Pandemie: Kritik an Landkreis-Politik

Die Linken sind gegen eine Ausgangssperre und wollen mehr Informationen. Umfassendere Kontrollen sowie striktere lokale Maßnahmen fordern die Bündnisgrünen.

Erzgebirge.

Linke sowie Bündnis 90/Die Grünen haben auf die zur aktuellen Corona-Lage am Donnerstag von Landrat Frank Vogel (CDU) angesprochene nächtliche Ausgangssperre unterschiedlich reagiert. Er halte eine generelle Verschärfung der Maßnahmen nur sachsenweit für sinnvoll, eine Ausgangssperre bringe seiner Meinung nach wenig, hatte Vogel argumentiert.

Verwunderung haben die Aussagen bei Rico Gebhardt, Fraktionsvorsitzender der Linken im sächsischen Landtag sowie Kandidat für den Kreisvorsitz der erzgebirgischen Linken, hervorgerufen: "Herr Vogel verweist darauf, dass eine Ausgangssperre nur landesweit sinnvoll wäre, also auch in Gebieten mit geringeren Infektionszahlen. Ich kann es nur als Ausdruck von Überforderung werten, dass ausgerechnet der Landrat des Erzgebirgskreises eine solch krasse Maßnahme vorschlägt." Dass der Erzgebirgskreis derzeit zu den sächsischen Spitzenreitern bei den Neuinfektionen zähle, könne nicht nur pauschal damit erklärt werden, dass die Erzgebirger gern "hutzn giehe", also spontan Nachbarn und Freunde besuchen. "Vielleicht würden mehr Leute darauf verzichten, wenn endlich auch das Erzgebirgslandratsamt tagesaktuell über das Infektionsgeschehen in den Städten und Gemeinden berichten würde - alle anderen Landkreise kriegen das inzwischen hin", so der gebürtige Schlemaer in einer Pressemitteilung. Vogel verfüge als Landrat und Landkreistagsvorsitzender durchaus über entsprechende Entscheidungsgewalt.

Die erzgebirgischen Bündnisgrünen hingegen fordern umfassendere Kontrollen und zusätzliche lokale Maßnahmen. "Wir können und dürfen nicht warten, bis die Kapazitäten unseres Gesundheitswesens erschöpft sind. Wenn sich die öffentliche Diskussion darin erschöpft, ob Weihnachtsmärkte öffnen können oder nicht, werden wir dem Ernst der Lage nicht gerecht", heißt es in einer Stellungnahme der Fraktionsvorsitzenden im Kreistag, Ulrike Kahl. "Wir fordern, dass die Kreisbehörden deutlich umfassender kontrollieren, Regelverstöße umgehend hart und konsequent ahnden. Der Landkreis sollte auch zusätzlich strikte lokale Maßnahmen, die über die sächsische Allgemeinverfügung hinausgehen, in Erwägung ziehen." Nutzer des kleinen Grenzverkehrs nach Tschechien sollten ihre Einkaufsfahrten überdenken.

00 Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.