Neues Wohngebiet: Euphorie weicht Sorge um Lärmschutz

Selten hat ein Thema im Marienberger Stadtrat derart viel Diskussion verursacht. Vor allem zwei Unklarheiten lassen einige Volksvertreter am Millionenprojekt in Lauta zweifeln.

Marienberg.

Geschätzte zwei Millionen Euro Kosten, null Prozent Förderung, stattdessen die Aufnahme eines neuen 1,9-Millionen-Euro-Kredits: Die Erschließung des neuen Wohngebiets im Ortsteil Lauta gilt als eines der Prestigeprojekte Marienbergs. Denn Bauland ist rar in und um die Bergstadt. Nicht nur Oberbürgermeister André Heinrich (parteilos) schwärmt seit dem Kauf der 26.000 Quadratmeter von der guten Lage und Anbindung des Areals zwischen der Kreisstraße 8131 und der Lautaer Gartenstraße. Auch die Stadträte standen dem Vorhaben fraktionsübergreifend stets wohlwollend gegenüber. Bis jetzt: Ausgerechnet die unmittelbare Nähe zur B 174 und deren Folgen lassen einige Volksvertreter zweifeln.

Vor wenigen Tagen wurde eine Sondersitzung des Stadtrates einberufen. "Um keine Zeit zu verlieren", sagte Heinrich. Noch 2019 soll die Erschließung der 40 Grundstücke beginnen. Die Hälfte des Gebiets sei bereits ausgeschrieben. Um demnächst Baurecht zu erhalten, sollten die Volksvertreter in der Eilsitzung den überarbeiteten Bebauungsplanentwurf billigen und die öffentliche Auslegung beschließen. Doch aus einer kurzen Zusammenkunft entwickelte sich eine lange Diskussion.

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"Wir sind mit Begeisterung an die Sache rangegangen", sagte Wolfgang Jasper. Ergänzend sprach der Fraktionschef der FDP/Freien Wählergemeinschaft nun aber von enormem Klärungsbedarf. Grund: der Lärmschutz. Im Ergebnis der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung wurden hinsichtlich der Schallimmission Bedenken zur Planung geäußert und zusätzliche Untersuchungen gefordert. Ergebnis: Hinter der Kreisstraße entlang der Böschung zur B 174 muss nun eine zuvor nicht in diesem Ausmaß vorgesehene, drei Meter hohe und 250 Meter lange Wand-Wall-Kombination gebaut werden, um Lärm zu minimieren.

Für Jasper geht aus der umfangreichen Beschlussvorlage weder hervor, welche Mehrkosten zu erwarten sind, noch, ob damit auch tatsächlich die notwendigen Lärmwerte eingehalten werden können. "Wir ärgern uns über die zusätzlichen Auflagen. Wir wollen Sicherheit und nicht riskieren, dass die Stadt später in Regress genommen werden kann", erläuterte er die Bedenken seiner Fraktion. Und mit den Zweifeln steht er nicht allein da. Carl Scheffler von der CDU beschäftigt ebenfalls die eine Sorge: Was passiert, wenn ein Hausbesitzer später den Lärm misst, höhere Werte feststellt, vor Gericht Recht bekommt und damit eine Klagewelle lostritt? Linken-Fraktionschef Ronald Müller, der sich vor Ort ein Bild gemacht hatte, sprach wiederum von einer unbekannten Verkehrsentwicklung auf der B 174.

Oberbürgermeister Heinrich betonte, dass das Projekt nach bestem Wissen und Gewissen geplant und vorbereitet sowie die Verkehrsprognose berücksichtigt wurde. Die genauen Kosten für die Mauer hingegen müssten erst noch berechnet werden. Hinsichtlich des Schallschutzes und der Auflagen forderte Heinrich Mut zur Entscheidung: "Bauherren kennen die Wohnlage. Wir bewegen uns beim Lärm im Ermessensspielraum. Der Gutachter bestätigte, dass er schon kompliziertere Gebiete geplant hat." Unterstützung erhielt Heinrich von seinem Stellvertreter Uwe Theml (Bürger für Marienberg). Lärm sei eine subjektive Empfindung. Zudem würden Bauherren auch eigene Schutzvorkehrungen treffen.

Wolfgang Jasper bat vor der Abstimmung, die Sitzung kurz zu unterbrechen, um sich mit seiner Fraktion beraten zu können. Letztlich fiel der Beschluss einstimmig bei fünf Enthaltungen aus. Die Pläne für das Wohngebiet sollen nun nach der öffentlichen Auslegung beim Landratsamt zur Genehmigung eingereicht werden.

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