Tragisches Ende eines Flugfestes in Großrückerswalde

Die Serie tödlicher Unfälle am Flugplatz Großrückerswalde setzt sich fort. Eine Kollision zweier Maschinen erschütterte 1000 Zuschauer im Erzgebirge.

Großrückerswalde.

14.30 Uhr auf dem Flugplatz Großrückerswalde - viele der rund 1000 beschwingten Gäste des Flugplatzfestes am Samstag schauen in den erzgebirgischen Himmel, als es passiert. Beim Landeanflug kommen sich ein Ultraleichtflugzeug und ein Segelflieger zu nahe. Sie berühren einander. Dem 63-jährigen Segelflug-Piloten gelingt es noch, sein Fluggerät kontrolliert zu Boden zu bringen. Er und sein 48-jähriger Fluggast kommen mit dem Schrecken davon. Doch der Ultraleicht-Flieger gerät ins Trudeln. Am Rande des nahen Waldes stürzt er ab. Für den 54-jährigen Piloten und seine 26-jährige Begleiterin gibt es keine Rettung. Berichte, nach denen es sich bei den Toten um Vater und Tochter handelt, will der Sprecher des Flugplatzes nicht kommentieren.

Mehrere Notärzte, vier Rettungswagen, ein Hubschrauber - niemand kann man mehr helfen. 19 Kameraden umliegender Feuerwehren schirmen die Unfallstelle ab, während die Bergung des Wracks der zweisitzigen Maschine vom Typ "Flight Design CTSW" beginnt. In Fliegerkreisen verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. "Zutiefst erschüttert trauern wir um beide", kondoliert ein Verbund von Flug-Enthusiasten, der sich "Rischtische Fliescher" nennt, noch am Wochenende auf seiner Website. In seiner CTSW hatte der abgestürzte Pilot gemeinsam mit anderen Mitgliedern dieser Gruppe unzählige Flugstunden absolviert. Er galt als versiert, hatte jahrelange Erfahrung. Einen wochenlangen Rundflug über den Balkan und Südeuropa hatte er ebenso gemeistert wie eine Runde bis zum norwegischen Nordkap und zurück. Bei der Reise zum nördlichsten Punkt Europas hatte er im Jahr 2008 unter Beweis gestellt, welch hohe Priorität Sicherheit für ihn genoss. Seine erträumte Landung auf dem Nordkap, von der er der "Freien Presse" noch vor dem Start vorgeschwärmt hatte, ließ die Gruppe ausfallen - wegen der schlechten Sichtbedingungen.

Die Sicht am Wochenende war dagegen gut. Ob die Kollision mit dem erhöhtem Flugverkehrsaufkommen zu tun hatte, das ein Flugplatzfest mit sich bringt, muss die Braunschweiger Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung klären. Sie ist bereits eingeschaltet.

Auch wenn bei den Veranstaltervereinen zunächst eine Informationssperre herrschte, macht ein Blick auf die Website des örtlichen Fliegerclubs Großrückerswalde klar, dass man um die Gefahren dicht frequentierten Luftraums weiß. Der Verein informiert im Netz mit einem ausladenden Zeitungsartikel über GPS-basierte Kollisionswarnsysteme für Hobbyflieger. Zwar ersetze nichts den umsichtigen Rundumblick des Piloten heißt es da, doch habe die im Artikel gepriesene Technik sicher bereits viele Kollisionen verhindert. Ob der abgestürzte Ultraleicht-Flieger über ein solches Warnsystem verfügte, ist unklar.

Das Flugzeug-Unglück in Großrückerswalde war in der Region bereits das zweite binnen 24 Stunden. Erst am Freitag war ein Ultraleichtflugzeug nahe Hartenstein im Kreis Zwickau nach einer Notlandung ausgebrannt. Der Pilot konnte die Maschine rechtzeitig verlassen und blieb unverletzt. Der 40-Jährige war nördlich des Bodensees in Baden-Württemberg gestartet und wollte die Maschine nach Großenhain im Landkreis Meißen überführen. Über dem Erzgebirge bemerkte er Rauch und entschloss sich zur Notlandung auf einem Feld.

Das Drama vom Samstag ist auch nicht das erste tödliche Flugzeugunglück im Erzgebirge. Am 16. August 1997 verbrannte in Großrückerswalde ein weiblicher Fluggast. An dem Tag hoben Segelflieger im Minutentakt ab - teils per Winde, teils von Schleppflugzeugen gezogen. Ein von einem per Winde gestarteten Segelflieger ausgeklinktes Seil fiel herab und traf ein abhebendes Motorflugzeug vom Typ Wilga. Die Trosse verfing sich im Propeller und beschädigte die Benzinleitung. Das Flugzeug fing Feuer. Der Pilot schaffte es noch, zu landen, doch überschlug sich die Wilga. In dem Wrack verbrannte eine 31-jährige Frau.

Am 12. Juni 2000 stürzte eine Jak 52 im Wald zwischen Geyer und Zwönitz ab. Der Pilot und sein Fluggast starben. Die Maschine war beim Flugplatzfest in Jahnsdorf bei Stollberg zu einem Rundflug gestartet. Der Pilot (52) war mit dem Gast (27) diverse Kunstflugfiguren geflogen.

