Seiffener Kantor zieht es in die Landeshauptstadt

Tobias Braun beendet eine Fernbeziehung. Den Kontakt zum Spielzeugdorf will er unterdessen nicht abreißen lassen. Zum Beispiel als Teilnehmer bei einem Bergaufzug.

Seiffen.

Fast zwölf Jahre ist Tobias Braun Kantor in der Seiffener Bergkirche gewesen. Doch am 31. Juli endet für ihn die Zeit im Erzgebirge. Gleichzeitig ist dies aber auch das Ende einer Fernbeziehung, denn Tobias Braun geht als Kantor nach Dresden, der Heimatstadt seiner Frau.

Es seien vor allem sehr schöne Jahre in Seiffen gewesen, meint der Kantor. Hauptsächlich die Weihnachtszeit hat ihn jährlich fasziniert. Die berühmten Adventsmusiken würde es ohne das breite ehrenamtliche Engagement der Musiker in der Gemeinde nicht geben. Da ist er sich sicher. "Diese Zeit ist immer sehr anstrengend gewesen, hat aber auch immer viel Freude gemacht", erklärt er. Überhaupt hat Tobias Braun das Engagement vieler Seiffener Gemeindemitglieder zu schätzen gelernt. Die typisch erzgebirgische Weihnacht wird dem Kirchenmusiker fehlen, viele lieb gewonnene Seiffener auch. Ganz abreißen soll der Kontakt jedoch nicht. Schließlich bleibt er Mitglied in der Seiffener Berg- und Hüttenknappschaft. Er kann sich auch vorstellen, an dem einen oder anderen Bergaufzug des Vereins teilzunehmen.

Das Bergdorf ist nach Oelsnitz im Erzgebirge die zweite Dienststelle für den 46-Jährigen gewesen. Seine dritte wird nun Dresden-Loschwitz sein. Die Entscheidung zum Wechsel hat er sich nicht leicht gemacht. Seine Frau Britt Großmann-Braun ist Dresdnerin und hat dort auch ihren Arbeitsplatz. Beide kennen sich seit drei Jahren und haben versucht, eine Wochenendbeziehung zu führen. Das sei aufgrund des Arbeitsalltags eines Kantors jedoch keine Dauerlösung. Der Wechsel ist für das Paar das Beste, da sind sich die beiden einig.

Die neue Gemeinde ist etwa genauso groß wie jene in Seiffen. Beide zählen etwa 1600 Gemeindemitglieder. Selbst die Kirche in Loschwitz ist der in Seiffen ähnlich. "Die Grundform ist ebenfalls achteckig. Allerdings sind die Seiten nicht alle gleich lang, sodass sie eher etwa oval wirkt", sagt Tobias Braun. Die neue Orgel ist ein Werk der Moderne, auch wenn ihr Äußeres an die Barockzeit erinnert. Sie hat sogar einen Zimbelstern wie das Seiffener Instrument. Die Kirche selbst wurde während der Bombennacht im Februar 1945 zerstört und erst nach der Wende wieder aufgebaut.

Tobias Braun räumt ein, dass es auch weniger schöne Erlebnisse in Seiffen gab. Schließlich sei nicht alles Gold, was glänzt. "Mit Blick auf die Zukunft möchte ich daran aber keinen Gedanken mehr verschwenden", konstatiert er.

Pfarrer Michael Harzer sieht den Kantor nur ungern gehen. "Er war immer ein zuverlässiger Partner", sagt er. Verstehen kann er Tobias Braun aber auch. Er wünscht ihm Glück und Gottes Segen für seine Familie und seine neue Arbeitsstätte. Die Seiffener Kantorenstelle ist ausgeschrieben, aber derzeit noch vakant.

Der Verabschiedungsgottesdienst am 29. Juli beginnt 10 Uhr. Am Abend zuvor gestaltet Tobias Braun ab 17 Uhr mit der zweiten Kantorin der Gemeinde, Claudia Eckhardt, seine letzte Seiffener Sommermusik. Er wird auf der Orgel und sie auf der Violine spielen.

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