Seiffener kämpfen um die Hauptstraße

In stetigen Schritten baut das Spielzeugdorf seine Schulden ab. Doch auf eine Sanierung der wichtigsten Verkehrsstraße im Ort warten die Einwohner bisher vergebens. Jetzt will der Bürgermeister mit einer Initiative Druck aufbauen.

Seiffen.

Eigentlich könnten in Seiffen schon längst die Bagger zum Bau der Hauptstraße anrollen. Ein entsprechendes Planungsverfahren liegt seit Monaten abgeschlossen vor. Doch ausbleibende Fördermittel verhinderten bisher eine Sanierung. Deshalb wird das Thema Straßenbau auch für den neuen Gemeinderat, der am 26. Mai gewählt wird, ein Dauerthema bleiben.

Um das Projekt voran zu bringen, hatte Bürgermeister Martin Wittig (CDU) bereits viele Hebel in Gang gesetzt; an das Landesamt für Straßenbau und Verkehr, das sächsische Wirtschaftsministerium und Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) geschrieben. Das Resultat: Zumeist unkonkrete Vertröstungen. Ministerpräsident Kretschmer möchte sich nun in Kürze zur Seiffner Hauptstraße äußern. Regierungssprecher Ralph Schreiber bestätigte, dass ein entsprechendes Schreiben in Arbeit sei. "Doch wir brauchen eine konkrete Zusage aus dem Wirtschaftsministerium", fordert Wittig nach wie vor. Sollte das Ministerium in den kommenden Wochen kein grünes Licht für die Mittel geben, möchte Wittig an seinem Plan für eine Demonstration am 6. Juni festhalten.


Derweil verliefen nicht alle Vorhaben so schleppend wie die geplante Sanierung der Hauptstraße. Im Gemeinderat sei stets sachlich argumentiert worden. "Da entsteht schon ein gewisses Vertrauensverhältnis", sagt Wittig. So konnte in der nun auslaufenden Legislaturperiode unter anderem die Kita im Ort auf 114 Plätze ausgebaut werden. Diese seien aktuell auch alle belegt.

Beim Schuldenabbau kommt das Spielzeugdorf in stetigen Schritten voran. Allein die mit dem Erlebnisbad verbundenen und aktuell noch gestundeten Schulden schlagen mit rund 4,5 Millionen zu Buche. Dennoch sei es möglich, jährlich rund 140.000 Euro an Verbindlichkeiten zu tilgen. Dafür hat die Kommune ihre Finanzstrategie neu ausgerichtet. Zum einen sorgen Sanierungen kommunaler Gebäude für eine deutliche Senkung der Energiekosten. Zum anderen seien im Bereich Tourismus die Preise angezogen worden - unter anderem bei den Parkgebühren, der Gästetaxe und den Eintrittspreisen für das Freilich- und Spielzeugmuseum.

Für den neugewählten Gemeinderat steht bereits eine Liste an Aufgaben fest. Der jüngst beschlossene Breitbandausbau in Eigenregie müsse umgesetzt werden, sagt Wittig. Dazu sei ein Planungsbüro herangezogen worden. Daneben sollen noch in diesem Jahr die Arbeiten für den geplanten Anbau am Gerätehaus beginnen - und nach Möglichkeit schon im kommenden Jahr abgeschlossen werden. Zudem soll in zwei Schritten ein neues Feuerwehrfahrzeug gekauft werden - 2020 zunächst das Fahrgestell, 2021 dann den Aufbau samt Ausstattung.

Außerdem habe Seiffen ein vielfältiges Gemeinwesen, betont der Bürgermeister und verweist auf den Sportverein sowie den Jugendclub als Beispiele. Auch die Freiwillige Feuerwehr sei mit ihrer Jugendabteilung gut aufgestellt. Allerdings müsse sich die Gemeinde auf demografische Herausforderungen einstellen, sagt Wittig. Vor allem jungen Menschen müsse wieder eine Perspektive geboten werden. Einen Anfang sieht er im geplanten Kreativzentrum. Für die älteren Seiffener könne er sich hingegen den Bau von altersgerechten Wohnungen im Ort vorstellen. "Alter allein sollte kein Grund für den Wegzug in ein Pflegeheim sein", fordert der Seiffener Bürgermeister.


Zahlen und Fakten

Seiffen zählte beim jüngsten Zensus (Dezember 2017) 2192 Einwohner.

Im Gemeinderat sind aktuell die FDP, die CDU und die Wählervereinigung Feuerwehr vertreten.

Neben dem Handwerk ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Gemeinde. 2017 wurden insgesamt 86.993 Übernachtungen in Seiffen verzeichnet. (jwen)


Die Kandidaten

20 Kandidaten treten bei der Gemeinderatswahl in Seiffen an:

Freie Demokratische Partei (FDP)

Carmen Günther

Udo Süßmilch

Michael Bock

Gabriele Wagner

Claudia Börner

Marion Schlesier

Theresa Elisabeth Beer

Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

Manfred Bolzenius

Mike Dienel

Gerlinde Einbock

Stefan Fuchs

Dr. Gunter Schneider

Katrin Ulbricht

Mathias Ulbricht

Frank Walther

Jens Walther

Wählervereinigung Feuerwehr

Marco Barthel

Alexander Enzmann

Falko Engelhardt

Marcel Klemm


Was sich Bürger wünschen

Mario Tischendorf, 45, Handwerksmeister: Zunächst all jenen Respekt, die als Kandidat ihre Bereitschaft zur Mitarbeit im Gemeinderat erklärt haben. Den Gewählten wünsche ich Kraft, Gesundheit und immer erfolgreiche Entscheidungen, unabhängig der jeweiligen Parteiinteressen, zum Wohle der Region. Ich erwarte vom neuen Rat mehr Präsenz bei regionalen Veranstaltungen. Mehr Projekte im Bereich Natur, Umwelt und Infrastruktur außerhalb des Ortskerns sowie die Erarbeitung eines Nutzungskonzeptes für das Erlebnisbad, zum Beispiel als Kindergarten, Seniorenheim oder Ärztehaus.

Albrecht Dietze, 50, Rechtsanwalt: Wir müssen zusammenhalten und die Kräfte bündeln. Deshalb wünsche ich mir regelmäßig Initiativen und Unterstützung von Projekten, die dazu beitragen. Gedacht ist etwa an Unternehmerstammtische und regelmäßige Vereinsfeste. Die Zukunftsfähigkeit unseres Ortes hängt davon ab, ob wir in Sachen Tourismus attraktiv und wettbewerbsfähig sind. Ich wünsche mir die schrittweise Umsetzung eines klares Konzeptes mit den Schwerpunkten Bergbau-Tradition, Holzkunst, Natur und Aktivurlaub.

Anett Martin, 53, Erzieherin: Die Kinder der Seiffener Kita gehen zum Sport ins 'Haus des Gastes'. Derzeit ist der Weg dorthin gefährlich, weil es in dem Bereich der Hauptstraße keinen Fußweg gibt. Einen solchen wünsche ich mir für unsere Kinder. Um die Attraktivität Seiffens ganzjährig zu steigern, sollte das ehemalige Erlebnisbad thematisiert werden und dieses beispielsweise zu einem Indoor-Spielplatz umgebaut werden. (faso)

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