Staatsstraßen absolut mangelhaft, so Wappler. Zuständig ist der Freistaat. Im aktuellen Landeshaushalt sei für die Erneuerung von Straßen viel zu wenig Geld eingestellt worden. Wappler: "Ein Armutszeugnis erster Klasse."


Was sich Bürger wünschen

"Freie Presse" hat sich umgehört, was sich Bürger vom neuen Stadtrat wünschen:

Astrid Wagner (52), Installateurmeisterin, Lippersdorf: "Speziell in Lippersdorf ist in den vergangenen Jahren vieles gut geworden. Zum Beispiel wurde ein Großteil der Straßen erneuert. Der bisher unsanierte Teil der Hauptstraße wird hoffentlich zeitnah in Angriff genommen. Den Erhalt der Grundschule müssen die Stadträte im Auge behalten. Da es in Lippersdorf derzeit keinen Arzt gibt, wünsche ich mir für alle, die selbst nicht mobil sind, eine Art Ärzteshuttle. Einen behindertengerechten Bus, der regelmäßig Arztpraxen in umliegenden Orten anfährt und dabei auch an Einkaufsmärkten Halt macht."


Ilona Ranft (68), Rentnerin, Pockau: "Kultur sollte nicht nur eine Sache der Vereine sein. Auch die Stadt sollte sich engagieren. Dazu ist der Anstoß der Stadträte nötig. Ein guter Anfang wurde mit dem Leinölfest im vergangenen Jahr gemacht. Das Motto des Stadtfestes 2015 'So bunt ist unsere Stadt' sollte den Stadträten stets bewusst sein. Ich wünsche mir, dass das schöne Pockauer Rathaus für die Bürger des Ortsteils als Anlaufstelle für Behördengänge erhalten bleibt." (faso)


Diese Kandidaten treten an

Bewerber der Christlich Demokratischen Union (CDU): Ehrenfried Lorenz, Steffen Haugk, Elke Schmieder, Gunter Tutzschky, Knut Hinkel, Manuel Buschbeck, Grit Krause, Viola Löschner, Friedemann Arnold, Thomas Friedemann, Roman Otto, Gunar Schreiber, Wolfgang Steinert, Harald Wetzel.

Freie Wähler Pockau-Lengefeld: Ulrich Findeisen, Gunter Schröter, Michael Gasch, Gert Arnold, Arndt Hoffmann, Jens Uhlich, Mario Braun, Lars Wittig, Jens Ruhland.

Alternative für Deutschland (AfD):

Isa Henker, Frank Dirk Gottschalk, Kai Müller, Johannes Thierfelder, Andreas Müller, Rainer Süß.

Freie Demokratische Partei (FDP): Viola Marion Brachmann, Roy Fritzsche.

Die Linke: Gerd Glöckner, Janek Gräbner, Rico Baldauf.

Sozialdemokratische Partei Deutschland (SPD):

Ronny Schmidt-Preißler.

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