Opernball: Dem Tanzlehrer gehen die Debütanten aus

Das Chemnitzer Theater-Ereignis im Februar ist ausverkauft. Und trotzdem plagen die Organisatoren dieses Mal ernsthafte Sorgen.

Chemnitz.

Tilo Kühl-Schimmel wird langsam unruhig. Der Chef einer der größten Tanzschulen der Stadt Chemnitz ist verantwortlich dafür, dass zum Opernball junge Paare den Tanz eröffnen. Doch es fällt ihm in diesem Jahr schwer, den geeigneten Nachwuchs zu finden.

"Das gab es noch nie", sagte er jüngst und zeigte verzweifelt aufs Opernhaus. "Es ist tatsächlich schwierig, Mädchen und Jungen für den Eröffnungstanz hier drinnen zu finden." In den vergangenen sechs Jahren hatte sich in Chemnitz, genau wie in anderen Theaterstädten wie Wien, Dresden oder Leipzig auch, die Tradition entwickelt, dass Paare im wiegenden Wiener Walzer den Opernball eröffnen. Um die 40Tänzer waren es jedes Jahr. Diesmal aber hätten sich bisher zu wenige Interessenten für den Auftakt angemeldet. Tilo Kühl-Schimmel befürchtet schon: "Schlimmstenfalls müssen wir den schönen Brauch einstellen." Dabei kann er gar nicht verstehen, warum sich bisher so wenige Interessenten für den seiner Meinung nach schönsten Tanz des Jahres gefunden haben. "Das ist nämlich eine einzigartige Chance, das größte gesellschaftliche Event der Stadt kostenfrei und dazu noch in prominenter Position zu besuchen", sagt er.

Lisa-Marie Uhlig weiß, wovon Tilo Kühl-Schimmel spricht. Sie selbst ist eine begeisterte Tänzerin, absolviert derzeit eine Ausbildung zur Tanzlehrerin und hat vor anderthalb Jahren selbst debütiert. "Das war ein unvergessliches Erlebnis", schwärmt sie noch immer. "Ich würde das sofort wieder tun." Das Problem ist aber: Wer in Chemnitz schon einmal auf dem Opernball getanzt hat, darf diesen nicht noch einmal als Debütantin oder Debütant eröffnen. Denn, so will es auch die Übersetzung des französischen Begriffes: Die für den Eröffnungstanz ausgewählten Mädchen und Jungen treten mit ihrem sprichwörtlichen Debüt erstmals öffentlich in großer Gesellschaft auf. Und das geht eben nur einmal im Leben.

"Ich kann nur alle jungen Menschen ermuntern, sich diese Chance nicht entgehen zu lassen", sagt Lisa-Marie Uhlig. Schon allein deshalb, weil der Ball seit Monaten regulär ausgebucht sei. "Das bedeutet, man hätte überhaupt nur als Debüt-Paar noch die Chance, bei der besonderen Veranstaltung dabei zu sein." Zudem erinnert sich Lisa-Marie Uhlig noch sehr genau daran, sich bei ihrem Eröffnungstanz wie eine Prinzessin gefühlt zu haben. "Da sind ja alle Augen auf einen gerichtet. Und der Ball kann erst losgehen, wenn die Debütanten ihre eingeübten Schritte aufs glänzende Parkett gesetzt haben", schwärmt sie noch heute.

In anderen Ballhochburgen wie in Wien oder Dresden sei es derweil nicht so schwierig, Nachwuchs für die Balleröffnung zu finden, heißt es von den dortigen Organisatoren. Etwa 150 Paare würden seit Monaten schon darauf hinfiebern, den Tanz in der Wiener Staatsoper zu eröffnen. Bedingung dort: Die Mädchen müssen ein weißes Kleid tragen, ellbogenlange Handschuhe und dezenten Schmuck, die Jungen einen schwarzen Frack. Sichtbare Tätowierungen, Piercings oder bunte Haarfarben seien nicht erlaubt, ebenso wenig wie Armbanduhren, informiert das Ballbüro. In Dresden wird die Bewerbung der Debütanten nach Angaben der Ballorganisatoren innerhalb eines Castings von einer Jury bewertet, in der auch Fußballerfrau Cathy Hummels sitze. "Die Dresdner haben es aber auch einfacher, Nachwuchs zu finden", so Tilo Kühl-Schimmel, "weil dort die Paare mehrmals zum Debüt antreten dürfen." Ginge das in Chemnitz, hätte er das Starterfeld längst voll, so der Tanzschulen-Inhaber weiter. "Aber bei uns gelten nun mal strenge gesellschaftliche Regeln, und das ist auch gut so." Kühl-Schimmel hofft nun, dass sich zum Vortanzen doch noch junge Paare melden. "Voraussetzungen sind Kenntnisse im Tanzen eines Wiener Walzers und Lust auf eine kostenfreie Teilnahme am Opernball."

Das Vortanzen findet am 31. Oktober, 13.30 Uhr, in der Tanzschule Köhler-Schimmel in der Brückenstraße 6 in Chemnitz teil.


Opernball 2020 steht unter Italien-Motto

"La Grande Bellezza" (Die große Schönheit) heißt das Motto des Opernballs 2020, der am 8. Februar stattfindet. In den vergangenen Jahren wechselten sich die Themen ab. Sie lauteten "Walzerträume", "Strangers In The Night", "Gold und Silber", "Unforgettable", "La Nuit en Rouge" und "Fly Me To The Moon".

Eröffnet wird der Ball traditionell mit Höhepunkten aus dem laufenden Opernprogramm. Anschließend tischen die Gastronomen um Caterer Roland Keilholz wieder ein mehrgängiges Menü auf. Danach betreten die Debütanten das extra verlegte Parkett und eröffnen den Tanzreigen. Im Wechsel von Salonmusik und Live-Einlagen geht der Ball dann bis in die Morgenstunden. Mit einer Tombola wird Geld für karitative Chemnitzer Einrichtungen gesammelt.

Ausverkauft: Karten für die Veranstaltung unter dem italienischen Motto sind jedoch nicht mehr erhältlich. "Meist ist es so, dass die Gäste noch am Ballabend ihre Tische gleich für das Folgejahr reservieren", so Stefan Otto, Leiter des Theaterservicebüros. Es seien aber nicht nur Stammgäste, die die Veranstaltung buchen, sondern zunehmend auch andere Besucher aus Chemnitz und Mitteldeutschland. (pefr)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...