Stadträte geben grünes Licht für geplantes Ärztezentrum

Bereits nächsten Monat könnte der Bau des neuen MVZ in Marienberg beginnen. Wie dringend vor allem Augenmediziner in der Region benötigt werden, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Lauterbach.

Marienberg.

Für den 91-Jährigen und seinen Sohn ist der Arztbesuch schon so beschwerlich genug. Um die Augen des Seniors kontrollieren zu lassen, müssen die beiden Lauterbacher seit nunmehr zehn Jahren regelmäßig 54 Kilometer zurücklegen. Nachdem eine Zschopauer Medizinerin aufgehört hatte, befindet sich der Rentner in Thalheim in Behandlung. "Weil in der Region kein Arzt meinen Vater übernahm", sagt der Mann, der anonym bleiben will. Doch ein Notfall vor wenigen Tagen verdeutlicht den Ärztemangel in der Region noch eindringlicher.

"Mein Vater hat von einem Tag zum nächsten auf dem linken Auge nichts mehr gesehen. In Thalheim wurde uns ein nächstmöglicher Termin für Januar 2020 angeboten. Erst nach ausdrücklicher Betonung, dass es sich um einen Notfall handelt, hat die Ärztin meinen Vater dazwischengeschoben." Und die Lage ist ernst: Nach der Behandlung wurde der 91-Jährige sofort in die Augenklinik nach Chemnitz eingewiesen.

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Ein Millionenprojekt soll nun den Mangel an Medizinern in der Region entgegensteuern. In der Freiberger Straße in Marienberg ist ein neues medizinisches Versorgungszentrum geplant. Im Optimalfall könnte bereits nächsten Monat der Bau beginnen. Die Stadträte jedenfalls haben grünes Licht für die Pläne der Verwaltungsgenossenschaft "MVZ Der Arzt" mit Sitz in Köln gegeben. Mehrere Apotheker, die aktuell einzige Augenmedizinerin aus der Bergstadt und Vertreter aus dem Altenpflegedienst verfolgten die Sitzung des Technischen Ausschusses am Dienstagabend im Rathaus. "Seitens der Stadt gibt es keinerlei Bedenken", sagte Oberbürgermeister André Heinrich (parteilos). Die Stadträte bewilligten schließlich einstimmig den Befreiungsantrag zu den städtebaulichen Abweichungen, um das Projekt zu ermöglichen.

Noch aber muss das Landratsamt den Bau genehmigen. "Wir haben den Bauantrag vor drei Wochen eingereicht. Sobald uns die Erlaubnis vorliegt, benötigen wir noch vier Wochen bis zum Start", sagt Michael Kosel. Der Aufsichtsratvorsitzende der Verwaltungsgenossenschaft rechnet für den dreigeschossigen Gebäudekomplex mit einer Bauzeit von neun bis zwölf Monaten.

Bereits Ende Januar dieses Jahres hatte "Freie Presse" berichtet, dass 2020 die ersten Patienten im MVZ behandelt und ambulant operiert werden sollen. Geplant sind acht Praxen und ein OP-Zentrum für bis zu zwölf Mediziner. Zwei Augenärzte, ein Hautarzt, wahrscheinlich ein Urologe sowie weitere Allgemeinmediziner in vier Praxen werden sowohl Privat- als auch Kassenpatienten behandeln. In der Augenklinik mit zwei hochmodernen Operationsbereichen soll außerdem ambulant operiert werden. Zusätzlich vorgesehen sind medizinische Dienstleister wie Apotheke, Labor, Sanitätshaus, Physiotherapie, Hörgeräteakustiker und Optiker. Aktuell finden Gespräche mit Bewerbern statt, so Kosel. "Uns liegen auch schon Kooperations- und Nachfolge-Anfragen von Ärzten aus der Region vor."

In die bisherige Planung sei bereits eine sechsstellige Summe investiert worden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Mit dem MVZ in Marienberg soll allen voran die augenärztliche Versorgung im Erzgebirge sichergestellt werden. Aktuell praktiziert in der Bergstadt eine Medizinerin in dem Fachbereich. In Zschopau ist ein Facharzt mit Praxis und OP-Zentrum bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gemeldet. Zu wenige für das mittlere Erzgebirge, bestätigte KV-Sprecherin Katharina Bachmann-Bux. Erst im September vergangenen Jahres hatte eine Augenmedizinerin in Olbernhau aufgehört. Die KV habe diesen freien Sitz aber gar nicht ausgeschrieben, behauptet Kosel. Warum, dass hat die KV am Donnerstag unbeantwortet gelassen. Kosel hingegen verrät: "Wir haben der Kassenärztlichen Vereinigung mitgeteilt, dass wir gern den freien Augenarzt-Sitz von Olbernhau für das MVZ in Marienberg mit verwenden wollen."

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1Kommentare
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  • 4
    0
    1635769
    10.05.2019

    Immer hübsch Arztsitze an undurchschaubare Investmentgesellschaften aus Köln oder Britannien oder Indien verschachern. Das wird den freien Arztberuf und die langfristige ärztliche Versorgung im Erzgebirge sicherlich stärken.



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