Seiffener Industriedenkmal soll abgebrochen werden

Die Gemeinde plant den Abriss der Fischer-Fabrik im Ortsteil Oberseiffenbach. Doch der Denkmalschutz hat auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Seiffen.

Ein eingebrochenes Dach, Bauzäune zur Absperrung - seit Jahren verfällt die ehemalige Fischer-Fabrik im Seiffener Ortsteil Oberseiffenbach. Erst nach langer Auseinandersetzung mit den vormaligen Eigentümern konnte die Gemeinde die Immobilie vor eineinhalb Jahren erwerben, nun soll sie abgerissen werden. Doch für dieses Vorhaben benötigt das Spielzeugdorf Fördermittel. Die erste Voraussetzung zur Bewilligung haben die Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen: Für exakt 4324 Euro soll ein Unternehmen aus Freiberg eine sogenannte Abfallbilanz erstellen. Die Firma wird die Gebäude untersuchen und auflisten, welche Materialien bei einem Abriss zur Entsorgung anfallen. Erst danach lassen sich die Kosten für den Abriss kalkulieren und Mittel beantragen.

Unterdessen zeichnet sich schon jetzt ab, dass der Abbruch der Brache nicht einfach wird. Denn auch der Denkmalschutz hat ein Wort mitzureden. Erste Gespräche mit der Denkmalschutzbehörde zur Aufhebung des Gebäudestatus' hätten bisher kein Ergebnis erbracht, teilte Bürgermeister Martin Wittig (CDU) den Gemeinderäten mit. Allerdings bestehe die Möglichkeit, das Gebäude auch als Denkmal abzureißen, ein entsprechender Antrag werde gestellt, so Wittig. Das einsturzgefährdete Gebäude ist mittlerweile nicht nur für Passanten eine Gefahrenquelle. Unter dem Bau fließt der Wildsbach. "Wenn die Fabrik weiter einstürzt, könnte das den Bach anstauen", erläuterte der Seiffener Bürgermeister.

Für die Nachnutzung des Areals gibt es bisher nur Überlegungen. Die Geschichte der 1850 gegründeten Fischer-Fabrik ist eng mit der Entwicklung des Seiffener Ortsteils verbunden. Wie Bürgermeister Wittig in der Sitzung informierte, wuchs die Einwohnerzahl von Oberseiffenbach anlog mit dem Erfolg der Fischer-Fabrik.

In dem Industriebau wurden Holzspiele hergestellt. Bei den Weltausstellungen 1873 in Wien und 1905 in Lüttich wurden Produkte aus dem Haus Fischer mit Medaillen ausgezeichnet. Denkbar sei deshalb, die Grundmauern bis auf etwa einen Meter Höhe stehen zu lassen und auf einer Tafel zur Geschichte des Bauwerks zu informieren, sagte Martin Wittig während der Gemeinderatssitzung.

Die Fischer-Fabrik ist nicht der einzige Industriebau, der in Seiffen abgerissen werden soll. Auch die Produktionsstätte des ehemaligen Spielzeugkombinats Vero soll verschwinden. Das Gebäude befindet sich allerdings in Privatbesitz. "Wir sind mit den Eigentümern im Gespräch", so Bürgermeister Wittig. Vorstellbar seien zwei Varianten. Entweder die Immobilie werde an die Gemeinde verkauft und dann abgerissen, oder Seiffen geht mit dem Abbruch in Vorkasse, und die Kosten werden danach mit dem Kaufpreis verrechnet. Auch für die Vero-Fabrik haben die Volksvertreter ein Entsorgungskonzept für ebenfalls 4324 Euro bei der Freiberger Firma in Auftrag gegeben.


Firmengeschichte

Die Fischer-Fabrik wurde im Jahr 1850 gegründet und stellte zunächst Holzglasschränkchen aus Ulmenholz und später verschiedene Themenbaukästen her. Zum Beispiel: Burgen- und Schwarzwaldbaukästen, Fachwerk- und Orientbaukästen sowie Spiele wie "Der kleine amerikanische Baumeister" sowie das "Buchstabenmagazin".

Bei Weltausstellungen in Wien (1873) und Lüttich (1905) wurden die Bau- und Legespiele der Firma mit Diplomen und Medaillen ausgezeichnet.

Der erste Miniatur-Baukasten in einer Zündholzschachtel wurde 1908 produziert. Dieser "Kleine Schwede" wurde bis zur Schließung der Fabrik produziert. (jwen)

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