Nordlichter bringen ihre Schwibbögen nach Olbernhau

Ein Ehepaar widmet sich einem ganz besonderen Hobby. Und die Erzgebirger sind davon offenbar ganz begeistert.

Olbernhau.

Eine Ausstellung mit erzgebirgischer Volkskunst ist in der Region nichts Außergewöhnliches. Wenn Heike und Wolfgang Lorentz mit ihren Exponaten ins Spiel kommen, ist das allerdings etwas anderes. Die beiden leben in Wennebostel bei Hannover und haben ein Ziel: Sie wollen die Schwibbögen, die hierzulande in den Städten und Dörfern im Freien stehen, nachbauen und sie samt den dazugehörigen Entstehungsgeschichten dokumentieren.

65 Stück hat das Paar bereits geschafft. Und es geht munter voran, wie eine Ausstellung in Johanngeorgenstadt zeigt. Der folgt im März eine zweite in Olbernhau. Und die lässt auf zahlreiche Besucher hoffen, wenn die gute bisherige Resonanz im Technischen Museum Pferdegöpel in Johanngeorgenstadt als Maßstab angesetzt wird. Der Dezember sei immer der besucherstärkste Monat, sagt Harald Teller, Vorsitzender des Fördervereins Pferdegöpel. Aber die aktuelle Wanderausstellung mit Modellen von Bögen, die an Ortseingängen oder auf Marktplätzen im Erzgebirge stehen, übertreffe alles. "So gut ist noch keine Sonderschau gelaufen", sagt er. Zähle man normalerweise im Jahr zwischen 3000 und 3500 Besucher, so seien allein im Dezember knapp 1600 Leute in der Ausstellung gewesen. Hinzu kämen jene knapp 570, die eine Führung in dem technischen Museum gebucht, sich dann aber auch die Schwibbogenschau angesehen haben. Und dann wären noch mehr als 400 Schüler, überwiegend aus der tschechischen Partnerstadt Nejdek, denen im Rahmen eines von der EU geförderten Projekts die erzgebirgische Tradition näher gebracht wird. Das EU-Projekt hat auch die außergewöhnliche Präsentation möglich gemacht, sagt Teller. Ansonsten wären die Anfertigung der gelben Holzhalbkreise und die aufwendige Beleuchtung nicht realisierbar gewesen.

Ab dem 5. März soll die Ausstellung dann im Olbernhauer Museum zu sehen sein. 50 Schwibbögen haben Heike und Wolfgang Lorentz dafür ausgewählt. Darunter befinden sich Olbernhau, Seiffen, Niederneuschönberg, Geyersdorf, Schmalzgrube, Voigtsdorf, Lengefeld, Marienberg und Lauta.

Heike und Wolfgang Lorentz besuchen wenigstens fünfmal pro Jahr das Erzgebirge. Sie besuchen dann nicht nur ihre mittlerweile zahlreichen Freunde. Ihre Reisen dienen auch der Recherche. Bislang unberücksichtigte Schwibbögen werden fotografiert. Zu diesem Zweck verwenden sie weiße Bettlaken-Meterware als Hintergrund für die Schwibbögen. "So zeichnen sich die Konturen auf den Fotos viel besser ab", erläutert Wolfgang Lorentz. Danach entstehen Zeichnungen, nach denen die erzgebirgischen Bauwerke in der Werkstatt ausgesägt werden. Das arte aufgrund der maximalen Länge von 750 Millimetern mitunter in sportliche Betätigung aus. "Bei einigen Schwibbögen müssen wir dabei ganz schön um die Säge herumturnen", sagt Wolfgang Lorentz. So gut es geht, recherchiert das Paar zudem die historischen Hintergründe der Entstehung der Exemplare.

Die Erzgebirger reagierten bislang durchweg interessiert und aufgeschlossen. "Das hätten wir nicht für möglich gehalten. Im Mutterland der Schwibbögen begrüßt man uns, die hier in fremden Gewässern fischen, so herzlich", sagt Heike Lorentz.

Auf Olbernhau als Ausstellungsort gekommen sind die Norddeutschen aufgrund des Interesses seitens der Stadt, nachdem sie die Kommunen der Region angeschrieben hatten. Olbernhau signalisierte großes Interesse an der Arbeit der beiden und fragte nach einer Möglichkeit zur Ausstellung.

Ihr Freundeskreis in der ersten Heimat der beiden akzeptiert das ungewöhnliche Hobby. "Einige halten uns auch für verrückt", räumt der 61-Jährige ein. Das sogenannte Lichterbogenanleuchten am Haus in Wennebostel hat mittlerweile viele Besucher, von denen einige ihre Wurzeln im Erzgebirge haben. Dazu gibt es Wolkensteiner Glühwein und Kartoffelpuffer. Ihre eigene Wohnung gleicht zu Weihnachten, wie die Kinder der Eheleute finden, eher einem Museum. Sie ist reichlich mit erzgebirgischer Volkskunst geschmückt. Die Weihnachtszeit dauert übrigens dann bis Lichtmess. Danach wird beinahe nahtlos Platz gemacht für erzgebirgische Osterhasen.

Wenn die beiden das Erzgebirge besuchen, sind sie am liebsten in der Region Olbernhau und Seiffen unterwegs. Warum das so ist, können sie nicht sagen. "Es ist einfach nur schön hier", meint Wolfgang Lorentz. Eben fertig geworden ist übrigens ein Schwibbogen aus Seiffen. Darauf folgt nun Sehma. www.olbernhau.de

Eröffnet wird die Ausstellung am 5. März, 18 Uhr, mit der Vernissage. Danach ist sie bis zum 31. Mai im Museum in Olbernhau, Markt 7, zu sehen. Geöffnet ist die Einrichtung dienstags bis samstags von 10.30 bis 16.30 Uhr sowie sonn- und feiertags von 12 bis 16.30 Uhr. Noch bis 1. März kann die Sonderschau im Johanngeorgenstädter Pferdegöpel besichtigt werden. Geöffnet ist dort von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr, montags und freitags ist geschlossen.

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