"Noch schlägt mein Herz für die Politik"

Die ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Simone Lang spricht über ihre Pläne

Schwarzenberg.

Seit Monatsbeginn ist das Büro von Simone Lang in der Schwarzenberger Vorstadt dicht. Sie hat es leer geräumt und abgeschlossen. Redakteurin Beate Kindt-Matuschek hat die bisherige SPD-Landtagsabgeordnete zu ihren weiteren Plänen befragt.

"Freie Presse": Frau Lang, Sie haben bei der Wahl im September den Wiedereinzug in den Sächsischen Landtag knapp verfehlt. Wissen Sie, wie viele Stimmen es am Ende waren, die gefehlt haben?

Simone Lang: Das waren etwa 500. Pro Landkreis also 50 Stimmen. Und ja, es war äußerst knapp.

Sie standen auf Listenplatz 11, zehn Mandate wurden es dann für die SPD. Wie nervenaufreibend ist da so ein Wahlabend?

Das war wirklich extrem, weil das Ergebnis über lange Zeit noch hoch und runter ging.

Überwiegt bei Ihnen nun die Enttäuschung, oder ist es eher Verärgerung?

Es ist Enttäuschung. Denn schließlich habe ich mich in den zurückliegenden fünf Jahren doch sehr für die Menschen hier im Erzgebirge eingesetzt, habe versucht, an den für mich greifbaren Stellschrauben zu drehen, und dachte eigentlich, dass die Leute das auch so gesehen haben. Doch offensichtlich waren es am Ende nicht genug.

Wie sind die Reaktionen von Bürgern, die Sie heute treffen?

Es ist irre, wie viele Leute mir heute versichern, mich gewählt zu haben, und traurig darüber sind, dass es am Ende für mich nicht gereicht hat. Und nach wie vor kommen viele ans Büro oder fragen mich, wann sie mal mit mir reden können, weil sie Rat suchen. Das Büro ist seit 30. September leer. Doch ich bin trotzdem da. Man erreicht mich derzeit über den Kreisvorstand der SPD Erzgebirge.

Damit sind wir bei der Frage: Was nun, Frau Lang? Was werden Sie beruflich künftig tun?

Um ehrlich zu sein: Ich weiß es noch nicht. Aber politische Arbeit endet ja nicht mit einem Mandat. Ich bin ein politischer Mensch, werde es immer sein, und würde auch gern weiterhin Politik machen. Es war anstrengend, aber es hat mir auch Spaß gemacht, Dinge anzusprechen und vielleicht sogar Prozesse in Gang zu bringen. Etwas zu ändern, im Interesse der Menschen, speziell hier im ländlichen Raum.

Und wovon leben Sie jetzt?

Wer wie ich nach einer Wahl aus dem Landtag ausscheidet, erhält zunächst ein Übergangsgeld. Ich bekomme das für die Dauer von fünf Monaten. Das ist keineswegs so viel wie bislang, aber es genügt. Und so kann und will ich bis zum Jahresende in aller Ruhe überlegen und entscheiden, wo künftig mein Platz ist, was ich tun will. Aber es ist keineswegs so, dass ich momentan nichts mache. Es gibt genug zu tun.

Das wäre?

Ich habe ja seit Jahren eine ganze Reihe von Ehrenämtern. So bin ich die Vorsitzende der SPD im Erzgebirge seit nunmehr sieben Jahren. Da stehen im Frühjahr Neuwahlen an. Da gibt es einiges vorzubereiten. Dann bin ich Vorsitzende in der Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokraten Gesundheit. Das ist eine sehr agile Truppe. Wir bereiten thematische Aktionen und Projekte vor, führen Gespräche mit Leuten aus den Gesundheitsberufen und arbeiten an speziellen Themen der Präven tion. Auch in diesem Gremium stehen Anfang November Neuwahlen an. Zudem bin ich Vizepräsidentin der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung und natürlich auch Vorsitzende des Kreisverbands der Arbeiterwohlfahrt Aue-Schwarzenberg. Also, es ist wirklich nicht so, dass ich mich langweile.

Aber auf lange Sicht, und das können viele Leute bestätigen, kann man vom Ehrenamt nicht leben. Oder liebäugeln Sie damit, dass Sie doch noch in den Landtag einziehen? Zum Beispiel, wenn die SPD nach den Koali tionsverhandlungen Ministerposten bekommt, als Nachrückerin sozusagen?

Das könnte durchaus sein, aber das ist mir echt zu vage, um darauf zu spekulieren oder gar zu vertrauen.

Wie sehen Sie die aktuellen Ko alitionsverhandlungen?

Ich bin ja mit dabei. Schon bei den Sondierungen wurde ich beim Thema Landwirtschaft, Umwelt, länd licher Raum und Finanzen einbezogen. Aus meiner Sicht sind durchaus viele Schnittmengen bei den drei Partnern für eine mögliche Koali tion erkennbar.

Eine Kenia-Koalition ist aus Ihrer Sicht also machbar?

Ich denke schon!

Und was ist mit Ihrer früheren Arbeit als Hospizkoordinatorin und Trauertherapeutin?

Natürlich ist das ein Job, in den ich sicher jederzeit zurückkehren könnte. Ehrlich gesagt habe ich seit der Wahl zahlreiche konkrete Jobangebote im Bereich der Gesundheitsfürsorge erhalten, sogar aus dem Vogtland, und auch sehr reizvolle Angebote. Aber ich bleibe dabei: Noch will ich mich nicht fest legen. Noch schlägt mein Herz für die Politik. Denn jetzt, nach den ersten fünf Jahren, weiß man gerade erst, wie es läuft. Warten wir es also ab. Ich sage Ihnen Bescheid, wenn ich mich entschieden habe. (lacht)

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