Schnitzer und Klöpplerinnen bereiten großes Jubiläum vor

Der Verein aus Großrückerswalde feiert in diesem Jahr sein 95-jähriges Bestehen mit einer Sonderschau. Bereits die Auswahl der Exponate ist eine Herausforderung.

Großrückerswalde.

Sie haben das Jahrhundertjubiläum schon im Blick. Doch zunächst feiern die Mitglieder des Großrückerswalder Schnitz- und Klöppelvereins in diesem Jahr ihr 95-jähriges Bestehen. Da fällt den Schnitzern und Klöpplerinnen die Auswahl nicht leicht, denn eine Vielzahl an Arbeiten ist während der zurückliegenden 95 Jahre entstanden. Jedes hat auf seine eigene Weise seinen ganz besonderen Reiz, wie sie einhellig finden. Dennoch gibt es Markantes, das keineswegs fehlen darf. Auch darüber herrscht Einigkeit. Da wäre der etwa ein Meter große Bergmann, der sich sonst in der Schnitzer- und Klöpplerinnenstube im Vereinshaus befindet. Er steht für die Tradition des Vereins, die auch heute noch gepflegt wird. Bergmänner und Engel sind früher sehr oft geschnitzt worden. In den erzgebirgischen Fenstern gaben sie einst an, wie viele Mädchen und Jungen hier zu Hause waren. Die traditionellen erzgebirgischen Figuren werden auch heute noch im Verein geschnitzt. Je nach Epoche entstanden aber auch ganz andere Motive.

Helmut Hartmann hegt und pflegt einen beweglichen Zwergenberg seines Vaters Karl Hartmann. Dieser verfügt unter anderem über eine kleine Schmiede. Fachwerkhäuser aus dem Dorf von Albert Oettel hat dessen Enkelin Marion Weißbach aufgehoben. Sie gehört zu den Klöpplerinnen des Vereins. Zu DDR-Zeiten fertigte die AG Schnitzen eine Gemeinschaftsarbeit zum Thema "Unser Dorf" an und wurde dafür ausgezeichnet. Das Ergebnis ist ein genauer Einblick in die Kartoffelernte, wie sie damals üblich war. Heute sind die Motive der Schnitzer vielgestaltig. In den wöchentlichen Treffen entstehen Figuren, die die verschiedensten Berufe darstellen. Auch streitende Hengste, einen Seeadler und Luchse haben die Schnitzer schon erschaffen. Manche Arbeiten passen sogar in eine Wal- oder eine Haselnuss. Gewandelt hat sich auch die Farbgebung. Früher wurde mit kräftigen Farben gearbeitet. Heute kommen auch leichte Lasuren zum Einsatz.

Ob die Klöpplerinnen schon vor 95 Jahren bei den Schnitzern saßen, steht nicht eindeutig fest. Fakt ist jedoch, dass das Klöppeln in Großrückerswalde 1976 unter der Federführung Lotte Lippmanns wiederbelebt worden ist. Damals dominierte hier die sogenannte weiße Ware - Decken und Spitzen in Weiß. Das ist heute anders. Neben den traditionellen Werken klöppeln die Großrückerswalderinnen auch mit bunten Garnen. Dabei entstehen nicht nur Deckchen. "Wir fertigen auch Fensterbilder, Schmuck und die verschiedensten Arbeiten zur Dekoration an", versicherte Marion Weißbach. In der Ausstellung werden unter anderem eingeklöppelte Weihnachtskugeln oder Schwibbögen mit Klöppeleinsatz zu sehen sein. Vor sechs Jahren schufen die Frauen mit den "Vier Jahreszeiten" eine größere Gemeinschaftsarbeit. Ausschnitte davon sollen ebenfalls Teil der Sonderausstellung sein.

Derzeit zählt der Verein etwa 20 Mitglieder im Alter zwischen 32 und 91 Jahren. Der Nachwuchs fehlt sowohl bei den Schnitzern als auch bei den Klöpplerinnen. Das ist nicht immer so gewesen. "Es gab Zeiten, da hatten wir 25 Nachwuchsschnitzer und 12 Nachwuchsklöpplerinnen", erinnert sich der Vereinsvorsitzende Thomas Stephan. Zu vielseitig sind die Möglichkeiten, wie die Jugend heute ihre Freizeit verbringen kann, findet er. Außerdem müssen sie nach der Schule in beruflicher Hinsicht viel flexibler sein als noch vor 40 Jahren.

Die alle fünf Jahre organisierte Ausstellung befindet sich vom 1. bis 16. Februar im Landgasthof Wemmer. Zugänglich ist sie montags bis freitags von 14 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 19 Uhr.


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