So feiern die Erzgebirger ihre Frauen

Ein Pockauer verteilt 250 Rosen, ein Landhotel lädt zum Frühschoppen ein. Und im Gelenauer Kellertheater verteilt ein Kavalier alter DDR-Schule rote Nelken.

Olbernhau/Heidersdorf/Gelenau.

Am 8. März werden Rosen verschenkt. Das handhabt Gerd Glöckner zum Internationalen Frauentag schon seit Jahren so. Mit der ersten hat der 46-Jährige diesmal seine Ehefrau überrascht. Schon am Freitag. "Einfach, weil ich da die 250 Rosen gekauft habe, die ich am Sonntag und Montag verschenke", fügte Gerd Glöckner hinzu. Er ist Mitglied der Olbernhauer Basisgruppe der Partei Die Linke.

Sonntagmorgen übergab er in Begleitung seiner Töchter Jasmin und Karolin die ersten Blumengrüße an die diensthabenden Schwestern der Notaufnahme des Olbernhauer Krankenhauses. "Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet", freuten sich Katja Herold und Antje Menzer. Vom diensthabenden Arzt hatten sie zu Dienstbeginn schon Konfekt bekommen. Auch Claudia Bellmann, die in der Notaufnahme auf eine Freundin wartete, erhielt von Gerd Glöckner eine Rose. "Das war heute mein erstes Präsent zum Frauentag. Ich freue mich riesig", sagte Claudia Bellmann. Gerd Glöckner sieht die Rose als eine kleine Aufmerksamkeit für Frauen an ihrem Ehrentag, der auch die Gleichstellung der Geschlechter thematisiert. "Gerade in der Pflege- und Gesundheitsbranche ist eine besondere Wertschätzung angebracht, denn der Dienst am Menschen, insbesondere an Wochenenden und Feiertagen, ist keine Selbstverständlichkeit", sagte der Pockauer, der am Montag weitere Rosen verschenken will. Etwa an Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung Pockau-Lengefeld, einer Arztpraxis sowie einer Kita.

Zu einem musikalischen Frühschoppen hatte am Sonntag das Team des Landhotels "Quelle" nach Heidersdorf eingeladen. Im Saal des Hauses spielten die Tiroler Partymander auf. Allerdings kamen weit weniger Besucher als erhofft. Der Grund: das Corona-Virus. "Zwei Reisebusse aus Dresden, die mit mehr als 80 Gästen zu uns kommen sollten, haben kurzfristig abgesagt", so Geschäftsführer Andreas Börner.

Die Gäste, die der Einladung gefolgt waren, ließen sich die Stimmung jedoch nicht vermiesen. "Mein Mann hat mich eingeladen, was mich sehr gefreut hat", sagte die Heidersdorferin Elke Schweighofer, die ihren Peter am Sonntag deshalb auch nicht bekochen musste. Renate Baldauf aus Lengefeld hingegen wurde nicht von ihrem Ehemann eingeladen. Sie ergriff selbst die Initiative: "Ich habe von der Veranstaltung in der Zeitung gelesen. Weil ich die Gruppe kannte, tanzen wollte und mal nicht kochen, habe ich halt meinen Horst eingeladen", sagt die 83-Jährige und lachte. Im nächsten Jahr soll es am Frauentag wieder einen Frühschoppen in seinem Haus geben. "Dann hoffentlich in einem vollen Saal", sagte Andreas Börner.

Gefüllt war am Sonntag dagegen die Theaterkneipe "Zum Hanswurst" in Gelenau. Ganz Kavalier alter DDR-Schule, verschenkte Arnold Böswetter rote Nelken und sparte nicht mit Komplimenten - auch wenn diese mal etwas daneben gingen. Die Puppenfigur wusste einfach, was sich gehört. Eine Frauensportgruppe aus Schönfeld gönnte sich einen schönen Abend und ließ ihre Männer daheim. Clever stellte es Ehemann André aus Hormersdorf an: Er und sein Nachbar führten Andrés Ehefrau Ramona in die Theaterkneipe aus und ließen sich anschließend von ihr nach Hause kutschieren. Simone Fischer sparte sich den Abwasch zu Hause und lud ihre Gäste nach Gelenau ein: "Das ist meine Geburtstagsfeier mit vielen Freundinnen. Unsere Männer haben wir aber nicht zu Hause gelassen. Die durften auch mit."

Der Auftritt von Arnold Böswetter war von Hausherr Frank Hübner gut arrangiert: Ehefrau Helga hatte ein mehrgängiges Menü zubereitet. Nachdem dieses verspeist war, durften die Gäste die Kalorien wieder ablachen.


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