Tödlicher Unfall: Autofahrer zu Geldstrafe verurteilt

Ein Pkw hatte einen Fußgänger in Olbernhau erfasst. Im Fokus der Verhandlung am Marienberger Amtsgericht stand nun die Frage: Wäre der Zusammenstoß vermeidbar gewesen?

Marienberg/Olbernhau.

Ein fahrlässiges Tötungsdelikt gegen einen 47-jährigen Olbernhauer ist am Mittwoch am Marienberger Amtsgericht verhandelt worden. Dem Beschuldigten wurde vorgeworfen, am 21. August des zurückliegenden Jahres mit seinem Pkw von der Töpfergasse in Olbernhau kommend auf Höhe des Hauses Gerbergasse 1 einen Fußgänger erfasst zu haben. Der damals 78-jährige Senior, der an dieser Stelle die Straße überqueren wollte, wurde bei dem Zusammenprall so schwer verletzt, dass er noch am selben Tag verstarb.

Der gegen ihn erhobene Vorwurf ging dem Beschuldigten sichtbar nahe. Mit gesenktem Haupt vernahm er die Verlesung der Anklageschrift und nutzte die erste Gelegenheit einer Aussage, um sich vor Gericht bei der Ehefrau des Getöteten zu entschuldigen. "Es tut mir wahnsinnig leid. Aber ich habe Ihren Mann wirklich nicht gesehen", bekundete der Olbernhauer zur Ehefrau, die im Prozess als Nebenklägerin auftrat. Minutiös und mit längeren Pausen schilderte der Angeklagte den Hergang des Unfalls aus seiner Sicht. Er habe noch auf einen Mopedfahrer rund 20 Meter vor ihm geachtet. Plötzlich habe er einen Schatten wahrgenommen, im selben Moment sei es schon zum Zusammenstoß gekommen.

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Unklarheit herrschte zunächst, von welcher Seite das Opfer die Straße überqueren wollte. Der Beschuldigte hatte dazu im Vorfeld gegensätzliche Aussagen gemacht. Ein als Zeuge geladener Beamter von der Verkehrspolizei kam nach der Auswertung der Schäden am Pkw zu dem Schluss, dass der Geschädigte aus Sicht des Fahrers von links über die Straße wollte. Ein medizinisches Gutachten der Verletzungen des Getöteten stützte diese Aussage. Unmut regte sich indes bei einem der anwesenden Gäste der Verhandlung. "So ein Schwindel, wir wollen die Wahrheit", skandierte dieser. Richter Toralf Kliemt wies den Zuschauer zurecht, dass die Wahrheitsfindung Gegenstand der Verhandlung sei und drohte bei weiteren Störungen einen Verweis aus dem Gerichtssaal an.

In der fortgesetzten Verhandlung stützte unterdessen ein vom Gericht bestellter Gutachter die Aussagen des Beamten. Nach einer Analyse aller Spuren sei davon auszugehen, dass der Angeklagte am Tag des Unfalls mit einer Geschwindigkeit von mindestens 38 und höchstens 42 Kilometern in der Stunde unterwegs war. Zulässig sind auf diesen Abschnitt 50 Stundenkilometer. Da am Unfallort keine Bremsspuren festgestellt worden seien, müsse davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte erst im Moment des Zusammenstoßes auf die Bremsen trat, erläuterte der Gutachter. Eine Überprüfung des Autos habe zudem ergeben, dass der Pkw keine technischen Mängel zum Zeitpunkt des Unfalls aufgewiesen habe. Aus diesen Daten schloss der Gutachter, dass der Unfall hätte vermieden werden können. Allerdings hätte auch das Opfer dem Unfall durch höhere Aufmerksamkeit entgehen können.

In ihrem Plädoyer sah die Staatsanwaltschaft den Vorwurf der fahrlässigen Tötung als erwiesen an. Dem Angeklagten wurden jedoch sein Geständnis und die Entschuldigung zu Gute gehalten. Zudem sei er bisher weder strafrechtlich in Erscheinung getreten, noch jemals in einen Verkehrsunfall verwickelt gewesen. Die Staatsanwaltschaft forderte deshalb eine Strafe von 90 Tagessätzen zu jeweils 30 Euro und ein fünfmonatiges Fahrverbot. Die Nebenklage hingegen forderte eine höhere, die Verteidigung eine deutlich niedrigere Geldstrafe.

Richter Toralf Kliemt folgte im Wesentlichen den Forderungen der Staatsanwaltschaft und verurteilte den 47-Jährigen wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 30 Euro, zudem legte er dem Angeklagten ein viermonatiges Fahrverbot auf. Wenn Menschen tödlich verletzt werden, stehe schnell die Forderung nach einer Freiheitsstrafe im Raum. "Ich denke aber, eine Geldstrafe wirkt in diesem Fall nicht relativierend, weil Sie ohnehin mit der Schuld am Tod eines Menschen leben müssen", begründete Richter Kliemt den Schuldspruch. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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