Oberneuschönberger Feuerwehr setzt schon einmal die Bautafel

Mit dem symbolischen Akt weisen die Einsatzkräfte auf die untragbaren Zustände in ihrem Gerätehaus hin. Bisher steht lediglich fest: Ein Neubau soll her. Die Stadt braucht zunächst jedoch den Zuschlag für ein Grundstück.

Olbernhau.

Der Spatenstich ist erfolgt, die Bautafel steht: Wer dieser Tage in Oberneuschönberg unterwegs ist, reibt sich etwas verwundert die Augen. Seit Jahren fordern die Feuerwehrmänner eine Lösung wegen ihrer beengten Unterkunft, immer wieder scheiterte das Vorhaben. Ist nun tatsächlich mit dem Neubau begonnen worden?

"Wir wollten einen Anstoß geben", erklärte Wehrleiter Stefan Meier. Also doch kein Baustart? Nein, so Meier: "Bei dem Schild handelt es sich um eine Aktion der Feuerwehr, mit der Aufmerksamkeit geweckt werden soll. Es muss sich endlich etwas bewegen." Die Zustände im alten Gerätehaus seien längst nicht mehr tragbar. Es genüge nicht mehr den Anforderungen. Es gebe keine ausreichenden Umkleidemöglichkeiten. Wollen sich die Einsatzkräfte umziehen, sind zunächst die Fahrzeuge herauszufahren. Im Notfall müssen die 21 Aktiven in Kauf nehmen, dass wertvolle Sekunden oder gar Minuten verloren gehen, oder sie missachten Bestimmungen. Auch im sonstigen Feuerwehralltag gibt es Probleme. So finden nicht alle Kameraden im beengten Schulungsraum Platz. In der Vergangenheit sei es vorgekommen, dass einige auf Bierkisten sitzen oder gar stehen mussten, so Meier.

Bürgermeister Heinz-Peter Hau-stein (FDP) weiß um die schwierigen Bedingungen. Er war am Freitag bei der Jahreshauptversammlung dabei, ohne etwas von der Bautafelaktion zu wissen. Entsprechend überrascht zeigte er sich. Am symbolischen Spatenstich wollte er sich nicht beteiligen. Er halte die Kritik zwar aus, sagte er am Montag auf Nachfrage. Zugleich könne aber das Bauschild Probleme verursachen, etwa wenn der Fördermittelgeber fälschlicherweise vom vorzeitigen Baustart ausgeht.

Heinz-Peter Haustein will nichts riskieren, denn es zeichne sich eine Lösung ab. Wenige Stunden vor der Jahreshauptversammlung habe sich herausgestellt, dass die Chancen auf einen Neubau steigen. Die Stadt will eine 1200 Quadratmeter große Fläche an der Zollstraße erwerben, die nur wenige Meter vom jetzigen Standort entfernt ist. Haustein: "Es gab einen Mitbewerber." Die Verhandlungen hätten sich hingezogen, nun sei der Mitbewerber abgesprungen. Erhält die Stadt den Zuschlag, könnten die Bauarbeiten im Frühjahr kommenden Jahres beginnen. Ziel sei es, den Neubau im Herbst 2020 fertig zu stellen. Er soll nicht nur ausreichende Sozialräume umfassen, sondern auch zwei Standflächen für die Feuerwehrfahrzeuge. Ein eingeschossiger Bau ist geplant. Rund 800.000 Euro sind für dieses und kommendes Jahr im Haushalt dafür eingestellt.

Sollten die Pläne aufgehen, würde Wehrleiter Stefan Meier ein Stein vom Herzen fallen. Angesichts dessen, dass die Stadt schon seit 2012 nach einer Lösung sucht, gelte: Je schneller desto besser. Zwischenzeitlich war ein Umbau des bestehenden Gerätehauses vorgesehen. Dieser scheiterte an den Platzverhältnissen. Denn neben dem Gebäude befindet sich eine Buswendestelle. So hätte es im Falle einer Erweiterung zu Problemen kommen können, wenn Bus und Feuerwehr aufeinandertreffen. (mit faso)


Kommentar: Lösung endlich in Sicht

Es wurde geplant, verworfen, überarbeitet, geprüft, umgedacht und schließlich aufgegeben. Der Umbau des Feuerwehrgerätehauses Oberneuschönberg ist vom Tisch. Für Außenstehende stellt sich die Frage: Waren tatsächlich so viele Jahre nötig, um zu erkennen, dass bessere Bedingungen am alten Standort nicht machbar sind? Vom Geld, das für die Planungen ausgegeben wurde, ganz zu schweigen.

Die Feuerwehrmänner hoffen nun, dass die Stadt den Zuschlag für die Fläche an der Zollstraße erhält und der Neubau 2020 endlich beginnt.Angesichts der jahrelangen Vertröstungen kommt dieser Baustart zwar deutlich zu spät, aber immerhin ist eine Lösung in Sicht. Denn eines sollte keinesfalls vergessen werden: Bei den Feuerwehrleuten handelt es sich um Menschen, die selbstlos anderen helfen und das im Ehrenamt. Ein Danke als Anerkennung mag wichtig sein, aber gute Bedingungen für ihren lebenswichtigen Dienst sind noch wichtiger.

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