"Pilz-Professor" experimentiert zwei Jahre an einzigartiger Zucht

Die Schwamme von Roland Münzner landen nicht nur im Kochtopf. Kunden schwören auch auf ihre heilende Wirkung. Nun ist es dem Reitzenhainer Unternehmer gelungen, den Pilz zu züchten, mit dem schon Ötzi seine Schmerzen gelindert haben soll.

Reitzenhain.

Vermeintliche Pilzexperten gibt es im Erzgebirge nicht wenige. Entsprechend müsste Roland Münzner als der Professor der Schwamme bezeichnet werden. Ende der 1980er-Jahre machte er sein Hobby zum Beruf, züchtet die Lebewesen seither im Sommer wie im Winter und verkauft sie mit seinem gleichnamigen Unternehmen tonnenweise - jede Woche. Mit Reisen in Länder wie China und Mexiko erweiterte der 63-Jährige sein Wissen über Pilze, die auch hierzulande längst nicht mehr nur als Delikatesse, sondern auch als Heilmittel gelten. Nun ist Münzner nach zweijähriger Forschung die Züchtung einer weiteren Pilzart gelungen.

"Wir haben zum ersten Mal den Birkenporling gezüchtet. In der Zucht gibt es ihn nirgendwo sonst in Europa", behauptet der Firmenchef. "Wir mussten viel experimentieren. Substrat, Temperatur, Licht und Feuchtigkeit müssen exakt stimmen. Deshalb ist das so schwierig", erklärt Münzner. Der Pilzart wird nachgesagt, durchblutungsfördernde Wirkung zu haben, die zur Reinigung des Körpers beiträgt. "Er wurde schon vor Tausenden Jahren als Medizin benutzt", sagt der Reitzenhainer. Bekannt geworden ist der Birkenporling als Ötzi-Pilz. Forscher fanden bei der weltberühmten Gletschermumie Stückchen des Pilzes. Es wird gemutmaßt, dass Ötzi ihn zur Entgiftung nutzte und damit Schmerzen stillte. Andere Wissenschaftler wiederum behaupten, er nutzte ihn als Werkzeug zum Schleifen der Pfeilspitzen.

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Roland Münzner jedenfalls ist von der heilenden Wirkung der Schwamme überzeugt. "Pilze sind die Polizei unseres Planeten. Der berühmteste ist wohl Penicillin. Und das ist nur ein Pilz von Zehntausenden." 22 Arten als Ernährungs- und Heil-, aber nicht als Wundermittel - darauf legt Münzner Wert - züchtet der Unternehmer derzeit auf dem Erzgebirgskamm. "So viele Sorten wie kein anderer in Europa." Darunter auch den Königspilz: den Reishi. "Die Chinesen bezeichnen ihn als Pilz der Unsterblichkeit."

Das Hauptgeschäft machen die Reitzenhainer allerdings mit üblichen Speisepilzen - allen voran mit Champignons. "Mit 88 Prozent Marktanteil in der Bundesrepublik sind sie die beliebtesten Schwamme der Deutschen. In China hingegen gelten sie als Abfallprodukt", sagt Münzner.

Obwohl seine Firma genau von diesem Absatz lebt, forscht der 63-Jährige weiter an besonderen und seltenen Arten: "Als nächstes wollen wir den chinesischen Raupenpilz züchten." Er wächst normalerweise nur im Hochland von Tibet und gilt als einer der begehrtesten Heilpilze. Je nach Qualität beträgt der Preis für ein Kilo der wertvollen Lebewesen Zehntausende Euro, erklärt der Erzgebirger und betont im gleichen Atemzug: "Von einem Erfolg, ihn zu züchten, sind wir noch Lichtjahre entfernt."


Reitzenhainer Unternehmer erwirtschaftet 13 Millionen Euro Jahresumsatz

Noch vor der politischen Wende macht sich Roland Münzner mit der Zucht von Pilzen selbstständig. Seitdem ist das Unternehmen stetig gewachsen. 1995 wird das Sortiment erweitert und mit der Produktion von Knödeln begonnen.

Mittlerweile beschäftigt Münzner 95 Mitarbeiter. Mehrere Lkw gehören zum eigenen Fuhrpark. Zu den Kunden gehören große Handelsketten, Groß- und Einzelhändler und Gastronomen. Die Reitzenhainer beliefern aber auch Apotheken und Heilpraktiker. Der Jahresumsatz beträgt rund 13 Millionen Euro. Rund 30 Prozent fallen auf die Knödelproduktion.

Für Samstag von 9 bis 16 Uhr lädt Münzner zum nächsten Hoffest auf das Gelände der Champignonzucht, Ernst-Thälmann-Straße 51 in Reitzenhain. Gäste können verkosten, die Gaststätte hat geöffnet. Zudem stellen 45 weitere Händler aus der Region ihr Waren aus. Bei Firmenrundgängen lernen die Besucher mehr über den Betrieb und die spezielle Pilzzucht kennen. An Informationsständen können sie sich außerdem über Anbau, Rohstoffe und Heilkräfte der Lebewesen belesen. (rickh)

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