Stadtchef erwägt Abriss des Gasthofs Erbgericht

Olbernhaus Bürgermeister will die Ruine und die Kleiderbügelfabrik in der Nähe kaufen. Seine Pläne für die Grundstücke stoßen auf Unverständnis.

Blumenau.

Abitur, Schulabschluss, Wiedervereinigung? Einige Mitglieder des Technischen Ausschusses Olbernhau rätselten, wann sie zuletzt im Gasthof Erbgericht gefeiert hatten. Bis kurz nach der Wende ging in dem Gebäude an der Hauptstraße oft die Post ab. Doch heute steht dort eine Ruine. Und der Anlass, der die Ausschussmitglieder vor der jüngsten Sitzung dorthin brachte, war wenig erheiternd.

Bürgermeister Heinz-Peter Haustein (FDP) hatte den Besichtigungstermin mit dem Besitzer, Ekkehard Legler, organisiert. Geht es nach Haustein, dann könnte der Gasthof bald abgerissen werden. So ließe sich ein "Schandfleck" in Blumenau beseitigen. Zuvor würde die Stadt Olbernhau das Gebäude kaufen, zu einem Preis in Höhe von 1 Euro. Über ein Fördermittelprogramm könnte das Geld für den Abriss beantragt werden. Ähnlich will Haustein mit der Kleiderbügelfabrik Max Richter verfahren, die nicht weit vom Gasthof entfernt liegt.


Ekkehard Legler ist damit nicht ganz einverstanden. Er, der Urenkel von Max Richter, hatte das Familienunternehmen 1992 übernommen. Vor fünf Jahren beantragte er ein Insolvenzverfahren. "Aber die Grundstücke sind nicht schlecht." Nur unter bestimmten Bedingungen, sagte Legler auf Nachfrage, wäre er bereit zu verkaufen - jedoch nicht zu dem Preis, den Haustein vorschlägt. Wie hoch die Kaufsumme sein sollte, darüber will er allerdings nichts in der Zeitung lesen.

Nach der Besichtigung tagte der Ausschuss im Blumenauer Feuerwehrgerätehaus. Haustein nahm nicht teil, er war im Urlaub. Doch Hauptamtsleiterin Gabriele Lorenz erklärte, dass Haustein den Plan hege, die Grundstücke nach Abriss der Fabrik und des Gasthofs eventuell weiter zu verkaufen. Bei einigen Stadträten stießen diese Ideen auf Unverständnis. Hartmut Tanneberger (SPD) etwa konnte darin keine kommunale Aufgabe erkennen. Die Pläne des Bürgermeisters blieben für ihn "undurchsichtig".

Gotthelf Richter hat das Unternehmen 1875 gegründet. Zunächst wurden dort auch Flintenschäfte hergestellt, später vor allem Kleiderbügel. Max Richter ließ 1913 die Fabrik bauen, die bis heute in Blumenau steht. Zum Betrieb gehörte auch ein eigenes Sägewerk.

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