Ortschef will Umdenken bei Nachbarn

Der Seiffener Bürgermeister legt bei einer Einwohnerversammlung ein Zahlenwerk vor - das sei in Deutschneudorf und Heidersdorf so noch nicht bekannt.

Seiffen.

Wenn schon ein Zusammenschluss, dann müssen Deutschneudorf und Heidersdorf mitziehen und sich Seiffen anschließen. So lautete der allgemeine Tenor bei der Einwohnerversammlung am Samstagabend im Hotel "Buntes Haus" in Seiffen. Schließlich werbe man touristisch permanent mit der Nähe zum Spielzeugdorf und sei schon jetzt in einer Verwaltungsgemeinschaft zusammengeschlossen. Was also läge näher als eine analoge Einheitsgemeinde. "Doch das wird niemals sein", so die einhellige Meinung der Besucher. Die Einwohnerversammlung fand erstmals an einem Samstag statt, sollte so auch Pendlern die Teilnahme ermöglichen. Gekommen waren 46 Seiffener und damit nur die Hälfte der sonst üblichen Gästeanzahl.

Martin Wittig sieht das Ganze inzwischen anders. Der Bürgermeister legte den Besuchern ein ausführliches Zahlenwerk vor, das so in den beiden Nachbarorten noch nicht bekannt sei und dort ein Umdenken einleiten werde. "Allein die Tatsache, dass uns dann durch eine höhere Schlüsselzuweisung rund 200.000 Euro mehr zur Verfügung stehen, als alle Gemeinden derzeit zusammen bekommen, ist ein schlagkräftiges Argument", hofft er. Auch die Neigung der beiden Gemeinden zu einer Verwaltungsehe mit Olbernhau kann Wittig nicht verstehen, da in seiner Gemeinde die jährliche Schlüsselzuweisung mit 1704 Euro pro Einwohner rund 100 Euro über der Olbernhauer liege. Zudem werde Dresden einem einseitigen Ausstieg aus der Verwaltungsgemeinschaft niemals zustimmen. "Die Vorteile für alle Gemeinden sind seit 2002 bekannt", argumentierte Hans-Joachim Gruve. Er bat Bürgermeister und Gemeinderat, den eingeschlagenen Weg beizubehalten. Die Eigenständigkeit der Gemeinde Seiffen sei perspektivisch keine Alternative.

Auch der Verfall der ehemaligen Fischer-Fabrik am Mühlbergweg war ein Thema der Zusammenkunft. Derzeit sei ein Giebel bereits eingestürzt und blockiere dort den Durchgangsverkehr. Die Gemeinde sei an einem Kauf und späteren Abriss interessiert, auch wenn das Anwesen nicht zum unmittelbaren Ortskern von Seiffen gehöre, so Wittig. "Ereilt den zweiten Giebel über kurz oder lang das gleiche Schicksal, blockiert das Gestein den Wildbach, und wir haben ein Problem", begründete der Ortschef die Bemühungen der Gemeinde um einen Eigentumswechsel. Doch die Verhandlungen mit den Besitzern gestalten sich schwierig. Gleiches gelte für das Werk I der ehemaligen Vero-Fabrik an der Hauptstraße. "Gehört uns das Gebäude, ist mit Geld aus dem Förderprogramm Brachflächenrevitalisierung ein Abriss möglich und Platz für dringend benötigte Parkflächen", legte Wittig dar.

Im letzten Punkt und während der zweistündigen Debatte immer wieder eingefordert, ging es noch einmal um den jüngsten Weihnachtsmarkt. Der Gemeinderat hatte eine kräftige Erhöhung der Standgebühren verabschiedet, die bei den Seiffenern Unmut verursachte. Allerdings ließ Bürgermeister Wittig keinen Zweifel an der Richtigkeit der Entscheidung. Mehr als 20 Jahre sei trotz steigender Kosten keine Anpassung erfolgt. Vielmehr wären die Forderungen der Händler nach besseren Buden, niveauvoller Ausschmückung und einer modernen Beschallung immer lauter geworden - manche Forderungen sicher berechtigt. Doch die Gemeinde bezuschusse den weihnachtlichen Handel mit jährlich bis zu 35.000 Euro. Damit sei nun Schluss und zumindest eines der vielen Versäumnisse "vom Kopf auf die Füße gestellt".

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