Theaterensemble landet den ersten Coup

Zwölf Premieren stehen in der 126. Spielzeit auf Plan des Winterstein-Theaters. Die erste geht am Sonntag über die Bühne - und spielt im Theater.

Annaberg-Buchholz.

Sie sind legendär: Egon, Benny und Kjeld - die Olsenbande. Und der Kult um das unnachahmliche Ganoventrio aus Dänemark ist auch 20 Jahre nach dem letzten Film der insgesamt 14-teiligen Kriminalkomödie ungebrochen. Mehr als 3000 Mitglieder zählt der bandeneigene Fanclub mittlerweile. Einer ihrer wohl besten Coups ist ihnen in ihrem achten Film gelungen, als sie sich mit Brecheisen und Sprengsätzen im Takt der Musik unbemerkt in den Zuschauerraum des dänischen Nationaltheaters vorarbeiten, um die Kronjuwelen der Königin zu retten.

Genau die Geschichte hat Regisseur Urs-Alexander Schleiff in den vergangenen Wochen für die große Bühne des Eduard-von-Winterstein-Theaters in Annaberg-Buchholz inszeniert. Morgen Abend ist Premiere. Es ist bereits der zweite Coup, den das Kult-Trio dort landet. Vor fünf Jahren hieß es bereits "Die Olsenbande dreht durch". Am Regiepult stand auch damals schon Urs-Alexander Schleiff. Der gebürtige Erfurter, der sein Handwerk an der Hochschule für Schauspiel "Ernst Busch" in Berlin gelernt hat und seit 2012 freiberuflich als Regisseur und Schauspieler tätig ist, hat sich aber nicht nur damit längst einen Namen gemacht beim erzgebirgischen Theaterpublikum. Das hat bei seinen Inszenierungen regelmäßig reichlich zu lachen - ob mit "Charleys Tante", während der "Saison in Salzburg" oder auch in "Und alles auf Krankenschein". Er versteht es, seine eigene Spielfreude auf jeden seiner Darsteller zu übertragen und so ganz individuelle Charaktere zu schaffen, die zusammen eine wunderbar unterhaltsame Mischung bieten.

Vertraute Gesichter auch in den Hauptrollen: Udo Prucha schlüpft erneut in Maßanzug und Melone und mimt den Zigarrenstummel rauchenden Egon Olsen. Maximilian Nowka gibt in den typisch knallgelben Socken und zu kurzen Hosen den Benny und Nenad Žanić den etwas zaghaften Kjeld mit seiner markanter Schiebermütze, der seine legendäre Hebammentasche nur selten aus der Hand legt. Und nicht zu vergessen natürlich seine treu sorgende Ehefrau Yvonne, die nicht nur mit ihrem schier unerschöpflichen Redefluss immer wieder alle Pläne durcheinanderbringt. Einmal mehr eine Paraderolle für Gisa Kümmerling, die schon in der ersten Inszenierung reichlich Szenenapplaus erhalten hat. In weiteren Rollen sind unter anderem Isa Etienne Flaccus, Marie-Louise von Gottberg, Anne Wolff, Maurice Daniel Ernst, Nick Körber, Marvin Thiede, Philipp Adam und Matthias Stephan Hildebrandt zu erleben.

Premiere: "Die Olsenbande II - der große Theatercoup" hat am Sonntag Premiere. Die Vorstellung beginnt 19 Uhr. Die nächsten Aufführungen stehen am 10. Oktober, 19.30 Uhr, und am 21. Oktober, 19 Uhr, auf dem Spielplan.


Improvisation über dem Abgrund des Orchestergrabens

Das Gefängnistor öffnet sich - und Egon Olsen wird nicht wie gewohnt entlassen, sondern hinausgeworfen. Melone und Zigarre hinterher. Ein Skandal! Verdammte Amnestie! Um seine Ganovenehre und den Respekt seiner Komplizen Benny und Kjeld vor ihm zu retten, muss der begnadete Kopf der "lausigen Amateurverbrecherbande" wohl oder übel wieder "rein in den Kahn".

Dann ist alles wie immer: Benny und Kjeld holen ihren Boss vom Gefängnis ab, und Egon hat auch schon den nächsten Plan: Denn er hat von dunklen Geistern erfahren, die ihre weltumspannend miesen Geschäfte planen und der Königin ihr Geschmeide vom Hals stehlen wollen! Egon vermasselt den Vaterlandsverrätern einen sauber ausgetüftelten Bruch beim Goldschmied an der Ecke.

Ort des Geschehens ist das Theater. Es geht hinter die Kulissen: Der nur ans Essen denkende Kjeld muss den Hamlet geben, der zappelige Benny an den lautesten Stellen der Musik die Bohrmaschine schwingen. Und Egon Olsen improvisiert noch über dem Abgrund des Orchestergrabens.

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