Statt um Spaß geht es um Sorgen

Auch im Lockdown setzt der Zschopauer Jugendclub seine Arbeit fort. Art und Inhalt haben sich jedoch deutlich verändert.

Zschopau.

Spektakuläre Ballwechsel am Netz und spannende Staffelspiele - so hätte in dieser Woche der Alltag für die Teilnehmer des Sportcamps ausgesehen, das der "High Point" stets in den Winterferien organisiert. Allerdings herrscht im Zschopauer Jugendclub, in dem die Kinder und Jugendlichen sonst übernachten, gähnende Leere. Nur Mathias Raschke, der Geschäftsführer der Einrichtung, sitzt im Büro und hat seinen Rechner an.

"Wir sind jetzt in Videochats unterwegs", sagt der 61-Jährige über sich und seine Mitarbeiterinnen Mandy Gutschker und Martina Oehme. Homeoffice ist angesagt, denn gerade in Zeiten des Lockdowns ist der Kontakt zu Kindern und Jugendlichen wichtig. Statt Camps und Kurse zu organisieren, bei denen viele gemeinsam etwas unternehmen, soll der Teamgeist auf digitaler Ebene erhalten bleiben. "Jeden Tag leiten wir Chats", so Raschke, der mit seinem Team auf Gruppen aus dem ersten Lockdown zurückgreifen kann. Dabei geht es um die Themen Sport und Bewegung, Spiele und Basteln sowie Elternberatung.

Auch wenn sich die Zahl der Teilnehmer oft an einer Hand abzählen lässt, so ist der Jugendclubleiter froh, zumindest einen Teil der sonstigen Stammgäste zu erreichen. "Nicht viel länger als eine Stunde dauert das. Die meisten hängen ja eh schon den ganzen Tag vorm Computer", sagt Raschke. Entscheidend sei der soziale Kontakt. Schon eine kurze Zeitspanne reiche, um eine Vertrauensbasis zu spüren. Oft kommt es auch zu Einzelgesprächen. Sowohl die junge Generation als auch Eltern haben verstärkt Redebedarf. "Viele fühlen sich wegen der verloren gegangenen Tagesstruktur überfordert und eingesperrt", erzählt Raschke, der als systematischer Familientherapeut Tipps geben kann. So stellen regelmäßige Mahlzeiten und eine feste Terminierung von Aufgaben und Pausen wichtige Eckpfeiler dar.

"Unsere Arbeit besteht darin, zuzuhören, aufzurichten und zu motivieren", erklärt der 61-Jährige. Auch Besuche bei Familien gibt es mitunter noch, "wenn wir das Gefühl haben, dass wir direkt helfen müssen". Gegen schlechte Stimmung wollen die Mitarbeiter des "High Point" dabei ebenso ankämpfen wie gegen eventuelle Kindeswohlgefährdung. "Mitunter war es schon grenzwertig", sagt Raschke, der die präventive Arbeit via Internet deshalb für umso wichtiger hält. Doch noch mehr Freude würde es ihm bereiten, Kinder und Jugendliche bald wieder im Sportcamp begrüßen zu dürfen. Denn das wurde nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben.

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