Schneemassen werden zur Gefahr

Das Winterwetter hält die Menschen weiterhin in Atem. Doch noch einmal gibt es zumindest für die Kinder auch Grund zur Freude.

Marienberg/Zschopau.

Tag zwei nach Beginn des heftigen Schneetreibens im Erzgebirge - und die Menschen der Region bleiben auf Trab. Egal ob Einsatzkräfte, Abschleppdienste oder mutige Nachwuchshelfer: Gestern wurde weiterhin kräftig geräumt und versorgt.

Wetter: Vielerorts schneite es gestern erneut, wodurch sich Schneemassen auf Bäumen und Gebäuden bedrohlich gehäuft haben. Der Olbernhauer Hobbymeteorologe Dirk Christoph maß am Nachmittag 16 Zentimeter Neuschnee, sodass die Gesamthöhe der Schneedecke nun 48 Zentimeter beträgt. "Da es massiver, schwerer Schnee ist, wird die Höhe in Anbetracht leichter Plusgrade in den kommenden Tagen wohl nur wenig abnehmen", vermutet der Hobbymeteorologe.

Gefahren: In Deutschneudorf ist das Dach einer Lagerhalle unter der Schneelast eingebrochen. Wie der Leiter der Ortsfeuerwehr, Ronny Schmidt, mitteilt, hörten Anwohner am Mittwoch gegen 22 Uhr ein Krachen und meldeten den Einsturz. Zu Schaden gekommen sei niemand, auch Gefahrgut sei ersten Erkenntnissen zufolge nicht in der etwa 60Meter langen und zehn Meter breiten Halle gelagert. Einst befand sich darin eine Möbelfabrik, laut Schmidt stand die Halle seit einem Jahrzehnt leer, das Dach sei vorgeschädigt gewesen. Bürgermeisterin Claudia Kluge (FDP) spricht von keiner akuten Gefahrensituation. Es sei aber angeordnet worden, dass Fußgänger das Hallenumfeld nicht begehen und dort nicht parken sollen.

Die Turnhalle am Beruflichen Schulzentrum für Ernährung, Technik und Wirtschaft des Erzgebirgskreises in Zschopau wurde aufgrund der aufliegenden Schneemenge inzwischen gesperrt, so Landratsamtssprecher André Beuthner. Das Weiß soll zeitnah abgeschaufelt und die Sperrung möglichst Anfang nächster Woche aufgehoben werden.

Einsatzkräfte: Viele Bäume konnten die Schneelast nicht tragen und stürzen um. So etwa bei Oberneuschönberg, wo mehrere Feuerwehren in der Nacht zu Donnerstag räumen mussten. Auch die Wehren von Deutschneudorf und Deutscheinsiedel waren bis gestern Nachmittag mehrfach ausgerückt. Sieben Mal hieß es, umgestürzte Bäume und Äste von der Straße entfernen. Auch in Schönbrunn war das der Fall.

Trotz der angespannten Situation musste der Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes laut Leiter Mario Richter nicht zur Notversorgung ausrücken. Auch wenn zahlreiche Fahrer auf den Strecken des Erzgebirges gestrandet waren, seien keine Aufträge durch das zuständige Landratsamt oder die Rettungsleitstelle erfolgt. Dennoch ist der Dienst gerüstet: Fahrzeuge stehen bereit, dazu Decken und Feldbetten sowie Busse für mögliche Evakuierungen im Katastrophenfall. Auch ein Schneemobil hält der Dienst vor, mit dem im Notfall Menschen in eingeschneiten Wohngebieten erreicht werden können. Zudem stünden ehrenamtliche Helfer bereit, die im Fall des Falles gestrandete Fahrer oder Reisende versorgen.

Einsatzfahrzeuge des Rettungsdienstes hätten derzeit ebenso wie die vielen Autofahrer mit den Straßenverhältnissen zu kämpfen - "ganz normale Herausforderungen des Winters", so Richter. Probleme in einer Rettungssituation habe es nicht gegeben.

Schulen: Vielerorts fällt heute erneut der Unterricht aus. Das Landesamt für Schule und Bildung hat den Schulleitern im Erzgebirgskreis empfohlen, die Schulen einen weiteren Tag nicht zu öffnen, bestätigt Sprecher Lutz Steinert. Das Amt habe für Freitag die Empfehlung herausgegeben, auf Unterricht zu verzichten. Lediglich die Betreuung der Kinder müsse sichergestellt werden. Schulfrei heißt es heute am Gymnasium Marienberg. Der amtierenden Leiter Enrico Huth habe sich mit benachbarten weiterführenden Schulen in Olbernhau und Marienberg abgesprochen: "Dort wird es genauso gehandhabt." Im Beruflichen Schulzentrum für Ernährung, Technik und Wirtschaft des Erzgebirgskreises am Standort Seiffen ruht der Betrieb auch - ebenso in der Oberschule Lengefeld.

