Spielzeug aus Erzgebirge erobert Holland

In den Niederlanden ist eine Ausstellung zu DDR-Holzspielwaren zu Ende gegangen. Sie war ein voller Erfolg. Deshalb soll eine weitere folgen. Was viele nicht wissen: Im Alltag holländischer Kinder spielt erzgebirgische Holzkunst schon länger eine wichtige Rolle.

Olbernhau.

Borgen bringt Sorgen, sagt eine alte Redensart. Ohne Borgen geht es aber manchmal nicht. Auch nicht in Museen, die Sonderausstellungen gestalten wollen, deren eigener Fundus für das jeweilige Thema aber nicht die passenden Exponate in der gewünschten Bandbreite bereithält. Abhilfe schaffen Kontakte zu anderen Museen, die zum gewünschten Anlass entsprechendes Material in ihrem Bestand haben. Auch Museen im Erzgebirge tauschen sich aus - überregional mit Einrichtungen in Chemnitz, Dresden, Leipzig und sogar in den Niederlanden.

Exponate des Olbernhauer Museums sind aus einem internationalen Verleih in Holland zurückgekehrt. In der Stadt Sneek im Norden des Landes fand seit Dezember eine Ausstellung mit mehr als 100 Exponaten unter dem Namen "Magazijn van de Dromen" - "Warenhaus der Träume" statt. Das Nationale Modellbahnmuseum in Sneek organisierte die Ausstellung über erzgebirgische Holzkunst und Holzspielzeug unter anderem zusammen mit dem Erzgebirgsmuseum und der Manufaktur der Träume Annaberg-Buchholz, dem Museum Olbernhau sowie der Dregeno Seiffen.


Initiiert wurde die Ausstellung von Marije Hectors, die in Südwest-Friesland aufgewachsen ist und seit 2008 in Freiberg studiert und lebt. "Anfang der 1990er-Jahre war ich mit meinen Eltern in Nürnberg, die dort eine geschnitzte Krippe aus dem Erzgebirge kauften. Für mich als Kind war sie faszinierend, aber tabu. Jahre später, als ich nach Freiberg zog, sah ich in Freiberg in einem Schaufenster eine fast identische Krippe - und habe mich nach dem Hersteller erkundigt, der in Seiffen seinen Sitz hat", erzählt die heute 29-Jährige.

Ein erster Besuch im Spielzeugdorf brachte ihr einen Aha-Effekt und sie auf die Idee, eine Ausstellung über die Holzkunst des Erzgebirges in ihrer Heimat zu gestalten. Für sie ein kleiner gedanklicher Schritt, denn ihre Eltern betreiben eine Firma, die sich auf die Gestaltung und Ausrichtung von multimedialen Ausstellungen spezialisiert hat. "Das Erzgebirge gilt auch bei uns als Weihnachtsland. Weniger bekannt ist - und ich war mir dessen nicht bewusst -, wie viele Dinge von hier den Alltag, speziell den von Kindern, in den Niederlanden bestimmt haben", sagt Marije Hectors. Seit den 1960er-Jahren sind viele Kindergärten und Grundschulen mit Holzspielzeug aus dem Erzgebirge ausgestattet worden.

"Die Spielsachen waren modern, schlicht, spielbar, innovativ, robust und vor allem bezahlbar", erläutert Marije Hectors. Federführend beim Export auch in die Niederlande war das Kombinat Holzspielwaren Vero Olbernhau, welches 1972 aus dem Zusammenschluss volkseigener Spielwarenbetriebe in der DDR entstand und schwerpunktmäßig Holzspielwaren und Modelleisenbahnzubehör produzierte.

Auf der Suche nach möglichst vielen Exponaten aus dieser Zeit schrieb Marije Hectors im Juli vergangenen Jahres unter anderem auch das Museum Olbernhau mit der Bitte um Unterstützung an. Jetzt, nachdem die Ausstellung in Sneek beendet ist, nahm die Leiterin des Museums Olbernhau, Katharina Scheithauer, die für die Schau zur Verfügung gestellten Vero-Artikel wieder in Empfang. "Damit ist alles in Ordnung, keine Beschädigungen und alles komplett", sagte sie nach einer gründlichen Kontrolle.

Allerdings werden die Exponate vermutlich nicht allzu lange im Olbernhauer Depot bleiben. "Da die Ausstellung sehr gut angenommen wurde, plane ich sie gerade für ein kleineres Museum im Süden der Niederlande noch einmal. Zudem hat ein Museum im westlichen Rheinland starkes Interesse an dem Thema. Daher werde ich die Exponate vermutlich in diesem Jahr noch einmal ausleihen", blickt Marije Hectors voraus.

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