Schüler tragen Protest auf die Straße

Erstmals seit der Corona-Zwangspause hat die "Fridays for Future"- Bewegung wieder zu Demonstrationen aufgerufen. Auch in Annaberg-Buchholz schallten Protestrufe durch die Altstadt.

Annaberg-Buchholz.

Etwa 40 Jugendliche und Erwachsene haben sich am Freitag in Annaberg am globalen Klimastreik der "Fridays for Future"-Bewegung beteiligt. Zwar hatten die Organisatoren mit mehr Beteiligung gerechnet, doch schon im Vorfeld war ihnen klar, dass es im ländlichen Raum schwieriger ist, Menschen für den Klimaschutz zu mobilisieren - erst recht, nachdem das Thema aufgrund von Corona in den Hintergrund gerückt war. Doch gerade deshalb sei es wichtig, auf die Straße zu gehen und auf das Thema aufmerksam zu machen, sagen Felix Levin, Helene Adam und Anna Bretschneider. Die 18- beziehungsweise 16-Jährigen gehen in Annaberg-Buchholz zur Schule und engagieren sich in der Ortsgruppe von "Fridays for Future". Ihnen war es wichtig, sich an den weltweit stattfindenden Aktionen zu beteiligen.

Die Jugendlichen blieben aber nicht allein. Bei der Demonstration in der Kreisstadt waren auch Erwachsene dabei, die das Engagement der jungen Leute unterstützen und sich für Umweltschutz einsetzen. Hannelore Sabinarz war eine von ihnen. Die 86-Jährige ist der Meinung, dass Klimaschutz keine Frage des Alters ist. Daher hätte sie sich gewünscht, dass noch ein paar mehr Senioren gekommen wären. Mark Klauß reiste extra aus Aue nach Annaberg-Buchholz, um sich an dem Protest zu beteiligen. Für ihn war es die erste "Fridays for Future"-Demo. "Ich wollte mir das mal anschauen", erzählt der 29-Jährige.

Bei den Aktionen von "Fridays for Future" spielen aber nicht nur witzige Plakate, flotte Sprüche und der Protest an sich eine Rolle. Sie benennen vor allem die aus ihrer Sicht bestehenden Probleme in der Klimapolitik und stellen Forderungen an die Politik auf. Dazu gehören unter anderem: die Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaabkommens, eine 100-prozentige erneuerbare Energieversorgung und der Kohleausstieg bis 2030.

Seit dem vergangenen Jahr wurden mehrere Aktionen im Erzgebirgskreis auf die Beine gestellt. Die erste Demo fand im Mai 2019 in Annaberg-Buchholz statt, eine zweite in Marienberg folgte. Zuletzt versuchten die Schülerinnen und Schüler, an Infoständen mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Es sei aber sehr schwierig gewesen, die Passanten zu interessieren, gibt Felix Levin zu.

Auch bei der Demo am Freitag schüttelten einige Passanten den Kopf oder fühlten sich von den Rufen durch das Megafon gestört, was sie auch zum Ausdruck brachten. Im ländlichen Raum ist aus Sicht der Ortsgruppe klimabewusstes Leben deutlich schwerer umzusetzen als in Großstädten. Das fange schon bei den Angeboten des Öffentlichen Personennahverkehrs vor allem an Wochenenden an. Das Auto gehöre dort für viele zum Alltag. "Wir brauchen zudem mehr Radwege." Auch Second-Hand- und Unverpackt-Läden wären sehr gut, so die Schüler.

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