Räte ringen um die Zukunft des Kalkwerks Lengefeld

Das Museum soll erhalten bleiben. Zugleich wird jedoch befürchtet, dass es die Stadt auf Dauer finanziell überfordert.

Pockau-Lengefeld.

Rund zwei Millionen Euro will die Stadt Pockau-Lengefeld in den kommenden Jahren in das Kalkwerk Lengefeld investieren, damit das Museum künftig für die Gäste wieder frei zugänglich ist. Bürgermeister Ingolf Wappler stellte die Pläne den Stadträten vor. Doch es gibt Zweifel. Für die Räte stellt sich die Frage: Ist die Stadt auf Dauer mit dem Kalkwerk finanziell überfordert?

Vor wenigen Wochen war bekannt geworden, dass die eingehausten Brücken im hinteren Teil der Anlage einsturzgefährdet sind. Zudem sind unter anderem drei der vier Essen baufällig. Die Stadt reagierte umgehend. Um keine Verletzungen zu riskieren, wurde entschieden, dass sich die Besucher vorerst nur in Begleitung übers Gelände bewegen dürfen. So sieht die Lösung aus: Ab dem 3. April ist das Museum geöffnet. Von Mittwoch bis Sonntag gibt es zwischen 10 und 16 Uhr stündlich stattfindende Führungen. Wer teilnehmen will, kann am Kassenhaus warten. Touren sind zudem auf Anmeldung möglich.


Inwiefern sich das eingeschränkte Angebot auf die Gästezahlen auswirkt, bleibt abzuwarten. Zuletzt kamen laut Stadtverwaltung zwischen 5000 bis 6000 Menschen im Jahr ins Museum. Zu wenige angesichts der hohen Investitionen, waren sich die Räte einig, als sie über die Zukunft des Kalkwerks diskutierten.

"Das Museum ist nichts, was mich vom Hocker reißt", sagte Ulrich Findeisen (FW). Es müsse attraktiver und besser vermarktet werden, schloss sich Gunter Tutzschky (CDU) an. Ein Konzept werde benötigt. "Ich war mehrfach in den Ausstellungen, die Mitarbeiter geben sich viel Mühe", sagte Sabine Schlißio (FW). "Es ist nicht so, dass dort nichts los ist." Gunter Schröter (FW): "Wir werden keine 100.000 Besucher im Jahr anziehen." Dies sei längst kein Grund, die Einrichtung verkommen zu lassen. "Was haben wir für eine Alternative?"

Steffen Haugk (CDU): "Das Kalkwerk ist eine große Nummer, vielleicht zu groß." Und Rat Ehrenfried Lorenz (CDU) betonte: "Wir brauchen einen Plan, einen richtigen." Er geht davon aus, dass mindestens fünf Millionen Euro nötig sind, um das Museum so zu gestalten, dass es deutlich mehr Gäste anzieht.

Bürgermeister Wappler ist sich der Herausforderung bewusst: "Ich sehe nicht, wer uns entlasten könnte. Aus der Verantwortung kommen wir nicht heraus." Er setze seine Hoffungen in die Bewerbung der Montanregion Erzgebirge als Kulturerbe. Die Entscheidung der Unesco soll Anfang Juli fallen. Zwar ist das Kalkwerk nur assoziierte Stätte und nicht unmittelbarer Bestandteil, es könnte dennoch an Bekanntheit gewinnen. Kommen mehr Besucher, steigen die Einnahmen. Bei Eintrittspreisen zwischen zwei und vier Euro kann dies aber nur einen recht geringen Teil der Kosten abdecken.


Kommentar: Digitale Wege gehen

Angesichts der zunehmenden Digitalisierung des Alltags haben es klassische Museen schwer. Gerade jüngere Gäste empfinden sie oft als langweilig. Die Lösung: Museen müssen sich die neuen technischen Möglichkeiten zu eigen machen. Eine von ihnen: erweiterte Realität. Besucher bewegen sich mit dem Tablet oder mit ihrem Smartphone durch das Museum. Auf der Technik werden der reale Hintergrund angezeigt sowie verschiedene Animationen. So lässt sich etwa veranschaulichen, wie einst der Kalk verarbeitet wurde. Mag sein, dass dies aufwendig und kostspielig ist, aber nur mit Ideen wie diese lassen sich Museen wie das Kalkwerk in die Zukunft retten.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...