Bus und Bahn: Die Erzgebirgsbahn hat den Zugverkehr gestern komplett eingestellt, teilt Ralf Bucka, Leiter Verkehrsbetrieb, mit. Vor allem gebrochene Bäume, die die Gleise blockierten, bereiteten Probleme. Bis gestern Mitternacht wurde versucht, die Strecken zu beräumen. "Kaum fertig, konnten wir wieder von vorn anfangen", schildert Bucka die angespannte Situation. Deshalb habe man gestern, 10 Uhr entschieden, vorerst keine Züge mehr auf den Verbindungen der Erzgebirgsbahn einzusetzen. Ziel sei es, heute Nachmittag den Verkehr auf allen Strecken wieder aufzunehmen, so Sprecher Lutz Mehlhorn. Auch beim Regionalverkehr Erzgebirge kam es gestern erneut zu Einschränkungen auf Buslinien. "In den Gebieten Ost, West und Süd konnten wir nur 50 Prozent bedienen", sagte Geschäftsführer Roland Richter.

Forst: Der Leiter des Staatsforstbetriebes im Forstbezirk Marienberg, Gunter Haase, hatte sich am Mittwoch ein Bild über die Auswirkungen des Schneefalls gemacht. Umgebrochene Bäume blockieren Zufahrten und Waldwege. Mindestens heute bleibe die Natzschungtalstraße noch gesperrt. "Waldarbeiter helfen dort, Schneebruch zu beseitigen", so Haase. Unklar ist, wie viele Bäume der Schnee im Forst zu Fall gebracht hat. Von einem Waldspaziergang rät Haase ab. Der Sachsenforst haben eine Warnung vor dem Betreten des Waldes ausgesprochen.

Alltag: Viel zu tun hatten gestern Abschleppdienste. Sie zogen zahlreiche Fahrzeuge aus Straßengräben. Reinhard Cornelsen aus Scharfenstein war auf der B 101 zwischen Floßplatz und Wolkenstein im Einsatz. Dort hatte sich ein Unfall mit drei Fahrzeugen ereignet. Vergleichsweise gut sah die Situation in Olbernhau aus. Der Bauhof helfe, wo er kann, betonte Bürgermeister Heinz-Peter Haustein (FDP). Größere Probleme habe es nicht gegeben. Ähnlich äußerte sich Ingolf Wappler, Bürgermeister von Pockau-Lengefeld. Es sei nur eine kleine Straße bei Forchheim gesperrt worden. Dort gebe es im Winter öfter Probleme.

Winter in der Region - Bilder vom Mittwoch

Winter in der Region - Bilder vom Donnerstag


16-jähriger Schüler bringt Lkw-Fahrern Tee und Kekse - Zschopauerin stellt Auto an Gasthof "Goldener Hahn" ab und geht zu Fuß weiter

Besonders zwischen Chemnitz und Zschopau ging auf der Bundesstra- ße 174 zeitweise nichts mehr. So standen in der Nacht zu gestern laut Polizei rund 170 Lkw auf der Fahrbahn und am Rand. Dazwischen: zahlreiche Autos, die weder vor noch zurück konnten. Yannick Meyer, der keine Schule hatte, verfolgte das Geschehen. "Ich machte mir Sorgen um die Fahrer", so der 16-jährige Gornauer. Also fasste er einen Entschluss. Gestern stand er früh auf, um Tee zu kochen und Kekse einzupacken. Über eine Brücke und eine glatte Treppe gelangte er nahe der Abfahrt Gornau zu den Lkw, die noch immer standen. "Wir haben uns sehr darüber gefreut", sagte eine Fahrerin aus dem Dresdner Raum der "Freien Presse". Sie hänge seit Mittwochmittag im Graben fest: "Mein Chef kam vorbei, er konnte nicht helfen." Ihr wie anderen Truckern blieb nichts weiter übrig, als im Fahrzeug zu übernachten und auf den nächsten Tag zu hoffen.

Auch Pkw kamen kaum voran. So wie Daniela Arnold aus Zschopau dürfte es am Mittwochabend vielen Autofahrern ergangen sein. Zusammen mit ihrem 13-Jährigen Sohn wollte sie von Chemnitz nach Hause fahren. Auf der Bundesstraße brachten beide zwei Stunden zu. "Es war gruselig. Ich hatte keine Informationen. Von der Polizei war nichts zu sehen. Das Streufahrzeug stand auch im Stau." Schließlich stellte sie das Fahrzeug am Gasthof "Goldener Hahn" ab ging mit ihrem Sohn zu Fuß nach Gornau weiter, wo sie ihr Mann abholte. Grund für den Stau war ein querstehender Lkw, dem ein Überholversuch misslungen war. (geom/mik)

 

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