Treffen bringt Idole und Fans zusammen

Zum Rennfahrerstammtisch in der Baldauf-Villa erinnern Zeitzeugen und Anhänger an den Motorradsport in der Region - aber auch an einschneidende Erlebnisse.

Marienberg.

Rennsportgeschichte und vor allem -geschichten wurden am Samstagabend beim Rennfahrer-Stammtisch in der Marienberger Baldauf-Villa serviert. Auf die Idee, Rennfahrer und Fans zu einem solchen Treffen einzuladen, kamen die Leiterin der Baldauf-Villa Constanze Ulbricht und Ulrich Hartmann im vergangenen Jahr.

Die legendäre Rennstrecke des Marienberger Dreieckes konnte 2018 auf eine 95-jährige Geschichte zurückblicken. Aus diesem Anlass habe die Baldauf-Villa eine Ausstellung über die Rennsportkarriere des ehemaligen Marienberger Rennfahrers Ulrich Hartmann gezeigt, sagte Constanze Ulbricht: "Dabei entstand die Idee, die 'alte Hasen' des Motorradrennsports aus dem Erzgebirge zusammen zu bringen."

Zwischen dem Gebäude der Baldauf-Villa und Ulrich Hartmann gibt es eine besondere Verbindung: Die Grundlage für die Erfolge des heute 67-jährigen im Rennsport wurden mit dem Besuch der Arbeitsgemeinschaft Verkehrstechnik im damaligen Pionierhaus, der heutigen Baldauf-Villa, gelegt. Über das Schrauben sei er erst zum Rennsport gekommen, erinnerte sich Ulrich Hartmann: "Meine erste Maschine habe ich auf Basis einer MZ TS 250 Solomaschine selbst gebaut. 1974 habe ich dann angefangen, Bergrennen zu fahren und bin gleich im ersten Jahr Vize-Bezirksmeister geworden." Bis 1985 habe er aktiv Rennsport betrieben und dabei auch einschneidende Ereignisse erlebt, so Hartmann, der heute in der Nähe von Osnabrück lebt: "Beim Bergrennen auf dem Schwartenberg bin ich gestürzt und habe mich schwer verletzt. Es wäre zu gefährlich gewesen, danach weiterzumachen."

Mehr als 60 Rennsportler und Fans waren der Einladung zum Stammtisch am Samstag gefolgt und schwelgten gemeinsam in Erinnerungen. So auch Rayko Wagner. "Ich habe sehr viele Rennen als Zuschauer verfolgt. Für mich ist das heute ein Treffen mit den Helden meiner Jugend", freut sich der Zöblitzer, der sich zwei MZ-Straßenrennmaschinen gekauft hat und mit diesen seit 2005 an Classic-Fahrten teilnimmt. Dabei immer an seiner Seite: Ehefrau Grit Wagner. Sie gehörte auch zu den wenigen Frauen, die sich zum Stammtischtreffen eingefunden hatten. Sie fahre ebenso gern zu den Rennen mit und es mache ihr Spaß, erzählt die Zöblitzerin: "Klar, etwas Angst ist immer dabei, wenn ich am Streckenrand das Rennen verfolge. Ich weiß aber, dass mein Mann besonnen fährt." Auf die Fahrten freue sie sich auch deshalb, weil sie oft dieselben Leute trifft und so schon viele Freundschaften entstanden sind. "Eine Rennsportfamilie sozusagen", so Grit Wagner.

Für Ulrich Hartmann war der erste Stammtisch für Rennfahrer in der Baldauf-Villa ein voller Erfolg. "Einer Wiederholung steht aus meiner Sicht nichts im Wege. Ob direkt im nächsten oder erst in zwei Jahren, das werden wir sehen", blickt Hartmann voraus.


Kampf um Platz 6

Lothar Neukirchner aus Thalheim nahm am Stammtisch teil. Der 60-jährige gewann 1987, 1988 und 1989 für den MC Wismut Aue startend den DDR-Meister-Titel in der 250-Kubikzentimeter-Klasse. "Obwohl Material damals Mangelware war, gab es eine aktive Motorsport-Szene. Die hält bis heute wie eine Familie zusammen. Das gibt es so nicht mehr. Damals wie heute gleich ist, dass Rennsport immer Geld kostet und Erfolg körperliche Fitness und Köpfchen erfordert", sagt Neukirchner, der eine Episode an ein Rennen von Ulrich Hartmann erzählte: "Auf dem Sachsenring lieferte sich Ulrich 1984 einen Zweikampf um Platz 6 mit dem Ungarn Lajos Hagymasi, der mit einer neuen Yamaha fuhr. Das war so packend, dass die Zuschauer die anderen Fahrer gar nicht mehr interessierten. Ulrich konnte sich mit seinem zehn Jahre alten Eigenbau am Ende behaupten." (faso)

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