Rat kritisiert Auer OB für Spruch über Bad Schlema

Wie gleichberechtigt ist die geplante Fusion der Kommunen?

Aue/Bad Schlema.

Es war nur ein kleiner Satz, der aber bei vielen Bad Schlemaern auf großes Missfallen gestoßen sein dürfte. Mario Heydel (Freie Wähler) hatte in der September-Sitzung des Auer Stadtrates gesagt: "Wir haben uns schon ganz schön gebückt für eine Fusion auf Augenhöhe (mit Bad Schlema, Anm. der Redaktion)."

Heydel hatte damit in erster Linie seinen Frust zum Ausdruck bringen wollen, dass im Zuge der geplanten Fusion die Kindergarten-Gebühren auf das Bad Schlemaer Niveau steigen sollen. Viele Bürger dort dürften aber eher verstanden haben, dass der deutlich kleinere Kurort für die Große Kreisstadt Aue kein gleichberechtigter Partner ist.

Der Bad Schlemaer Gemeinderat Andreas Rössel (Linke), der zu Gast in der Sitzung war, reagierte jedenfalls prompt und kritisierte im Netz: "Da frage ich mich, ob es die gleiche Augenhöhe wirklich gibt und ob der Auer Stadtrat die Fusion wirklich will, oder ob Bad Schlema einfach nur einkassiert werden soll." Eine Frau kommentierte: "Das müsste eigentlich jeder Schlemaer wissen, wie man in Aue über uns denkt."

Dass der Auer Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU) die Worte so ähnlich nun in einem Nebensatz in der Sitzung des Kultur- und Sport-Ausschusses wiederholte, kam bei Stadtrat Ulf Breitfeld (Mandat CDU) gar nicht gut an. Breitfeld erklärte: "Ich finde das ein bisschen arrogant." Die Wortwahl, dass man sich für Bad Schlema bücken müsse, sei für eine gelingende Fusion unpassend. Er sei zusammengezuckt, sagte er, als Heydel den Satz im Stadtrat zum ersten Mal sprach.

OB Kohl erklärte daraufhin, der Satz sei ironisch gemeint gewesen. "Bad Schlema hat Augenhöhe bekommen. Die Fusionsgespräche waren gleichberechtigt." In Bad Schlema gebe es aber an mancher Stelle "eine Fehlwahrnehmung". In Richtung der Bürgerinitiative "Wir sind Bad Schlema" sprach er auch von "Fehldarstellungen". "Wir haben oft eigene Interessen hinten angestellt und vieles aufgegeben", so Kohl. Als Beispiel nannte er den Stadtnamen Aue, der nach der Fusion Aue-Bad Schlema lauten soll. Zudem würde ab 1. Januar 2019 ein gemeinsamer Übergangs-Stadtrat gebildet, in dem alle Bad Schlemaer Gemeinderäte vertreten sind. In Relation zur Einwohnerzahl ist der Kurort deshalb für einige Monate überrepräsentiert. "Ein Bad Schlemaer Gemeinderat hat dann das Gewicht von drei Auer Stadträten", sagte der Stadtchef.

Kohl versprach dennoch "einen tollen Anfang", forderte aber auch in Richtung Schlema: "Bitte würdigt mal unser Entgegenkommen."

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