Neuer Turm für Mehlschwalben

Der Ansprunger Wolfgang Löschner brennt für die Zugvögel, die nicht bei allen Zeitgenossen beliebt sind. Ihnen hat er nun in dem Marienberger Ortsteil ein zweites Zuhause bauen lassen.

Ansprung.

Jedes Jahr, in den Monaten April bis Mai, sind sie am Himmel zusehen: Schwalben, die aus ihrem afrikanischen Winterquartier in die hiesigen Gefilde zurückkehren. Für den Ansprunger Naturliebhaber und Hobby-Ornithologen Wolfgang Löschner sind die jährlich im Frühjahr auftauchenden Schwalbenschwärme schon seit seiner Kindheit eine spannende Angelegenheit. "Die Beobachtung dieser Zugvögel, egal ob beim Nestbau, bei Flügen oder beim Einfinden auf den Sammelplätzen, ist für mich immer wieder ein beeindruckendes Erlebnis", so Löschner. Allerdings weiß er auch, dass die kleinen und lebhaften Vögel, die die Nähe zum Menschen suchen und lieben, bei eben jenen aber oftmals nicht gern gesehen sind.

Hauptsächlich wegen der Verschmutzungen an Gebäuden, die der Nestbau nach sich zieht, zerstören viele Menschen die Nester, um die Tiere zu verscheuchen. Dabei, so weiß Wolfgang Löschner, sind Schwalben sehr nützlich. Unermüdlich sind sie den ganzen Tag damit beschäftigt, Mücken und Fliegen zu fangen und das Haus von Spinnen freizuhalten. Damit Schwalben, speziell Mehlschwalben, in Ansprung geeignete Brutmöglichkeiten finden, hat Wolfgang Löschner bereits vor fünf Jahren die Initiative ergriffen und gemeinsam mit dem örtlichen Erzgebirgszweigverein einen Schwalbenturm gebaut. Dabei handelt es sich um eine künstliche Nisthilfe in Form eines quadratischen Daches, das sich auf einem Mast in etwa sechs Metern Höhe befindet. "Dort gibt es Kunstnester aus Holzbeton und außerdem genügend Ecken und Winkel wie unter der Dachrinne eines Hauses", beschreibt Wolfgang Löschner das Bauwerk. Das Exemplar wurde, passend zum Namen der Einrichtung, neben der Kindertagesstätte "Schwalbennest" in Ansprung aufgestellt.

Um weiteren Schwalben eine alternative Möglichkeit zum Brüten zu geben und mit dem Wissen, das ein solches Bauwerk vom Freistaat Sachen finanziell gefördert wird, fasste Wolfgang Löschner im Frühjahr dieses Jahres den Entschluss, einen weiteren Schwalbenturm im Ort, auf seinem Grundstück, zu installieren. Da er sich mit den bürokratischen Formalitäten, die mit der Beantragung von Fördergeldern verbunden sind, nicht auskannte, wandte sich der Hobby-Ornithologe an den Landschaftspflegeverband Zschopau-/Flöhatal. "Es ist heutzutage schon etwas Besonderes, dass jemand freiwillig sein Grundstück für einen solchen Turm zur Verfügung stellt", so die Geschäftsführerin des Verbandes, Heike Rossa, die gern half. Das Bauwerk, das eine niedrige fünfstellige Summe kostete, wurde zu 100 Prozent gefördert.

Heike Rossa verfolgte in dieser Woche gemeinsam mit Wolfgang Löschner, wie der Schwalbenturm von Mitarbeitern eines Altenburger Unternehmens aufgestellt wurde. Insgesamt finden sich dort jetzt 28 Doppelnester, in denen Mehlschwalben brüten können, und zusätzlich noch vier Quartiere für Fledermäuse. Im Frühjahr, in der Zeit der Rückkehr der Schwalben, wird Wolfgang Löschner in unmittelbarer Nähe des Turmes einen Lautsprecher anbringen. Um die Vögel anzulocken wird Schwalbengezwitscher zu hören sein. "Das hat beim ersten Turm hier auch schon gut funktioniert", sagt Löschner schmunzelnd.

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