Senioren frischen ihre Segelflug-Kenntnisse auf

Auf dem Großrückerswalder Flugplatz können ältere Menschen einen Auffrischungskurs belegen und in die Lüfte steigen. Ein Zschopauer Ehepaar hatte jetzt sogar eine Premiere.

Großrückerswalde/Zschopau.

Ihre gemeinsame Liebe für die Segelfliegerei haben Erzsébet und Hans-Volkhard Gründler schon lange entdeckt. Bei dem soeben beendeten Fluglager in Großrückerswalde erlebten die beiden Zschopauer dennoch eine Premiere: Die Hobbypiloten frönten erstmals gemeinsam im Cockpit ihrer Leidenschaft.

"Seit Jugendtagen an begeistere ich mich für das lautlose Gleiten", berichtet Erzsébet Gründler. Die 72-Jährige ist gebürtige Ungarin und in Szombathely nahe der österreichischen Grenze aufgewachsen. "Ich war ein eher ängstliches Kind. Doch in der Nachbarschaft lebte ein Fluglehrer, der mich eines Tages mit auf den Flugplatz zum Schnupperbesuch nahm." Bei der damals 16-Jährigen war die Begeisterung geweckt. "So erwarb ich die Segelflug-Lizenz und eroberte bis zu meinem 21. Lebensjahr regelmäßig die Lüfte." Damals hätte Erzsébet Gründler nicht gedacht, in den folgenden fast vier Jahrzehnten am Boden bleiben zu müssen. "1967 nahm ich als Werkvertragsarbeiterin meine Tätigkeit in der DDR auf, arbeitete zunächst in der Feinspinnerei Zschopau." Damals hätte sich die junge Frau in Zwickau einer Fliegertruppe anschließen können. Doch sie erhielt keine Fluggenehmigung. "Ich war wohl potenzieller Republikflüchtling. Dabei hatte ich als Ungarin einen Reisepass für die ganze Welt."

Praktische Flugübungen blieben somit bis zur Nachwendezeit versagt. "Nur im Traum sah ich mich am Steuerknüppel", berichtet Erzsébet Gründler und schmunzelt. Später wechselte sie den Beruf, arbeitete nach einem Diplom-Sozialstudium im Gesundheitswesen und hatte inzwischen Hans-Volkhard kennengelernt. Mit ihm zog sie fünf Kinder groß.

Auch der Ehemann begeistert sich für die Fliegerei. Er hat zurückliegend die Segelflug-Ausbildung absolviert. "Zu meinem 60. Geburtstag überraschte mich die Familie mit einem Gutschein für einen Rundflug ab Großrückerswalde", blickt Erzsébet Gründler zurück. Als der Fliegerclub Großrückerswalde sein Angebot um ein Fluglager für interessierte Zeitgenossen erweitert, sind die Gründlers mit dabei. "2006 erhielt ich so Gelegenheit, wieder in einen Segelflieger einzusteigen", erinnert sich die 72-Jährige.

Wegen ihres fortgeschrittenen Alters bemühte sie sich aber nicht, die Lizenz neu zu erwerben. "Insofern sitze ich im Cockpit in der zweiten Reihe, starte nur mit einem Piloten. In rund 1100 Metern Höhe hatten wir herrliche drei Stunden Flugdauer", schwärmt Erzsébet Gründler. "Ein prima Projekt", bescheinigt sie zugleich den Gastgebern um Jörg Österreich.

Als Zielgruppe für die Auffrischungskurse sieht der Fliegerclub flugbegeisterte Neugierige und schon länger nicht mehr in die Luft gegangene, aber einst ausgebildete Flieger. Zur 18. Auflage waren neben Sachsen auch Gäste aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen mit dabei. "Interessenten sollten rechtzeitig den Kontakt zum Fliegerclub suchen, die Platzkapazität ist limitiert", sagt Organisationschef Jörg Österreich. Zum Abschluss des Lehrgangs ließ er sich mit knapp zwei Dutzend Gleichgesinnten eine am offenen Feuer gekochte ungarische Gulaschsuppe schmecken. "Liebe geht mit meinem Rezept auch durch den Magen", meinte Erzsébet Gründler.

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