Schminkkurs der besonderen Art lässt die Schönheit schwinden

Nicht nur das Retten von Verletzten will gelernt sein, sondern auch die Darstellung vermeintlicher Opfer. Ein DRK-Lehrgang in Marienberg lieferte dazu wichtige Tipps.

Marienberg.

So viele Platzwunden und Knochenbrüche wie am vergangenen Wochenende haben die Mitglieder des DRK-Kreisverbandes in Marienberg selten erlebt. Noch erstaunlicher war, dass die jungen Sanitäter selbst die Verletzungen aufzuweisen hatten. Und dass diese auch noch so schnell verschwanden, wie sie entstanden waren, wäre schon einem Wunder gleichgekommen, hätte es sich dabei nicht um einen Schminkkurs der etwas anderen Art gehandelt. Elf Teilnehmer im Alter zwischen 15 und 25 Jahren lernten im Grundkurs Notfalldarstellung, wie man zu einem vermeintlichen Unfallopfer wird.

Was lustig klingen mag, hat einen ersten Hintergrund. "Die Verletzungen sollen möglichst echt erscheinen, damit die Helfer in einer Übung entscheiden können, was genau zu tun ist. Sie sollen sehen, ob es sich um einen Knochenbruch oder nur eine Schwellung handelt", erklärt Michael Zang. Der Ausbilder war für den zweitägigen Kurs aus Unterfranken angereist. Einerseits, weil Experten wie er in Sachsen derzeit rar gesät sind. Andererseits, weil sich der 47-Jährige mit Leidenschaft dem ehrenamtlichen Engagement beim DRK verschrieben hat.

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Weil Michael Zang bereits seit 2001 Ausbildungen leitet, verfügt er über enorme Erfahrung. "Die Notfalldarstellung ist seitdem viel professioneller geworden", erklärt der gelernte Elektroniker. Wurde anfangs Knete verwendet, so gibt es mittlerweile ein spezielles Schminkwachs. Make-up-Farben wie am Theater kommen ebenso zum Einsatz wie synthetisch hergestelltes Kunstblut: "Alles wirkt echter und ist haltbarer." Von dieser Entwicklung konnten sich die Marienberger DRK-Mitglieder am Wochenende überzeugen. Am ersten Tag ging es speziell ums Schminken, am zweiten um die Mimik. Auch Rebekka Oettel wurde dabei zur Schauspielerin, was ihr und den Kollegen sichtlich Spaß machte. Staunendes Lächeln weckten nicht nur die Platz-, Schürf- und Schnittwunden oder die Knochenbrüche. "Wir haben auch viel gelacht, wenn mal etwas schief ging", sagt die junge Dame aus Gebirge.

Dass Notfalldarstellung nötig ist, wissen viele Marienberger aus eigener Erfahrung. Schließlich werden auch im eigenen Haus bei Sanitäterprüfungen vermeintliche Opfer gebraucht. Aktionen von wesentlich größerem Ausmaß hat Michael Zang schon miterlebt. "Im Jahr 2010 war ich dabei, als ein Diskotheken-Einsturz nachgestellt wurde. Damals brauchten wir 250 Verletzte für die 800 Helfer", berichtet der Franke, der außerdem auf einen modernen Nutzen seiner "Schminkkurse" hinweist: "Auch zu Halloween sind unsere Künste inzwischen gefragt." Dies komme der Öffentlichkeitsarbeit des DRK zugute, das stets auf der Suche nach jungen Mitgliedern sei.

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