"Rastplatz soll noch 2019 in Betrieb gehen"

Marienbergs Oberbürgermeister André Heinrich äußert sich zum Müllproblem an der Grenze, zur Kommunalwahl und zum Breitbandausbau

Marienberg.

Gute Bedingungen an Schulen und Kindertagesstätten - dieses Thema liegt Marienbergs Oberbürgermeister André Heinrich (parteilos) besonders am Herzen. Doch in diesem Jahr können auch andere wichtige Aufgaben angegangen werden. Zudem spricht Heinrich im Interview mit Patrick Herrl über die Rolle der Stadt als Bundeswehrstandort.

"Freie Presse": Auf welches Thema werden Sie von Bürgern am häufigsten angesprochen?

André Heinrich: Ganz klar: auf den geplanten Radweg von Marienberg nach Reitzenhain. Das Thema hat sich fest in den Köpfen der Marienberger verankert. Das hat nicht zuletzt das große Interesse der Einwohner bei der Vorstellung der Pläne im Technischen Ausschuss gezeigt.

Bis zum Baustart des Millionenprojekts dauert es noch bis 2020, wenn keine Widersprüche in der öffentlichen Auslegung eingehen. Auf welche Vorhaben in diesem Jahr sind Sie besonders stolz?

Darauf, dass wir nach der Modernisierung der Lauterbacher Grundschule 2018 in weitere Bildungs- und Betreuungseinrichtungen investieren können. Die Kindertagesstätte "Knirpsenhaus" soll trockengelegt und das Dach saniert werden. Der bereits begonnene Umbau der Grundschule "Heinrich von Trebra" wird abgeschlossen. Weitere 135.000 Euro stehen für die Grundschule "Herzog Heinrich" im Haushalt. Unsere Kitas und Schulen sind voll ausgelastet. Für uns als Träger ist es finanziell nicht immer einfach, ordentliche Bedingungen zu schaffen. Aber es sind die besten Investitionen in die Zukunft unserer Kinder.

Gibt es weitere Projekte, die Sie hervorheben können?

Ich freue mich, dass die Sanierung der Schlossbergstraße in Zöblitz abgeschlossen werden kann. Dieses wichtige Vorhaben haben wir den Zöblitzern bei der Eingemeindung versprochen. Das Thema Verkehr mit der Vielzahl an Baustellen, Umleitungen und schlechten Straßen belastet uns ohnehin.

Und ganz besonders die Reitzenhainer. Wie sieht es dort mit der geplanten Ortsumgehung aus?

Der neue Entwurf des Landesamtes sieht einen Ausbau im Bestand vor. Dabei soll der Verlauf der Bundesstraße auf den alten Bahndamm verlegt werden. Mitte März sollen die Pläne im Reitzenhainer Rathaus bei einer Bürgerversammlung vorgestellt werden. Die Bürgerinitiative weiß darüber bereits Bescheid. Der Freistaat will vor Ort mit Einwohnern in die Diskussion gehen. Genau auf diesen Austausch habe ich auch gedrängt.

Die Reitzenhainer beschäftigt ein weiteres Problem: der miserable Zustand am Grenzübergang. Wann genau sollen die Lkw-Stellflächen zu einem ordentlichen Rastplatz ausgebaut werden, damit das Gelände nicht länger einer Müllkippe gleicht?

Der Vertrag mit dem Landesamt wird ausgehandelt. Wir als Eigentümer der Flächen geben damit die grundstückseigenen Rechte an den Freistaat weiter. Das Land übernimmt auch die Reinigung des Areals. Es soll ausgeleuchtet werden und ein Sanitärtrakt entstehen. Die alten Kontrollgaragen werden abgerissen. Der Rastplatz soll noch 2019 provisorisch in Betrieb gehen.

Geht es nach den Plänen der Investoren, wird ebenfalls noch in diesem Jahr der Bau eines neuen medizinischen Versorgungszentrums an der Freiberger Straße begonnen, in dem schon 2020 neun Mediziner praktizieren sollen. Ist damit das Problem Ärztemangel gelöst?

Nein. Das Problem ist damit nicht ausgestanden. Ich sehe noch genug Arbeit für die Zukunft. Wichtig bleibt eine gute Mischung zwischen Versorgungszentrum auf der einen und eigenständigen Praxen auf der anderen Seite. Und da bleibt die Situation kritisch. Ich kenne den Altersschnitt unserer Ärzte. Und nicht überall sind Nachfolger in Sicht. Hier ist der Freistaat gefragt. Wir als Stadt haben keine Entscheidungsgewalt und können nur unterstützen.

Entscheidend mitwirken können in diesem Jahr auch alle wahlberechtigten Bürger. Was erhoffen Sie sich als Oberbürgermeister von der Kommunalwahl?

Zunächst einmal: Ich habe mich neutral zu verhalten. Aber ich hoffe, dass so viele Bürger wie möglich zur Urne schreiten und sich im Vorfeld mit den Kandidaten auseinandersetzen. Wichtig war mir, dass wir in Marienberg die vier Wahlkreise beibehalten, um möglichst aus jedem Ortsteil einen Vertreter an den Ratstisch zu bekommen. Ich bin gespannt auf die Kandidatenlisten der Parteien.

Und wie blicken Sie auf die anschließende Landtagswahl?

Ich wünsche mir als Ergebnis eine arbeitsfähige Landesregierung, die mit den Kommunen eng zusammenarbeitet. Dazu trägt auch eine gesunde Opposition bei. Vom aktuellen Ministerpräsidenten habe ich den Eindruck, dass er sich für einfache Lösungen einsetzt.

Apropos Michael Kretschmer: Bei seinem Besuch Ende Januar in Kühnhaide sprachen Sie mit ihm auch über die Marienberger Jäger und die Sicherung des Bundeswehrstandorts. Wie wichtig ist dieser für die Bergstadt?

Marienberg ist eine Garnisonsstadt. Das darf sich auf keinen Fall ändern. Dazu hat sich Kretschmer bekannt. Unsere Soldaten stellen die einzige Kampfeinheit Sachsens. Zudem sprechen rund 1000 Dienstposten ebenso für eine wichtige wirtschaftliche Komponente. Fest steht auch: Die Bundeswehr wird in die Erzgebirgskaserne investieren und die Mannschaftsunterkünfte erneuern.

Noch gar nichts fest steht hingegen beim Breitbandausbau. Einige Kommunen sind bereits von der ursprünglichen Förderung des Bundes zurückgetreten und haben sich dem Ausbau durch den Landkreis angeschlossen. Wie sieht es in Marienberg aus?

Fakt ist: Förderbedingungen haben sich geändert. Wir mussten einen neuen Antrag stellen, um das Vorhaben zu hundert Prozent gefördert zu bekommen. Nun warten wir auf den Bescheid, um mit dem geschätzten 35 Millionen Euro teuren Ausbau beginnen zu können. Wir bleiben dabei, die Rohre selbst verlegen zu lassen und an einen Internetanbieter zu verpachten. Wir werden alle Haushalte im gesamten Stadtgebiet ans Glasfasernetz anschließen.

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