Im April 2004 verunglückte ein 27-jähriger Mann aus Annaberg bei einem Fallschirmsprung in Großrückerswalde tödlich. Der Hauptschirm des Sprungschülers verhedderte sich in einer Höhe von 1200 Metern. Er klinkte diesen aus. Warum sich der Zweitschirm nicht vorschriftsmäßig öffnete, blieb unklar. Mängel am Reservefallschirm wurden nicht gefunden.

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6Kommentare
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  • 2
    2
    gelöschter Nutzer
    12.09.2016

    @ Blackadder, P.P.S.:
    Hier sind Flugzeuginsassen gestorben, die spielen mit und wissen um ihr Risiko. So tragisch der Ausgang dennoch ist und mir leid tut.
    Was aber, wenn so ein (brennendes) Wrack in Zuschauermengen stürzt? Dann ist das Geschrei groß. DAS meine ich mit "ich muss da nicht hingehen"
    "Auf Flugschauen und beim Training für Flugschauen kam es in der Vergangenheit zu zahlreichen teils schweren Unfällen. Begünstigt wurden sie unter anderem durch >> enge Abstände zwischen den Fluggeräten, niedrige Flughöhen und hohe Fluggeschwindigkeiten

  • 4
    2
    gelöschter Nutzer
    12.09.2016

    @ Blackadder, P.S.:
    Es geht schlicht und ergreifend um vermeidbare (sprich durch sich selbst vermeidbare) Risiken. In den Straßenverkehr muss ich, da kann ich mein Verhalten nur selbst so risikoarm wie möglich auslegen. In den Haushalt muss ich auch. Zu einer Flugshow muss ich nicht. Das ist der Punkt. Genauso wie Rauchen zum Bsp. das größte (vermeidbare!!) Gesundheitsrisiko ist, das ich selbst ausklammern kann. Andere Gesundheitsrisiken kann man leider nicht ausklammern. DAS ist der Punkt; und nicht, dass ich nicht mehr vor die Haustüre gehe; so ein Quatsch

  • 5
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    gelöschter Nutzer
    12.09.2016

    Blackadder, auf einen deratig plumpen Einwand ("Gehen Sie überhaupt noch auf die Straße?") habe ich gewartet.
    Ja, ich gehe auf die Straße und ich fahre Motorrad.
    Ja, wir haben mitunter Sicherheitsvorschriften, die sind hanebüchen.
    Fragt sich nur, warum gerade bei Flugshows immer wieder derart viele und dann in Folge natürlich auch folgenschwere Unfälle (Unglücke) passieren? Irgendwas scheint ja da im speziellen Fall doch nicht zu stimmen.... Aber es darf jeder für sich selbst entscheiden, welche Risiken er im Leben ausklammert. Für mich gehören da Flugshows dazu.

  • 3
    6
    Blackadder
    12.09.2016

    @A809: Gehen Sie überhaupt noch auf die Straße? Bekanntlich passieren die meisten Unfälle im Straßenverkehr UND zu Hause. das Leben ist nunmal lebensgefährlich, ich denke, gerade in Deutschland haben wir ausreichende Sicherheitsvorschriften, um solche Gefahren auf ein ertägliches Mindestmaß zu reduzieren.

  • 3
    2
    gelöschter Nutzer
    12.09.2016

    P.S.: das Entwickeln, betreiben und letztlich benutzen von allzu risikobehafteten "Bespaßungsgeräten" auf Rummelplätzen und vor allem in den Vergnügungsparks schließe ich da gleich mit ein, und damit meine ich noch nicht einmal eine Achterbahn...

  • 3
    3
    gelöschter Nutzer
    12.09.2016

    Ich will hier nicht klug schei...n,
    und zuallererst tun mir neben den Opfern und ganz besonders deren Angehörigen die Zuschauer sowie die Organisatoren leid.
    Aber: Wann lernt man aus solchen Veranstaltungen, die nachweisbar meistens mit Zwischenfällen und/oder gar Unglücken einhergehen? Muss es immer erst ein Ramstein sein, ehe man schlau wird? Ich meide solche Veranstaltungen jedenfalls, genauso wie Rallye-Veranstaltungen, die im öffentlichen Verkehrsraum bis (sehr) nah an die Zuschauermassen heran stattfinden.
    Man stelle sich vor, bei der Formel Eins oder im Motorrad-GP gäbe es keine vorgeschriebenen (Fahrt-)Richtungen und Überholmanöverregeln, und jeder würde fahren (oder wie im obigen Fall fliegen), wie er möchte?
    Seitens der Beteiligten kommt der Kick der Veranstaltung dazu, seitens der Zuschauer die Sensationsgier. Wenn man sich derartig dem Risiko aussetzt, dann kann man nur Eins und Eins zusammenzählen und damit rechnen, dass immer etwas passieren kann ... und sehr häufig eben leider auch tatsächlich passiert.



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